Bis auf eine waren bisher alle Theaterfahrten ausgebucht», freut sich BSG-Geschäftsführer Thomas Erne. Die Schifffahrtsgesellschaft hat deshalb beschlossen, die Theaterfahrten zur Petersinsel, die letztes Jahr anlässlich des Rousseau-Jubiläums lanciert wurden, auch dieses Jahr durchzuführen. Für das Projekt arbeitet die BSG mit der Zürcher Schauspielerin, Sängerin und Regisseurin Franca Basoli zusammen, die im Rousseau-Stück zusammen mit Schauspielerkollege Yves Raeber auch die Rollen spielt.

Der Verfasser Benedikt Loderer

Das launige Stück, ein Puzzle aus verschiedenen, auch musikalischen Theaterszenen, die sowohl auf dem Schiff als auch auf der St. Petersinsel gespielt werden, wurde von Benedikt Loderer verfasst. Der Journalist, Architektur- und Kulturkritiker («Hochparterre»), der seit vier Jahren in Biel wohnt, war bisher vor allem bekannt für seine scharfzüngigen Polemiken im Zusammenhang mit der Siedlungsentwicklung der Schweiz. «Als kulturgeschichtlich interessierter Mensch kommt man an einer Figur wie Rousseau nicht vorbei», erklärt Loderer sein Interesse. Die vertiefte Auseinandersetzung mit dessen radikalen Ansichten lässt denn auch ein Stück entstehen, das aufräumt mit der oberflächlichen Naturromantik, die ihm bisweilen untergeschoben wird. «Rousseau im Original zu lesen, ist nicht ganz einfach», erklärt Loderer überdies. «Er hat viel Tinte verbraucht und neigt zu ausschweifenden Abhandlungen.»

Theaterschiff MS Rousseau

Theaterschiff MS Rousseau

Ménage-à-trois

Die Rahmenhandlung ist eine Reise der schwärmerischen «Gräfin Fühlsam» und ihres bärbeissigen Vaters zur «Rousseau-Insel» (St. Petersinsel), wo der Philosoph zwar nur zwei Monate gelebt, diese Zeit aber die als die schönste seines Lebens bezeichnet hat. Schon unterwegs warnt der Vater die überschwängliche Tochter vor den gefährlichen revolutionären Ansichten Rousseaus. Doch ohne Erfolg. Diese begegnet inzwischen einem grobschlächtigen (oder naturnahen) Bielersee-Winzer, der allerdings wenig Verständnis für Gräfin Fühlsams romantisierendes Bauernbild hat. Weitere Szenen thematisieren das verwirrende Liebesleben Rousseaus in einer Ménage-à-trois.

Auf der Petersinsel angelangt, kommt es zu einer nächtlichen Begegnung zwischen der Gräfin und dem Geist von Rousseau. Diese ist endlich geeignet, aller Schwärmerei der jungen Frau ein Ende zu setzen. Radikalinski Rousseau verschreckt sie («Eigentum ist Diebstahl») mit seiner Abscheu vor der etablierten Kultur derart, dass sie sich überfordert von ihm abwendet. In einem Monolog auf der Rückfahrt teilt «Rousseau» weiter tüchtig nach allen Seiten aus. Bis hin zur Gegenwart. «Sie werden auf Katamaranen Weisswein schlürfend über zu Tode regulierte Seen fahren und dabei die Illusion hegen, der Natur nahe zu sein.» Ein Satz, den Kulturkritiker Loderer Rousseau sicher gern in den Mund gelegt hat.

Die Theaterfahrt mit Nachtessen auf dem Solarkatamaran Mobicat wird von der BSG dieses Jahr noch dreimal durchgeführt. Geschäftsführer Erne erklärt, dass die Sonderfahrten für die ansonsten sehr wetterabhängige BSG wichtig sind, um die Auslastung der Schiffe zu verbessern. «Unser Ziel wäre, künftig auch auf der Aare mehr Sonderfahrten anzubieten.»

Weitere Aufführungen: 6. Juni, 29. August und 27. September.