Es war der schlimmste Tag in ihrem Leben; damals vor vier Jahren, als Rebecca Anderegg (45) die Diagnose Rheumatoide Arthritis bekam. «Begonnen hatte alles mit sehr starken Schulterschmerzen, sodass ich die Arme nicht mehr heben konnte», erzählt Rebecca Anderegg, die in Derendingen aufgewachsen ist. Sie lebt heute in einem Zweigenerationenhaus in Wiedlisbach. Im Obergeschoss bewohnt die Alleinstehende eine Zweizimmerwohnung, im Stock darunter lebt ihre 24-jährige Tochter mit deren Lebensgefährten.

«Ich war immer müde, so als hätte ich eine Grippe», erzählt sie weiter. Doch zunächst habe sie diese Symptome als Überarbeitung taxiert. «Ich bin ausgebildete Agogin und arbeitete als Teamleiterin einer Wohngruppe in einem Heim für Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen. Ich habe immer viel und gerne gearbeitet», betont Anderegg. Umso tiefer sei sie gefallen, als sie die einfachsten Dinge nicht mehr selbst erledigen konnte. «Ich erinnere mich an einen Sonntagmorgen. Ich konnte einfach nicht aufstehen. Später sei sie in den Notfall am Bürgerspital gegangen. Man habe ihr Schmerzmittel gegeben und gesagt. «Es könnte auch Rheuma sein.» «Nach einer Woche war es nicht besser und sie kontaktiere einen Rheumatologen, den sie zufällig durch ihre Arbeit kannte. «Komm sofort», habe der ihr geraten und stellte dann rasch die Diagnose. Sofort habe man mit der gezielten Behandlung begonnen. «Cortison habe ich nicht vertragen, also bekam ich Methotrexat.» Dieses Medikament wurde ursprünglich für die Krebstherapie entwickelt, wird heute in der Praxis jedoch hauptsächlich bei entzündlichen rheumatischen Erkrankungen eingesetzt.

Ein Unglück kommt selten alleine: An Tuberkulose erkrankt

Die Einnahme dieses Medikaments führte dann aber zu einer extremen Komplikation. «Ich bekam eine Tuberkulose», erzählt Rebecca Anderegg. «Fieberschübe, einen Schatten auf der Lunge – das bedeutete Lungenbiopsie und eine Isolation von 9 Tagen Dauer. «Wieso ich diese Tuberkulose bekam, ist bis heute ungeklärt. Wahrscheinlich hatte ich den Erreger in mir und durch die Einnahme des Methotrexat, welches das Immunsystem stark beeinträchtigt, hatte ich keine Abwehrkräfte mehr dagegen.» Auf jeden Fall musste Anderegg ihre Rheumatherapie abbrechen, was bewirkte, dass diese Krankheit rasch fortschritt. «Ich musste 9 Monate lang starke Antibiotika einnehmen.» Jetzt nimmt sie das Anti-Rheumamedikament wieder ein, und zwar in einer sehr tiefen Dosis. «Ich muss aber alle fünf Wochen zum Arzt, denn es ist ganz wichtig, die Leberwerte zu beobachten.»

«Heute spüre ich den Schmerz auf eine Skala von 1 bis 10 auf etwa bei 3», sagt die 45-Jährige. Müdigkeit und Morgensteifheit seien die wesentlichsten Beeinträchtigungen momentan. «Zudem ist es die Unsicherheit – ich weiss nie, wie es morgen sein wird.» Schlimmer sind die Symptome bei nass-kaltem Wetter. «Ich war früher auf der Überholspur, dann auf dem Pannenstreifen und nun wieder langsam auf der Normalspur», sagt sie. «Am meisten vermisse ich die Power, die ich früher hatte. Das macht mir schon zu schaffen.»
Anderegg verlor durch ihre Krankheit ihre Arbeit und absolvierte dann mithilfe der IV eine Umschulung. «Ich konnte eine zweijährige KV-Lehre für Erwachsene diesen Sommer abschliessen. Das macht sie stolz. «Doch seit dem 1. August bin ich beim RAV gemeldet und auf der Suche nach einer Stelle – keine einfache Sache.» Sie habe schon sehr viele Absagen bekommen, erzählt sie. Diese schiebe sie aber nicht nur auf ihre Krankheit. «Ich denke, dass ich mit 45 Jahren als Neu-Einsteigerin vielen suspekt bin. «Toll wäre eine Arbeit am Empfang eines Altersheimes oder Ähnlichem. In diesem Bereich habe ich ja auch einige Erfahrungen. Eine 80-Prozent-Stelle könnte ich bewältigen.»

«Wichtig, die Bevölkerung für diese Krankheit zu sensibilisieren»

Den kommenden World Arthritis Day am 12. Oktober findet Rebecca Anderegg eine gute Sache. «Es ist wichtig, die Bevölkerung für diese Krankheit, die man ja oft nicht sehen kann, zu sensibilisieren.» Sie selbst habe sich nach der Diagnose umgehend bei der Polyarthritischen Vereinigung Solothurn gemeldet, um Information zu erhalten. «Ich hatte Angst, was auf mich zukommen wird. Hier bekam ich Informationen und auch die Bestätigung, dass ich wirklich unter dieser Krankheit leide.» Seither besucht sie die monatlichen nachmittäglichen Treffen, die meist in Luterbach stattfinden.

«Wir haben ein Jahresprogramm mit Aktivitäten; es geht aber auch einfach darum, sich mit Betroffenen auszutauschen, vielleicht Tipps zu bekommen, denn es sind oft ganze einfache Dinge, die bei dieser Krankheit zum Problem werden.» Anderegg sagt, sie sei die Jüngste in der Gruppe. Ihr Anliegen wäre, abendliche Treffen durchzuführen, weil dann betroffene Berufstätige mitmachen könnten. «Ich habe durch diese Krankheit gelernt, an jedem Tag Freude zu haben, an dem es mir gut geht.»
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