Bei der Solothurner Handelskammer ist man vom Abstimmungsresultat zur Masseneinwanderung «enttäuscht». «Eine Kontingentierung wird den heute im Kanton herrschenden Fachkräftemangel verschärfen», sagt Direktor Daniel Probst.

Er sieht vor allem die exportorientierte und hochinnovative Medizinaltechnik- und Präzisionsindustrie am Jurasüdfuss in der Bredouille, da diese auf Top-Fachkräfte angewiesen sei.

«Die Firmen können in der Schweiz nur auf ein bescheidenes Reservoir an Fachleuten zurückgreifen.» Bisher hätten die Firmen relativ unkompliziert EU-Fachkräfte rekrutieren können.

«Der Kampf um Top-Arbeitskräfte wird zunehmen», warnt Probst. Er befürchtet insbesondere einen interkantonalen Verteilkampf um Kontingente, bei dem sich Solothurn dann etwa mit dem internationalen Standort Genf konkurrenzieren muss.

Die Solothurner Regierung, fordert die Handelskammer, müsse deshalb möglichst viel bei der interkantonalen Verteilung der Kontingente herauszuholen, um so die negativen Auswirkungen auf den Industriekanton möglichst gering zu halten.

Auch Vertreter des Baugewerbes hätten sich nach der Abstimmung bei ihm gemeldet, so Probst. «Die Bauwirtschaft ist derzeit super ausgelastet. Aber das Wachstum der letzten Jahre entstand durch die Binnenkonjunktur, die durch die Zuwanderung angetrieben wird.»

«Massvoll und unbürokratisch»

Aus Sicht der Handelskammer muss nun möglichst schnell klar sein, wie die Initiative genau umgesetzt wird. «Ein Klima der Unsicherheit ist nicht gut», so Probst. Wenn Firmen nicht wüssten, wie es mit den Bilateralen weitergehe oder wie viele Arbeitskräfte in die Schweiz geholt werden könnten, seien Investitionen gefährdet.

«Tagtäglich stehen bei den Unternehmen Entscheidungen an. Unsere Unternehmen werden auch von ausländischen Wirtschaftsregionen angegangen», warnt Probst. Auch deshalb müsse das Verfahren so «massvoll» und unbürokratisch wie möglich umgesetzt werden.

Die Handelskammer selbst will ihre eigenen Anstrengungen zur Behebung des Fachkräftemangels intensivieren. So wird derzeit das bestehende Internetportal, das Schulabgänger und Firmen zusammenbringen soll, gemeinsam mit dem Kanton weiterentwickelt.

Betroffen sein könnten von der Initiative insbesondere auch die Solothurner Spitäler, die nicht nur der grösste Arbeitgeber der Region sind, sondern im Gesundheitsbereich auch besonders auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen sind. Doch dort möchte man sich zum Abstimmungsergebnis nicht äussern. «Es ist noch zu früh, um etwas zu sagen», erklärt Oliver Schneider, Leiter Kommunikation. «Wir warten erst einmal ab. Früher haben wir auch schon Kontingente gehabt.»

Wink des Stimmvolks verstanden

Eine massvolle Umsetzung fordern auch die Wirtschaftsverbände, die sich im Solothurner Nein-Komitee gegen die Initiative ausgesprochen hatten. «Insbesondere die Wirtschaftsverbände erwarten von der SVP nun konkrete Vorschläge», heisst es in der Mitteilung, die Andreas Gasche, Geschäftsführer des Kantonalen Gewerbeverbandes, verschickt hat.

Die Gründe, die zum Ja geführt hätten, würden in den kommenden Wochen genauer analysiert werden. Man habe verstanden, «dass die Potenziale an Arbeitskräften in der Schweiz noch besser zu nutzen sind.»