Der Alltag auf einer Zeitungsredaktion ist manchmal sehr hektisch. Insbesondere für einen Fotografen, der von Journalisten beordert, von Technikern eingegrenzt und von Lesern begutachtet wird. Da gilt es, rasch eine originelle Aufnahme der Pressekonferenz oder eines ausgelassenen Festes zu schiessen, dann wieder Interview-Partner einfühlsam darzustellen oder tragische Schicksalsschläge zu illustrieren.

Für einmal nun hat der SZ-Fotograf Hanspeter Bärtschi die Hektik des Redaktionsalltages hinter sich gelassen und sich mit seiner Lochkamera auf die Suche nach Objekten gemacht. Es ist eine eigentliche Entdeckungsreise zu sich selbst und seiner Arbeit, in die sich der Fotograf hier hineingibt. Denn er verlässt mit diesen Arbeiten neben der zeitlichen Eingrenzung auch die gängigen Muster, die er als Presse- und Reportagefotograf verinnerlicht hat, und sucht nach einer neuen Bildsprache. «Die komplexen Veränderungen in der globalisierten Welt, aber auch in meinem beruflichen und persönlichen Umfeld wecken bei mir den Wunsch, zum Einfachen und Elementaren zurückzukehren», sagt er zu dieser Arbeit.

Bilder erahnen

In seiner Lochkamera findet er dabei das passende Instrument. Die Schlichtheit und konzeptionelle Langsamkeit dieser Aufnahmetechnik stellt einen Gegenpol zur temporeichen Digitalisierung dar: Der Bildausschnitt kann nur erahnt werden. Die fehlende Linse führt immer zu einer gewissen Unschärfe. Die Belichtung wird mit etwas Erfahrung zur Gefühlssache. Fehlbelichtungen – im Berufsalltag verpönt – sind Programm. Die oft langen Belichtungszeiten führen zu Bewegungsunschärfe. Die Ergebnisse sind nicht vorhersehbar, dafür umso überraschender. Genau diese Eigenschaften verleihen den Bildern etwas Träumerisches, das an Malerei erinnert.

Hanspeter Bärtschi nutzt nun diesen poetischen Effekt. Geleitet von Intuition, Neugier, und manchmal auch vom Zufall sucht er auf seinen Spaziergängen nach Farben, Strukturen und optischen Momentaufnahmen. Losgelöst von jeglichen Konzepten und Vorstellungen setzt er seine archaische Kamera auch als Aufnahmegerät für Unbewusstes ein. «Ich habe selbst gespürt, wie oft ich auch bei dieser Arbeitsweise noch im beruflichen Arbeitsmuster gefangen war», sagt der Fotograf.

Die grossformatigen acht, nun in der Freitagsgalerie zu sehenden Arbeiten sind alle in den vergangenen drei Jahren entstanden. Doch dies ist nicht Bärtschis erste Ausstellung. Vor drei Jahren zeigte er im Kloster Visitation eindrückliche Aufnahmen vom heutigen Klosteralltag.

Freitagsgalerie Solothurn, Kreuzgasse 5. Vernissage Freitag, ab 14 Uhr. Galeriehopping Freitag, 26. 10., 14–23 Uhr; Samstag 11–18 Uhr. Reguläre Öffnungszeiten jeweils Freitag, 16–20 Uhr. Bis 15. Dez.