Ihnen ist längst klar, wen Sie am kommenden 12. März in die Solothurner Regierung wählen werden? Also die drei Bisherigen, die weder besonders auf- noch abgefallen sind. Zusätzlich die, nüchtern betrachtet, sicherlich aussichtsreichsten Kandidatinnen der frei werdenden Sitze von FDP und SP – obwohl beide nicht unumstritten. Falsch? Pardon, Sie sind ja überzeugt von der SVP. Die wählerstarke Partei hofft weiterhin auf einen Sitz in unserer Exekutive.
Was die nicht schon alles probiert haben und dabei regelmässig aufgelaufen sind.

Woran das bloss liegen mag? Frei von Ironie: an den portierten Personen natürlich, denen man das hohe Amt schlichtweg nicht zutraut. Ebenfalls nicht unterschlagen wollen wir das wenig einnehmende Verhalten von SVP-Vertretern gegenüber potenziellen bürgerlichen Partnern. Im Klartext, wer will denn schon einen Schulterschluss mit Lästerern und Spöttern eingehen, wie zum Beispiel nach der ruppigen Debatte um die Masseneinwanderung geschehen? SVP demnach auch 2017 allein auf weiter Flur – auf der Verliererspur (wir sprechen von der Regierungsratswahl).

Schon mal von Jamaika gehört?

Nun, die Auswahl an Kandidaten und Kandidatinnen ist bekanntlich noch weit grösser. Selbst Grüne und Grünliberale trauen sich erstaunlich viel zu, obwohl sie in der Wählergunst schon weit bessere Werte erzielt haben. Eine Nebenrolle spielt dabei die konservative, mit grünen Tupfern versehene, grünliberale Kandidatin Nicole Hirt. Ganz im Gegensatz zur grünen Ex-Bundesratsanwärterin Brigit Wyss, die jetzt offenbar selbst in bürgerlichen Kreisen auf Händen getragen wird. Viel anders kann die gestern Freitag überraschend an die Öffentlichkeit gelangte «Aktion Jamaika-Koalition – für einen Kanton ohne ideologisch verbohrte Politik» nicht gedeutet werden. Das in Deutschland abgekupferte Modell schwarz-gelb-grün soll dem Kanton Solothurn zu einer «konsensfähigen Regierung» verhelfen. Diese würde gemäss Inseratetext aus Remo Ankli, Roland Fürst, Roland Heim, Marianne Meister und Brigit Wyss bestehen. Die Sozialdemokraten hopp und weg aus der Regierung.

Die lakonische Reaktion eines darauf angesprochenen SP-Mannes lautete kurz und bündig: «Was Jamaika, geht’s noch? Für ä tüüfa gsuundä Schlaaf!» Zweifellos eine Anspielung auf die nicht als hyperdynamisch auffallende, wenig streitlustige und gemässigt debattierfreudige erste Garnitur des Solothurner Politbetriebs.

Anschauungsunterricht gab es diese Woche in der gut besuchten Solothurner Kulturfabrik Kofmehl. Die führenden Solothurner Medien Radio 32, «Regionaljournal Aargau-Solothurn» sowie Solothurner Zeitung/Grenchner Tagblatt luden zum grossen Klingenkreuzen der acht Anwärter für die fünf Sitze in der Exekutive. Die auf dem Silbertablett präsentierte Chance, sich vor Publikum zu profilieren. Schliesslich ist Wahlkampf – wäre Wahlkampf. Für die meisten war es ein Krampf. Einer, der solche Auftritte hinter sich hat und es sich im Publikum gemütlich machen konnte, meinte spürbar erleichtert: «Zum Glück muss ich nicht mehr dort oben stehen.» Sich leidenschaftlich fetzen, dem gehen Solothurner lieber aus dem Weg. Beispiel gefällig? Moderator fragt Kandidatin, was sie an den Regierenden auszusetzen habe. Antwort: Sie würde sich doch nie erlauben, die Magistraten zu kritisieren. Was will man als Bisheriger mehr? Solch rücksichtsvoll-verschämte Herausforderer kann man sich nur wünschen. Die Folge davon: Keiner der drei amtierenden Regierungsräte musste deshalb den Turbo wirklich zünden (wenn man davon ausgeht, dass sie es bei Bedarf hätten tun können).

SZ-Chefredaktor Theodor Eckert gibt eine Einschätzung zum Wahlpodium der Solothurner Regierungsratskandidaten 2017 ab

SZ-Chefredaktor Theodor Eckert gibt eine Einschätzung zum Wahlpodium der Solothurner Regierungsratskandidaten 2017 ab

Erfrischende Ausnahmen

Doch, doch, die Harmonie im Ansatz geritzt, die sedierte Stimmung aufgehellt, haben schliesslich zwei Kandidaten der Pol-Parteien. Launig-unorthodoxe Einwürfe kamen vom SVP-Vertreter Manfred Küng und die offensiv gestimmte SP-Frau Susanne Schaffner setzte ihr breites Wissen gezielt ein. Gleichzeitig provozierte sie mit ihrer Hartnäckigkeit beim politischen Gegner im Zuschauerraum schon mal ein Kopfschütteln. Wir sagen, gut so. Und nochmals: Es herrscht Wahlkampf. Raus aus der Reserve. Zeigt, was ihr draufhabt. Im Kofmehl war doch nicht zu einer Tupperware-Party geladen worden.

Ein Trost bleibt: Bei Sachfragen scheinen, mit Nuancen, die acht Regierungswilligen sattelfest zu sein. Ob sie ihre Kenntnisse im Ernstfall, also unter erschwerten Bedingungen, jederzeit umzusetzen wissen, ist eine andere Frage. Aber zum Glück steht eine Unternehmenssteuerreform ja nicht jeden Tag auf der Traktandenliste.

theodor.eckert@azmedien.ch