Ein Herzinfarkt. Im Gehirn. Das passiert bei einem Hirnschlag: Gefässe im Gehirn verstopfen, das Organ wird nicht mehr ausreichend durchblutet. Teile des Hirns sterben ab. Das kann zu Behinderungen oder sogar zum Tod führen.

Damit das nicht passiert, muss schnell gehandelt werden – innert der «goldenen Stunde», sagt Robert Bühler, Leitender Arzt der Stroke Unit am Bürgerspital Solothurn. Dort werden Patienten mit Hirnschlag behandelt. Spitalboden und Spitalgeruch, verschlossene breite Türen, Angehörige, die davor warten.

Die Stroke Unit befindet sich aber nicht nur auf diesem Stockwerk. Sie ist keine einzelne Abteilung. Vielmehr handelt es sich dabei um ein Konzept des Bürgerspitals. Das sei vergleichbar mit einem Boxenstopp bei einem Formel 1 Rennen, sagt Bühler. Wenn 20 Leute an einem Ferrari arbeiten, damit dieser möglichst schnell aus der Box kann. Nur, dass es nicht um Autos geht, sondern um Menschen. Und nicht um irgendein Rennen, sondern um ein Rennen um Leben und Tod. Innerhalb der «goldenen Stunde» muss die richtige Behandlung her.

Ambulanz – Notfall – Spital

Der Behandlungspfad an der Stroke Unit läuft so ab: Der Betroffene oder sein Umfeld stellen Symptome fest (siehe auch Box) und rufen die Ambulanz. Innert 15 Minuten wird der Patient notfallmässig in das Spital eingeliefert. «Das ist realistisch», sagt Bühler über die Zeitangabe. Das gilt für Menschen aus dem ganzen Kanton: Auch in Olten und Aarau gibt es Schlaganfalleinheiten, sowie in Bern, Biel und Basel, die Hirnschlag-Patienten versorgen.

Die Solothurner Unit wurde 2014 eingeführt. «Weil es Unsinn ist, wertvolle Zeit zu verschwenden, um beispielsweise einen Grenchner Patienten nach Bern zu bringen.» Dann reicht die «goldene Stunde» unter Umständen nicht. Während dieser muss der Patient zuerst durch einige Schnelltests und Befragungen im Notfall, dann in die Computertomographie – in die Röhre. So wird abgeklärt, ob es sich wirklich um einen Hirnschlag handelt, und wie dieser behandelt werden soll.

Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Meist wird ein Lyse-Medikament verwendet, das die Verstopfung im Gefäss auflöst. Sind breitere Gefässe verstopft, wird der Pfropfen mit einem Katheter hinausgezogen. «Diese Lyse-Behandlung ist keine Hexerei», sagt der leitende Arzt Neurologie. «Sportlich» sei dafür das Prozedere unmittelbar davor – die rasche Abklärung. Oft würden Patienten auch viel zu lange warten, bis sie Alarm schlagen.

Keine Schmerzen – aber Folgen

Bei einem Herzinfarkt gebe man eher «Gas», weil man die Schmerzen spürt. Im Gegensatz zum Hirninfarkt. Dieser führt meist zu keinen, oder dann nur zu leichten Kopfschmerzen. Erst kürzlich habe ein Patient bereits am Mittag Symptome festgestellt. Und sei erst gegen 19 Uhr in den Notfall, berichtet Bühler.

Dabei sollten kleinere Gefässe innert fünf Stunden befreit werden, grössere innert acht. Je nach Schweregrad des Hirnschlags kann sich die Verstopfung zwar von selbst lösen. Laut Statistik ist ein Hirnschlag aber die dritthäufigste Todesursache im Erwachsenenalter. Und der häufigste Grund für Invalidität. Dann ist lebenslange Therapie nötig: Logopädie, Ergo- und Physiotherapie. Sprechen und Laufen lernen. Einige Patienten könnten schon nach 10 Tagen aus der Stroke Unit marschieren, berichtet der leitende Arzt. Andere lägen bis zu einem Jahr lang im Spital.

Stroke Unit mit Zertifikat

Das Bürgerspital ist für seine Stroke Unit zertifiziert. Die dortige Arbeit wird deshalb jährlich überprüft: Wie schnell finden Behandlungen statt, welches Personal ist vor Ort, welche Messgeräte für die Tests? Dafür gibt es Punkte. Die Solothurner Unit erreicht jeweils über 95 Prozent des Maximums. Was macht Solothurn aus? «Die Zusammenarbeit aller, die an diesem ‹Boxenstopp› beteiligt sind», so Bühler.

Der leitende Arzt sagt aber auch: «Es nützt nichts wenn unsere Behandlung besser und schneller wird, wenn die Betroffenen und Angehörige im Ernstfall nicht rechtzeitig reagieren.» Weil sie etwa nicht auf Arbeitszeit zum Arzt wollen. Oder zuerst im Internet nach Symptomen recherchieren. «Lieber einmal Blaulicht zu viel», sagt Bühler.

Und was kann man sonst tun? «Gsund läbe», meint Bühler schlicht. Auf Rauchen verzichten, auf eine gesunde Ernährung achten. Ein niedriger Blutdruck minimiere das Hirnschlag-Risiko ebenfalls. Aber auch so könne es zum Hirnschlag kommen. Und dann zählt wieder die «goldene Stunde».

Öffentliche Vortragsveranstaltung im Rahmen der Hirnschlagkampagne der Schweizerischen Herzstiftung: «Hirnschlag erkennen, rasch und richtig handeln»: heute, 18.30 - 20 Uhr, Altes Spital Solothurn