Evelyne Mathis-Saladin (31) ist so richtig glücklich. Soeben hat sie ihr Diplom zur bäuerlich-hauswirtschaftlichen Absolventin der landwirtschaftlichen Berufsfachschule Wallierhof Riedholz erhalten, und bald will sie das Gelernte in einem neuen Geschäftsfeld anwenden. Sie plant zusammen mit ihrem Ehemann in Bottmingen, das Blumenfeld auf dem Hof ihrer Schwiegereltern neu zu vermarkten sowie neue Selbstpflückangebote zu lancieren. «Wir denken an Gemüse zum Selberernten. Ich glaube, das gibt es in der Schweiz noch nicht.» Auf dem Blumenfeld des Mathis-Hofes gedeihen schon seit Jahren erfolgreich rund 300 verschiedene Blumensorten zum Selberpflücken auf einer Hektare. Dieses Geschäft soll ausgebaut werden.

Mit der «Scholle verwachsen»

Man könnte sagen, Evelyne Mathis-Saladin ist mit der «Scholle verwachsen». Sie ist in Hochwald, ebenfalls auf einem Bauernhof, der Tüfleten, aufgewachsen. «Der Name hat nichts mit dem Teufel zu tun, sondern bezeichnet die Lage, eine tiefe Ebene», sagt die 31-Jährige und lacht. Mit diesem Namen werde sie immer wieder mal aufgezogen. «Nach der Bezirksschule in Büren stand mein Berufswunsch fest: Landwirtin. Diejenige, die Traktor fährt, Kühe melkt und Getreide anbaut.»

So hat sie es zu Hause beim Helfen auf dem Betrieb erfahren. «Die Lehrer meinten zwar, ‹Du kannst mehr als Kürbisse auflesen.›» Doch diese Negativ-Haltung habe sie in ihrem Berufswunsch nur bekräftigt. «Meine drei Geschwister und ich haben unseren Eltern stets auf dem Hof geholfen, und das auch sehr gerne.» So absolvierte sie das erste Berufsjahr in Witterswil und das zweite in Aetigkofen auf dem Ischhof. «Dann kamen noch die Winterkurse am Wallierhof hinzu und nach dem Abschluss reiste ich für ein paar Monate nach Kanada.»

Wieder zu Hause, habe sie noch die Berufsmittelschule nachgeholt und sich dann in einem spontanen Entschluss an die Aufnahmeprüfung als Physiotherapeutin gemeldet. «Diese Ausbildung absolvierte ich dann vier Jahre lang und arbeitete auf dem Beruf im Liestaler Spital», erzählt sie. Doch bei der Arbeit als Physiotherapeutin vermisste sie das Draussensein, die «Scholle». «Zudem hatte ich auch Abgrenzungsprobleme», bekennt sie. So kam ihr ein Engagement als Aushilfs-Servicekraft im Restaurant Gempenturm gerade recht. «Gleichzeitig arbeitete ich noch 20 Prozent als Physiotherapeutin in Basel. Das war eine gute Mischung».

Generationen am Wallierhof

Und dann lernte sie ihren jetzigen Ehemann, einen ausgebildeten Agronomen und Bauernsohn kennen und entschloss sich, zur «Scholle» zurückzukehren. «Natürlich kannte ich den Wallierhof von meiner Ausbildung zur Landwirtin schon. Doch damals haben mich die bäuerlich-hauswirtschaftlichen Kurse noch gar nicht interessiert. Erst nach und nach erkannte ich, dass ich eigentlich gar nicht weiss, wie man eine richtige Züpfe backt, richtig wäscht oder einen Gemüsegarten anlegt.» Doch das und vieles mehr wollte sie über die Hauswirtschaft lernen, und so habe sie sich entschlossen, den Halbjahreskurs zu absolvieren. Ihre Mutter und auch ihre Grossmutter hätten den Kurs schon absolviert. «Doch das war nicht der Beweggrund für mich», betont die junge Frau.

Ende Juli des letzten Jahres wurde geheiratet und am 11. September hat der sechsmonatige Kurs am Wallierhof begonnen. «Ich war Internatsbewohnerin, denn es wäre nicht möglich gewesen, jeden Abend nach Hause zu fahren. Meine Grossmutter meinte zwar, das sei doch schon hart, so frisch verheiratet ...», lacht sie. Doch die Zeit sei schnell vorbeigegangen.

Hauswirtschaft heute

«In unserer Klasse waren wir acht Frauen aus der ganzen Schweiz, die den halbjährigen Vollzeitkurs 2018/19 besuchten. 16 Frauen absolvierten den Lernstoff als berufsbegleitenden Kurs.» Die Frage, ob eine hauswirtschaftliche Ausbildung heute noch zeitgemäss sei, habe sie oft – auch Freundinnen gegenüber – beantworten müssen.

Sie ist da ganz sicher: «Na klar. Heute ist solches Wissen vielleicht noch wichtiger als früher. Jeder spricht von Nachhaltigkeit, von Food Waste. Jeder sollte doch wissen, wie er seine Waschmittel richtig dosiert, wie man aus Resten ein neues Gericht kocht oder welche Kniffe es für einen ergiebigen Kräutergarten gibt.»

Zudem gab es Lektionen über Betriebsführung, Buchhaltung, Recht, Versicherungen, Zusammenleben der Generationen auf dem Bauernhof oder Direktvermarktung, zählt sie auf. «Nie bereue ich, diesen Kurs absolviert zu haben. Es ist etwas, für das ganze Leben».