Literaturtage

Eine literarische Reise im Blauen Bähnli durch die Welt der Literatur

Der Berner Verein Buchowski bietet während der 37. Solothurner Literaturtage Lesefahrten zwischen Bern und Solothurn an.

Willkommen auf der Fahrt von Bern nach Solothurn. Wir wünschen Ihnen schöne Aussichten – auf Bücher und aus dem Fenster.» So begrüsste der Kondukteur die Fahrgäste, als die Bahn am Freitag um 10.10 Uhr aus dem Bahnhof des Regionalverkehrs Bern-Solothurn (RBS) hinausrollte. Anlässlich der 37. Solothurner Literaturtage bietet der Berner Verein Buchowski Lesefahrten im Büchertram an. «Ds Blaue Bähnli», das durch den Sketch «Dr schnällscht Wäg nach Worb» zur Legende wurde, ist über 100 Jahre alt. Im Besitz des RBS steht es für Extrafahrten im Einsatz und verspricht zusammen mit dem «literarischen Fahrplan» ein Erlebnis der besonderen Art.

Ausgestattet mit Bänken und Tischen aus Holz, bot die historische Bahn Platz für 36 Passagiere. Auf der Fahrt von Bern nach Solothurn lieferten sich in Kabine eins der Filmschaffende Simon Baumann, bekannt durch «Zum Beispiel Suberg», und Daniel Mezger, Autor von «Land spielen», eine Diskussion darüber, wo das Mittelland liegt und ob man «dort» leben kann. Derweil thematisierte Autor Beat Sterchi, ebenfalls geladener Gast auf dieser Fahrt, Reisesituationen in Kabine zwei. Authentischer hätte eine literarische Zugfahrt kaum sein können.

Prompt widmete Beat Sterchi den Leseauftakt der Stadt Solothurn und verflocht die Merkmale «schönes Ausflugsziel» und «Literaturtage» zu einem Spoken-Word. Für viele seiner Texte seien die Einfälle auf Reisen entstanden. Sterchi verriet, dass mitgehörte (Telefon-)Gespräche bisweilen Eingang in seine Notizen fänden. So war «Hallo, da isch d’Nadia! ...» nicht der einzige Text, der die Zuhörer an selbsterlebte Momente erinnerte. In lockerer Atmosphäre verstand es Sterchi, dem Publikum regelmässig ein Lachen zu entlocken. So verging die Zeit im Zug wie im Flug.

Beim Halt in Fraubrunnen erwartete auf dem Perron eine liebevoll hergerichtete Zwischenverpflegung die Reisenden. Trotz garstigem Regenwetter – die «Kalte Sophie» machte ihrem Namen alle Ehre – blieben die Gäste bei bester Laune und unterhielten sich.

Buchowski sei aus dem Freundeskreis und dem gemeinsamen Wunsch heraus entstanden, in der Freizeit etwas Eigenes aufzubauen, erzählte Vereinspräsidentin Sarah Müller. Eine Idee habe zur nächsten geführt, sodass verschiedene Literaturprojekte mit neuen Lesearten realisiert wurden. «Unsere Projekte folgen aber keinem bestimmten Rhythmus», so Müller. Vielmehr beteilige sich der kleine Verein am Rande anderer Veranstaltungen.

Es wurde Zeit, die Reise und damit die Diskussion in Kabine eins fortzusetzen. «Das Mittelland ist selten schön», sagte Simon Baumann zum Thema der Zersiedelung. Die Schweizer Provinz sei innert 30 Jahren ohne Vision umgebaut worden. Sie bestehe aus Reihen neuer Häuser mit Hecken, wie sie gerade aus dem Fenster zu sehen seien, so Baumann. «Das Klischee, im Dorf kennt jeder jeden und in der Stadt herrscht Anonymität, ist im Begriff, sich ins Gegenteil zu kehren.» Wohin diese Reise wohl führen wird? Vorerst jedenfalls an die Literaturtage nach Solothurn.

Für die Fahrten am Sonntag mit Ralf Schlatter und Arno Camenisch gibt es noch Tickets für 35 Franken. Verkauf direkt am Perron. Abfahrt in Solothurn 16.25, Ankunft in Bern 17.50 Uhr.

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