Naturpark
Ein wichtiger Hosenlupf fürs Thal

Gastkolumne von Sarah Koch, Leiterin der Wirtschaftsförderung des Kantons Solothurn. Sie lebt in Oberbuchsiten.

Sarah Koch
Sarah Koch
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Die Gemeinde Welschenrohr ist umgeben von Natur pur.

Die Gemeinde Welschenrohr ist umgeben von Natur pur.

Bruno Kissling

Einen 20-Millionen-Bau hätte der Visionär im zweithintersten Zipfel des Thals – in Welschenrohr – errichten wollen. Eine kleine, feine Oase im Naturpark Thal mit 50 bis 60 Zimmern und einem Wellnessbereich. Eigentlich hätte das Naturpark-Hotel, so wie es der Name sagt, inmitten der Natur stehen sollen – sprich ausserhalb der Bauzonen. Schnell war klar, dass diese Vision nicht möglich ist. Auch die Ausweichvariante auf dem Fussballplatz am Dorfrand von Welschenrohr scheiterte an den raumplanerischen Hürden. Es kam, wie es kommen musste: Vergangene Woche begrub der Thaler Visionär seine Bestrebungen für ein Naturpark-Hotel.

Schade. Denn eigentlich kam das visionäre Naturpark-Hotel in der Region gut an, schürte zumindest bei Teilen der lokalen Bevölkerung Hoffnung – über Welschenrohr hinaus. Diese hoffnungsvolle Haltung der Thaler kommt im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung nicht von ungefähr: So gehört die Region Thal zu den wachstumsschwächsten Regionen des Kantons Solothurn. Lediglich 3,7 Prozent der Solothurner Arbeitsplätze liegen im Bezirk Thal. Rund 60 Prozent der Thalerinnen und Thaler pendeln täglich via Klus in andere Regionen des Kantons zur Arbeit. Die Beschäftigungsentwicklung zeigt im Bezirk Thal die klassische Entwicklung einer «reifen» Volkswirtschaft mit einem massiven Rückgang der Beschäftigung in der Landwirtschaft, einem auf Rationalisierung zurückzuführenden Rückgang im zweiten Sektor und einem Anstieg im Dienstleistungsbereich. Einen kräftigen Aderlass gab es seit 2005 in der Maschinenindustrie, dem Papier- und dem Druckgewerbe, aber auch im Gastgewerbe.

Die Prosperität einer Region ist massgeblich davon abhängig, ob es Arbeitsplätze gibt. So gesehen, hätte ein Investment von mehreren Millionen Franken in ein Naturpark-Hotel zahlreiche lukrative Aufträge für das lokale Gewerbe während, aber insbesondere auch nach der Bauzeit gebracht. Arbeitsplätze und Wertschöpfung, welche gut kombiniert mit den Vorzügen des Naturparks sicherlich erstrebenswerte Multiplikatoreffekte nach sich gezogen hätten.

Wellnessgäste suchen Natur, Erholung, Heimatgefühl, Genuss und Regionalität. So manche Thaler Leckerei – von delikatem Rapsöl über einheimische SoloMania-Pasta bis hin zum sensationellen «Hosenlupf- und Männerkäse» – hätte im Gepäck der Hotelgäste vielleicht den Weg in andere Kantone gefunden. Insbesondere wenn man die neue Zielgruppe der Goldenagers betrachtet: Heute sind Menschen oft bis ins höhere Alter relativ gesund, haben Zeit, Geld und Energie. Es wird auf mehr Lebensqualität und Gesundheit geachtet. Aktivität und genussvoller Konsum stellen wichtige Werte dar. Zu finden im Naturpark Thal – mit Bestimmtheit.

Betrachtet man zudem die Resultate der Wertschöpfungsstudie des Vereins Kanton Solothurn Tourismus von 2018 zeigt sich, dass 87 Prozent der Touristen im Thal Tagesgäste sind. Die Ausgaben liegen mit durchschnittlich 29 Franken pro Tag schmerzend tief. Ein erheblicher Teil der Gäste im Thal gab sogar an, am Tag der Befragung nichts ausgegeben zu haben. So gesehen, hätte ein neuer Leuchtturm im nebelfreien Thal zwischen der ersten und der zweiten Jurakette, welcher die Gästezimmerzahl der Region mit einem Schlag um knapp einen Drittel erhöht hätte, mit der richtigen Strategie schon fast zu einem kleinen Goldesel werden können.

Veränderungen brauchen Mut. Und es braucht eine enthusiastische Lokomotive, die permanent den Weg neu bahnt. Es bleibt zu hoffen, dass die Vorleistungen des Thaler Visionärs nicht ganz vergeblich waren. Schön wäre es, wenn das Grimmsche Märchen in irgendeiner Form seine Fortsetzung findet. Womöglich war der Visionär mit seiner Idee Türöffner für ein neues – realisierbares – Tourismusprojekt, welches Wertschöpfung, einen neuen Imageträger und neue Arbeitsplätze für das Thal bringt.