Welche Kontakte und welche Beziehungen haben Sie heute zu Ihrer Heimat?

Lorenz Studer: Ich bin in Solothurn geboren und bin in Hägendorf aufgewachsen (Primarschule). Ich habe dann das Gymnasium an der Kanti Olten absolviert. Nachher habe ich Medizin studiert in Freiburg und Bern und dann meine ersten Forschungsarbeiten auch in Bern durchgeführt (zusätzliche Doktorarbeit in Neuroscience). Ich lebe seit 1996 in den USA, aber habe regelmässige Kontakte mit der Schweiz, da meine Eltern und Geschwister alle in noch in der Schweiz leben. Deshalb war es auch eine Ehre für mich, als erster «Schweizer» den Annemarie-Opprecht-Award zu erhalten.

Warum sind Sie in die USA gegangen?

Wie viele junge Forscher wollte ich mich in den USA weiterbilden (postdoctoral Fellowship mit Stipendium des Schweizer Nationalfonds), ursprünglich mit der Idee, in die Schweiz zurückzukommen. Ich habe mich dann anders entschieden, da die Stammzellenforschung in den USA viel fortgeschrittener war als in der Schweiz. Ich habe auch noch private Gründe gehabt, um in den USA zu bleiben, da ich dort meine Lebenspartnerin getroffen habe und wir hier eine Familie gegründet haben.

Ist das Umfeld in den USA für Forscher besser als in der Schweiz?

Die Schweiz hat ein sehr gutes Umfeld für viele Forschungsrichtungen. In New York ist das Umfeld speziell gut, da drei grosse Institute – Memorial Sloan-Kettering, Cornell University und Rockefeller University – alle im gleichen Quartier lokalisiert sind. Zum Beispiel haben wir hier die «Tri-insitutional stem cell initative», die den drei Instituten private Gelder für Stammzellforschung zur Verfügung stellt. Auch gibt es eine sehr grosse Anzahl von Spitzenforschern.

Wird Parkinson bald heilbar sein?

Wir denken, dass sich dank Stammzellen eine interessante neue Therapie für die Behandlung von Parkinson-Patienten entwickeln wird. Jedoch wird dies sehr wahrscheinlich nicht eine komplette Heilung darstellen, aber hoffentlich eine gute Alternative zu den herkömmlichen Therapien. Im Moment sind wir im Stadium, in dem wir die klinische Anwendung planen können; und wir hoffen, dass die ersten Patienten in etwa 4 Jahren behandelt werden können. Zusätzlich kann unsere Methode auch dazu benutzt werden, um neue, patientenspezifische Medikamente zur Parkinson-Behandlung zu entwickeln.

Sie verwenden Zellen aus menschlichen Embryonen, haben Sie keine ethischen Bedenken?

Ich habe einen katholischen «Background» und habe mich mit den ethischen Fragen durchaus auseinandergesetzt. Persönlich habe ich keine Bedenken, solange die Forschung unter korrekten ethischen Bedingungen durchgeführt wird. Die embryonalen Stammzellen für unsere Studien wurden vor mehr als zehn Jahren hergestellt, aus Material, das sonst vernichtet worden wäre. Unsere Methode funktioniert auch sehr gut mit so genannten iPSC-Zellen, die sich wie embryonale Stammzellen verhalten, aber via Reprogrammierung aus Hautzellen generiert wurden. Dafür hat übrigens Shinya Yamanaka dieses Jahr den Nobelpreis erhalten.

Sie arbeiten in New York. Wurde Ihre Arbeit vom Sturm beeinträchtigt?

Glücklicherweise hatten wir keine grossen Schäden zu Hause oder im Labor. Einige unserer Nachbar-Institute in der New York University hatten aber sehr grosse Schäden und haben fast alle Tier-Kolonien und Reagenzien im Sturm verloren.

Was bedeutet Ihnen dieser Preis?

Er ist eine grosse Ehre mich als Schweizer – Solothurner! – und auch als Stammzellenforscher. Die Stammzellenforschung war oft nicht sehr «main-stream», und die bisherigen Preisträger für diesen Award waren die renommiertesten Parkinson- Forscher, die traditionelle Forschungsrichtungen verfolgten. Mit diesem Award wird auch die Rolle der Stammzellenforschung im Parkinons-Feld geehrt. Da ja auch der heurige Nobel-Preis für Medizin für die Stammzellenforschung vergeben wurde, wird es mehr und mehr klar, dass unser Forschungsrichtung Anerkennung in der Wissenschaft und Medizin erfährt. Wir hoffen natürlich, dass dies am Ende auch medizinische Durchbrüche bringen wird.