Oberaargauer Brass Band
Eine Brass Band kämpft für Anschluss an die Spitze

Die Oberaargauer Brass Band bewegt sich bei Wettbewerben auf den hinteren Rängen. Das soll sich ändern. Sie will sich als Kulturträgerin der Region innert fünf Jahren in den Top fünf der Schweizerischen Brass-Band-Höchstklasse positionieren.

Alois Winiger
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Die Oberaargauer Brass ist das einzige Höchstklasse-Blasorchester im Mittelland. Sie will noch besser werden.

Die Oberaargauer Brass ist das einzige Höchstklasse-Blasorchester im Mittelland. Sie will noch besser werden.

zvg

Was für ein Gegensatz: Wenn die Oberaargauer Brass Band (OBB) zum Konzert einlädt, kann sie auf ein grosses und begeistertes Publikum zählen. Beim Concorso Musicale Europea 2013 in Italien holte sie 98 von 100 möglichen Punkten und damit den Sieg. Mitglieder der Band nehmen als Kleinformation mit grossem Erfolg an Solowettbewerben teil.

Aber: Bei den Schweizerischen Brass-Band-Meisterschaften in Montreux landete die Band in den letzten drei Jahren jedes Mal auf dem letzten Platz. Beim diesjährigen Swiss Open Contest am Worldbandfestival in Luzern reichte es nur für den zweitletzten Platz. Es muss jedoch erwähnt werden: In Luzern und in Montreux misst sich die OBB in der Höchstklasse des Schweizerischen Blasmusikwesens. Und dieses setzt seit einiger Zeit internationale Massstäbe. Dieses Jahr zum Beispiel hat die Brass Band Bürgermusik Luzern (BML) den Titel der Europameisterin erreicht.

Neubeginn

Doch was ist los mit der Oberaargauer Brass Band? Immerhin hielt sie in früheren Jahren im Mittelfeld mit, schaffte es auch auf Podestplätze, beim seinerzeitigen Swiss Entertainment Contest siegte sie sogar zwei Mal hintereinander.

Im Verein hat man die Zeichen erkannt und setzte im Jahr 2012 auf einen Neubeginn. Das Ziel: Die OBB soll sich als bedeutende Kulturträgerin der Region innert fünf Jahren in den top fünf der Schweizerischen Brass-Band-Höchstklasse positionieren.

Die Hauptversammlung wählte neue Vorstandsmitglieder und einen neuen Chefdirigenten: Armin Bachmann (Wolfwil). Ferner beschloss man die Schaffung einer Junior Brass Academy, aus der die bereits bestehende B-Formation (Leitung Hans Burkhalter, Zuchwil) gespeist wird, und natürlich soll darin Nachwuchs für die A-Formation herangebildet werden.

«Wir kommen vorwärts. Allerdings nicht ganz so, wie wir uns das wünschen», sagt Armin Bachmann. Dass es aber tatsächlich vorwärtsgeht, belegt Bachmann damit, dass die OBB beim erwähnten Wettbewerb in Luzern beim Vortrag des Teststücks sogar besser abgeschnitten hat als die amtierende Europameisterin, BML Luzern. Mitentscheidend war dabei aus Sicht von Bachmann, dass die Band von Russell Gray, einem Dirigenten aus Englands Topliga, geleitet wurde. Er wird das auch Ende November in Montreux tun. Das Engagement von international erfahrenen Top-Dirigenten für bestimmte Auftritte ist in der Szene gang und gäbe. Auch die OBB greift zu dieser Massnahme. «Die bringen einerseits die Sicht von aussen herein und sorgen für eine Motivationsspritze», erklärt Bachmann. Er betont, dass es an Motivation und Spass am Spielen wahrlich nicht mangle in der OBB. «Was wir jetzt vor allem brauchen, ist Konstanz in der Besetzung. Die grosse Herausforderung für uns ist, gute Leute zu bekommen, die auch bleiben und mitziehen. Man muss natürlich auch sehen, dass viel verlangt wird, die Ansprüche steigen permanent.»

Kleine Szene

Nun sollte man meinen, im Oberaargau bzw. im Mittelland sollten genügend Musiker zu finden sein, die gehobenen Ansprüchen genügen. «Die hat es schon», sagt Bachmann, «aber die meisten spielen nicht in der Blasmusik mit. Es kommt nicht von ungefähr, dass die OBB das einzige Höchstklasse-Blasorchester im Mittelland ist.» Und das Genre der Brass Band beschränke sich auf eine kleine Szene, die «Konkordia» Aedermannsdorf und der «Frohsinn» Laupersdorf seien die Ausnahmen, die Leute aus dem Dorf rekrutieren können.

Wie ganz anders präsentiert sich zum Beispiel das Wallis: Dort mischen drei Bands in der Höchstklasse regelmässig an der Spitze mit. Oder der Kanton Luzern – er gilt als eigentliches Epizentrum der Blasmusik mit entsprechend vielen Spitzenformationen. «Mit dem Effekt, dass es die guten Leute auch dorthin zieht», bemerkt Bachmann. «Und wenn es nun die Oberaargauer Brass Band fertigbringt, ebenfalls eine Sogwirkung aufzubauen, so erreichen wir das Ziel, ins Mittelfeld vorzustossen. Noch bleiben ja zwei Jahre Zeit.»