Neues Gesetz
«Ein Tag brachte überhaupt nichts»: Solothurner ist froh über 2 Wochen Vaterschaftsurlaub

Wenn der Subinger Christian Brechbühl zum zweiten Mal Papa wird, darf er zwei Wochen zuhause bei der Familie bleiben. Der 34-Jährige gehört zu den ersten Männern der Schweiz, die 2021 zwei Wochen Vaterschaftsurlaub erhalten.

Olivia Folly
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Das Kinderzimmer ist eingerichtet – zur Welt kommen wird die Tochter des Paars aus Subingen im Spital in Burgdorf.

Das Kinderzimmer ist eingerichtet – zur Welt kommen wird die Tochter des Paars aus Subingen im Spital in Burgdorf.

Hanspeter Bärtschi

Das Baby-Bett und die Windeln stehen bereit, der Spitalkoffer ist gepackt und eine Wand im Kinderzimmer erstrahlt seit kurzem in Altrosa. Geht es nach dem Christian Brechbühl und seiner 26-jährigen Partnerin Katharina Bundi, darf es losgehen. Das junge Paar erwartet in diesen Tagen sein erstes gemeinsames Kind. «Wir sind parat für die Geburt unserer Tochter und auch ein wenig nervös», sagt der 34-Jährige. Die Freude auf das Baby ist dem Bauwerktrenner, der bei einer Baufirma in Lyss arbeitet, anzuspüren. Auch sein 9-jähriger Sohn Marcel aus einer früheren Beziehung kann es kaum erwarten. «Er freut sich sehr auf seine kleine Schwester und erzählt all seinen Freunden in der Schule von ihr», sagt Brechbühl.

Glücklich schätzt sich der bald zweifache Vater auch darüber, dass er nach der Geburt von dem zweiwöchigen bezahlten Vaterschaftsurlaub profitieren darf, den das Schweizer Stimmvolk vergangenen September gutgeheissen hat. Wäre das neue Gesetz nicht in Kraft, dann hätte er nur einen Tag zu Hause bleiben dürfen – so wie das bei der Geburt seines Sohnes vor 9 Jahren der Fall war. «Der Vaterschaftsurlaub reichte damals gerade mal für die Geburt im Spital. Am nächsten Tag musste ich wieder arbeiten. Ein Tag brachte überhaupt nichts», sagt Christian Brechbühl.

Vaterschaftsurlaub für die Zeit nach der Geburt

Der Subinger ist froh, dass die Schweiz in Sachen Vaterschaftsurlaub nun nicht mehr so hinterherhinkt. Weil das Gesetz erst seit Anfang Jahr in Kraft ist, gehört Christian Brechbühl zu den ersten Männern der Schweiz, die einen gesetzlich verankerten Vaterschaftsurlaub von zwei Wochen erhalten. «Ich finde das toll. Dadurch werde ich von Beginn an, eine Bindung zu meiner Tochter aufbauen können. Und ich will meine Partnerin unterstützen, damit sie sich gut von der Geburt erholen kann.»

Nach der Geburt des Babys haben alle frischgebackenen Papis in der Schweiz, laut Gesetz, sechs Monate Zeit, um den Vaterschaftsurlaub zu beziehen. Christian Brechbühl will mit seinem Urlaub starten, sobald seine Partnerin mit dem Neugeborenen aus dem Spital nach Hause kommt. «Dann kann sie meine Unterstützung wohl am besten gebrauchen. Ich habe vor zu kochen und zu putzen, halt all die Sachen zu machen, die im Haushalt anfallen. Und natürlich will ich mich um das Baby kümmern.»

Bei den werdenden Eltern zu Hause ist alles eingerichtet für das Baby. Nur die beiden Bengalkatzen müssen noch auf die neue kleine Mitbewohnerin vorbereitet werden. Aus diesem Grund hat Christian Brechbühl einen speziell für Katzen angefertigten Duftstecker gekauft, der die Tiere beruhigen und auf die neue Situation vorbereiten soll. «Wir hoffen, dass die Katzen das Baby rasch akzeptieren werden. Aber das kommt schon gut», sagt Christian Brechbühl und schmunzelt. Bis jetzt zumindest lief alles problemlos. Seine Partnerin Katharina Bundi hatte eine Bilderbuch-Schwangerschaft, wie er es nennt.

Nach dem «Urlaub» zurück in den Vollzeitjob

Nun hoffen die beiden auf eine reibungslose Geburt. Trotz der aktuellen Coronasituation darf Christian Brechbühl bei der Geburt im Spital Burgdorf dabei sein, was ihm sehr wichtig ist. Und da seine Partnerin in einem Privatzimmer untergebracht sein wird, kann er auch nach der Geburt bei den beiden im Spitalzimmer bleiben. Besuch erwarten sie nur aus dem engsten Familienkreis. Das Spital erlaubt einen Besucher pro Tag für höchstens eine Stunde.

Nach dem Spitalaufenthalt und der zweiwöchigen Papi-Zeit beginnt für den Bauwerktrenner wieder der Alltag. Er wird 100 Prozent weiterarbeiten, während seine Partnerin sich für ein oder zwei Jahre Vollzeit um das Baby kümmern wird. Ihre Stelle als Disponentin wird sie kündigen. Anders sei es derzeit kaum machbar, sagt Christian Brechbühl: «Auf dem Bau ist es schwierig, Teilzeit zu arbeiten.» Er wünscht sich aber, dass er irgendwann wenigstens einen halben Tag in der Woche zu Hause bleiben kann, um etwas mehr Zeit mit seinen Kindern verbringen zu können.

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