Mitmachen bei der kantonalen Jahresausstellung kann, wer Mitglied in einem der solothurnischen Kunstvereine ist, oder wer Einwohner im Kanton Solothurn ist. «Wir sind bei den Mitmach-Kriterien sehr grosszügig», sagt Brigitte Müller, die Präsidentin des Solothurner Kunstvereins. Dieser organisiert die Ausstellung in diesem Jahr, denn die Jahresausstellungs-Macher und Standorte wechseln jedes Jahr zwischen den Solothurn und Olten ab.

Doch die Kriterien sind immer gleich: Wer mitmachen will, muss ein Dossier mit Fotos und Angaben zu seinem Werk einreichen. «Dieses Jahr erreichten uns 152 Dossiers. 44 Künstler haben es bis zum Schluss geschafft. Ihre Arbeiten sind nun zu sehen.» Während der Mitmach-Modus also relativ grosszügig gehandhabt wird, ist das Auswahlprozedere umso strenger. Dazu wird die Auswahljury stets neu zusammengesetzt. In diesem Jahr jurierten Andreas Fiedler, Direktor des Zentrums für zeitgenössische Kunst, Berlin, als Präsident; Victorine Müller, Künstlerin; Matthieu Haudenschild, Architekt und Brigitte Müller, Texterin – beide als Vertreter des Solothurner Kunstvereins.

Fiedler schreibt in seinem Jurybericht, dass man – unter den «Augen von Hodler, Cézanne und Oppenheim» im Kunstmuseum sitzend – sich als Jury zu den eingereichten Arbeiten immer wieder die Fragen stellte: «Was überdauert? Was ist Zeitgeist in transformierter, kondensierter Form und daher wohl wichtig?» Oder: «Was ist belanglos und bloss unreflektierter Zeitgeist?» Ausgewählt für die Jahresausstellung wurden Arbeiten mit fast sämtlichen künstlerischen Medien, doch fällt auf, dass die traditionelle Art des künstlerischen Ausdrucks – Malerei, Zeichnung und Skulptur – überwiegt.

Bekannte und Newcomer

In der Jahresausstellung sind stets «alte Bekannte» anzutreffen, aber auch Newcomer zu entdecken. Die Bandbreite der Kunstschaffenden reicht vom unter 30-Jährigen bis zur über 80-Jährigen. Auffallend ist in diesem Jahrgang aber der grosse Frauenanteil unter den Künstlern.

Interessant ist es dann schliesslich, wie die einzelnen Kunstpositionen in den sechs verschiedenen Museumsräumen gezeigt werden, welche Wirkungen sie auf- und gegeneinander erzielen. Verblüffend die Arbeit des Künstlerduos «Haus am Gern» mit dem Titel «Hell» – eine verspiegelte Plexiglas-Arbeit am Boden stehend, die hervorragend mit Maja Rieders grossformatiger 45-teiligen Tusche-auf-Papierfalt-Arbeit korrespondiert, welche den Titel trägt «Mach einen Löwen...». Herausragende malerische und zeichnerische Positionen sind von Kaspar Flück, Matthias Huber, Daniel Gämperle, Fritz Guggisberg, Franz Anatol Wyss, Dimitra Charamandas, Gergana Mantscheva und Annatina Graf zu sehen.

Unsere Internet- und Selfie-Gewohnheiten hinterfragen das Video von Françoise Caraco mit dem Titel «Vergessen und Erinnern» und die verblüffende Medieninstallation «States of Void» von Selina Frölicher und Micha Bietenhader .

Die Jahresausstellung 2019 ist eine emotional abwechslungsreiche Schau, mit ästhetisch schönen und handwerklich perfekten Arbeiten. Sie schaffen es tatsächlich, den heutigen Zeitgeist künstlerisch zu transformieren.

Vernissage: Samstag 17 Uhr. Gleichzeitig Eröffnung des «Freispiel» im Grafischen Kabinett. Beide Ausstellungen bis 6. Jan. 2019.