In Selzach wird eifrig geprobt: Frauen in legerer Freizeitkleidung formieren sich, den Blick auf den musikalischen Leiter Constantin Trinks gerichtet, intonieren «Summ und brumm, du gutes Rädchen». Das Jubiläum «30 Jahre Sommeroper Selzach» bringt mit dem «Fliegenden Holländer» erstmals ein Wagner-Opus ins Passionsspielhaus und mit Constantin Trinks einen Wagner-erfahrenen Dirigenten ans erste Pult.

Bayreuth erprobt, dirigierte er eines von Wagners Frühwerken (noch) nicht im Festspielhaus, sondern in der Oberfrankenhalle. Der 1975 in Karlsruhe geborene Trinks ist auf dem Sprung zur internationalen Karriere: Bayrische Staatsoper München, Semperoper Dresden, Hamburg-ische Staatsoper, Deutsche Oper Berlin, Opéra National de Paris und Nationaloper Prag repräsentieren die wichtigsten Stationen seines bisherigen Wirkens.

Kennenlernen in Bayreuth

Wie bei den meisten grossen Dirigenten Deutscher Schule sind die Werke von Mozart, Strauss und Wagner auch die Basis von Constantin Trinks. Auch er beherrscht das Zusammengehen von Musik und Drama. Das Kompakte, die Tiefe und mystische Dimension spricht ihn an.

Wegen Richard Wagner entschied er sich, Musik zu studieren und wegen ihm kam er zum Selzacher Engagement. «Ich lernte René Gehri, den Co-Produktionsleiter der Sommeroper, in Bayreuth kennen. Zwei Wagner-Enthusiasten im Gespräch und schliesslich lud er mich ein, den ‹Holländer› zu dirigieren», erzählt er.

Als weiteren Grund, die Sommermonate in der Schweiz zu verbringen, nennt er die Möglichkeit, mit seiner Frau Alexandra Lubchansky (die als Zweitbesetzung die Senta singt) und seiner neunjährigen Tochter hier zu weilen. Zumal er als Freischaffender häufig allein unterwegs ist.

Für Wagner den Wecker gestellt

Die Musik von Operngigant Wagner ermöglichte nicht nur das «Familienengagement », sondern zieht sich wie ein roter Faden durch die Vita des aufstrebenden Dirigenten. «Elfjährig erlebte ich erstmals eine Opernaufführung und es war um mich geschehen. Fortan war ich regelmässig im heimischen Musiktheater anzutreffen und beschloss mit Dreizehn, Dirigent zu werden», schmunzelt er.

Die Eltern förderten die Leidenschaft ihres Sprösslings, die so weit ging, dass er eigens den Wecker auf zwei Uhr morgens stellte, um im ARD-Nachtprogramm zwei Stunden Wagner aufzunehmen.

Als Altersgenossen mit der pubertären Selbstfindung kämpften, fing er an, im Kirchenchor zu singen und Laienchöre zu leiten. Später sang er im Kammerchor Stuttgart, lernte viel von dessen Gründer Frieder Bernius. Über das Korrepetieren im Theater und eine Hospitanz bei Pultstar Christian Thielemann kam er später als Kapellmeister ans Saarländische Staatstheater Saarbrücken.

Von Prag nach Selzach

Heute arbeitet Trinks an allen wichtigen Häusern, wird häufig für Wagner-Opern verpflichtet. Unlängst dirigierte er den «Holländer» in Prag, nun also in Selzach. Er ist sich der besonderen Situation mit einem Laienchor und den Gegebenheiten des historischen Gebäudes bewusst.

Auf seine Initiative hin wurde der Orchestergraben nochmals vergrössert, sodass das Wagner-Orchester Platz findet. «Im Holländer fand Richard Wagner erstmals zu seinem persönlichen Stil. Die Ankunft des Holländer-Schiffes markiert einen der wirkungsvollsten Momente der gesamten romantischen Opernliteratur; das Duett von Senta und dem Holländer einen Höhepunkt der Metaphysik», resümiert er.

Zurück zur Probe. Wie Constantin Trinks mit dem Frauenchor das «Spinnerlied» einstudiert, offenbart: Hier arbeitet ein Maestro, der weiss was er will und wie er es bekommt. Es wird am Klang gefeilt, aber auch an den Vokalen, an der Aussprache. Die spottsüchtigen Mädchen am Spinnrad sollen nämlich munter klingen. Kein Zweifel, Constantin Trinks bringt alles mit, um den «Fliegenden Holländer» musikalisch zum Fliegen zu bringen.

«Der fliegende Holländer », Passionsspielhaus Selzach; Premiere 2. August, Aufführungen bis 21. August. www.sommeroper.ch