Das Bettenhochhaus des Bürgerspitals, von weither sichtbar, ist eine Art Wahrzeichen für die Spitalversorgung der Solothurnerinnen und Solothurner im oberen Kantonsteil. Seit Jahrzehnten erfüllt das Spital getreu seinen Dienst.

Und dennoch: Der Zahn der Zeit nagt an diesem Plattenbau aus der Hochkonjunktur. Deutlich treten dessen Mängel bei einem Spaziergang durch verschiedene Abteilungen zutage. Deutlich wird aber auch, dass der technische Dienst sowie Ärzteschaft und Pflegepersonal alles unternehmen, um die Funktionsfähigkeit des Spitals zu gewährleisten.

«Wir lassen die Gebäude natürlich nicht verlottern», versichert Urs Studer, Leiter des Technischen Dienstes des Bürgerspitals. Er macht aber keinen Hehl daraus, dass es sich hierbei um nicht viel mehr als «Pflästerlipolitik» handeln kann, um «Pinselrenovationen», deren Wert meist nicht von langer Dauer ist.

Urs Studer, Leiter Technischer Dienst am Bürgerspital, erläutert die Schwachstellen der Elektrik

Urs Studer, Leiter Technischer Dienst am Bürgerspital, erläutert die Schwachstellen der Elektrik

Zimmertemperatur von 14,2 Grad

Es gibt kaum ein Unwetter, das nicht Wasserschäden in den Patientenzimmern und Behandlungsräumen zur Folge hätte. Der Grund dafür sind die undichten Fugen zwischen den Waschbetonplatten, mit denen das Gebäude ummantelt ist. Das gleiche trifft auf die Fugen bei den Fenstersimsen zu.

Urs Studer: «Punktuell können wir diese sanieren, wir kommen aber längst nicht überall dazu.» Wirklich Abhilfe schaffen könnte einzig eine gesamte Erneuerung der Fassade, «dadurch aber würde der Betrieb des Spitals beinahe verunmöglicht», ist sich Studer sicher.

Corinne Hänni, Stationsleiterin am Bürgerspital erläutert, wie ihre Arbeit durch die baulichen Mängel erschwert wird

Corinne Hänni, Stationsleiterin am Bürgerspital erläutert, wie ihre Arbeit durch die baulichen Mängel erschwert wird

Neben den Wasserschäden macht als Folge undichter Fenster die Zugluft mindestens so schwer zu schaffen. Im Februar etwa sank die Raumtemperatur in einem Zimmer der Intensivstation auf 14,2 Grad Celsius. Hier werden derzeit die Fenster erneuert.

Sanierungsbedürftig wären auch längst sämtliche Wasserleitungen. Studer: «Wir haben hier alle zwei Monate irgendwo ein Leck.» Sowohl die undichten Fenster als auch das veraltete Wasserleitungssystem führen zu einem hohen Energieverlust.

Es sind aber längst nicht nur die Mängel an der Gebäudehülle und der Haustechnik, die den Betrieb des Spitals erschweren. Fast noch mehr ins Gewicht fällt für die tägliche Arbeit von Ärzten und Pflegepersonal der beschränkte Platz; ein Problem freilich, das sich mit einer Sanierung des Gebäudes nicht beheben lässt.

Die räumliche Not beginnt bereits bei den elektrischen Installationen: Dicht an dicht liegen in einer einzigen, knapp bemessenen Steigzone sämtliche Stark- und Schwachstromleitungen beieinander. «Durch diese engen räumlichen Verhältnisse wird das ganze elektrische System enorm störungsanfällig», weiss der Technik-Chef.

Stau vor dem Bettenlift

Vor allem zeigt sich die Platznot auf den Stationen und in den Behandlungsabteilungen, am augenfälligsten im Herzstück des Bürgerspitals, dem grösseren der beiden Operationstrakte. Die Ärztezimmer und Gänge sind überstellt mit medizinischen Geräten und angeliefertem Material.

Das grosse Sorgenkind ist für Philipp Schumacher, Chefarzt Anästhesie, der Gang zwischen den Operationssälen und dem Aufwachraum bzw. der Intensivstation. Auch hier verstellen Apparaturen oder Betten den Platz. Problematisch ist für den Chefarzt aber vor allem, dass auf kleinstem Raum Besucher, Angehörige, Patienten und Lieferanten zirkulieren.

«Es ist würdelos, wenn halb schlafende Patientinnen und Patienten an Besuchern vorbei in den Aufwachraum oder die Intensivstation geschoben werden müssen.» Auch die Intensivstation platzt aus allen Nähten.

«Mit acht Betten, verteilt auf zwei Viererzimmer, bewegen wir uns auf einem Minimum.» Dies, zumal die Betten mit häufig schwerstkranken Patienten nur durch Vorhänge voneinander abgetrennt sind. Besonders unbefriedigend ist für Philipp Schumacher weiter der Stau vor den einzigen beiden Bettenliften im Bürgerspital, vor allem um die Mittagszeit, wenn das Essen auf alle Stationen verteilt wird.

Zu wenige WCs und Duschen

«Die räumliche Struktur des Spitals genügt nicht mehr den Anforderungen an eine moderne Medizin», erläutert der Chefarzt die bestehende Raumnot. In den 60er-Jahren, als der heutige Bau entstand, bildete das Spital ein «Konglomerat ärztlicher Fürstentümer», will heissen: Jeder Arzt oder jedes Ärzteteam hatte seinen Bereich, auch seinen eigenen Operationssaal.

Schumacher: «Heute hingegen definiert sich ein Spital über seine hoch technisierte Infrastruktur, für deren effiziente Nutzung möglichst zentrale Strukturen nötig sind.» Mit der heute bestehenden Raumkonzeption lassen sich aber, so Schumacher, die nötigen Anpassungen nur teilweise realisieren.

Die räumlichen Gegebenheiten setzen auch der Modernisierung der Bettenstationen enge Grenzen. «Um dem heutigen Standard zu genügen, sollten wir auf den Stationen insgesamt 40 Badezimmer einbauen», sagt Stationsleiterin Corinne Hänni.

Abgesehen von den hohen Kosten, die dadurch entstehen, müssten pro Badezimmer zwei Betten geopfert werden. Auf einigen Stationen stehen derzeit drei Wcs und zwei Duschen für über 20 Patienten zur Verfügung. Ein Teil davon ist zudem nicht rollstuhlgängig. Und schliesslich, so die Stationsleiterin, seien für die heutige Grösse der Betten Türen, Zimmer und Gänge zu klein.