«Da ist eine Schnecke», ruft Meron laut, als seine Mutter Almaz einige Karotten aus der Erde zieht. Nicht nur ihm ist die Freude bei der gemeinsamen Gemüseernte anzusehen. Auch Almaz strahlt und präsentiert die Karotten stolz. Sie beide nehmen am Projekt Neue Gärten teil, das vom Hilfswerk der evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) in Solothurn und im Aargau organisiert wird.

Almaz stammt aus Eritrea und ist eine der acht Flüchtlingsfrauen, die sich jeweils am Freitagnachmittag bei den Schrebergärten an der Allmendstrasse in Solothurn treffen. Mit dabei sind noch drei weitere Frauen aus Eritrea, zwei aus Tibet, eine Tschetschenin und eine aus der Türkei.

Verantwortung übernehmen

Auf zwei Parzellen haben die Frauen die Gelegenheit, jeweils ein Stück Land zu bepflanzen. «Die Idee ist, den Frauen wieder ein Stück ‹Heimat› zu schenken, ein Ort, an dem die sie in die Natur hinauskommen und auch eine gewisse Verantwortung übernehmen müssen», erläutert Regine Anderegg, Gartenfachfrau aus Solothurn.

Ohne ihre Männer, aber mit den Kindern sollen die Frauen also hinaus in die Natur. Und genau dieser Aspekt scheint den Frauen Freude zu bereiten. Nicht nur Karotten wurden von ihnen gepflanzt. Auf der Gartenfläche sind unter anderem auch Tomaten, Rucola, Spinat und Bohnen zu sehen. In gebrochenem, doch verständlichem Deutsch erklärt Wudase, dass sie sich bereits auf das Essen freue, das sie aus der Ernte zubereiten werde.

Den Frauen Deutsch beizubringen ist denn auch ein weiteres Ziel, welches das Projekt anstrebt. Während des ganzen Nachmittags wird nur Hochdeutsch gesprochen. Dennoch bleibt es wohl ein Wunschdenken, dass die Flüchtlingsfrauen sich auch untereinander nur in der deutschen Sprache austauschen. Natürlich muss bei der Begrüssung über die Neuigkeiten berichtet werden, und so ist auch schon von Weitem das muntere Geplauder auf eritreisch zu hören.

Lernen in der Pause

Schliesslich ist eine Pause angesagt, bei der Tee, Wasser und Trauben herumgereicht werden. Bei dieser Gelegenheit wird auch die Chance gepackt, untereinander Wissen auszutauschen und neue Dinge zu lernen. So zeigt Regine Anderegg an diesem Nachmittag Kochbücher. «Was ist auf dem Titelbild zu sehen?», fragt sie in die Runde. «Das sind Birnen», antwortet ein Junge. Aber es sind nicht Birnen, die abgebildet sind, sondern Quitten. Diese Frucht wird heute den Frauen vorgestellt. «Quitten kann man nicht roh essen, aber wenn man sie kocht, lässt sich beispielsweise eine köstliche Marmelade daraus herstellen», klärt sie die aufmerksamen Zuhörerinnen auf. Die Kinder interessieren sich allerdings mehr für die Bilder im Buch.

Nach zwei Jahren sind die Frauen selbstständig und können auf einem anderen Grundstück einen eigenen Garten unterhalten und dort Gemüse anbauen, weiss Anderegg. «Sie sind dann an das Klima gewöhnt und wissen, zu welcher Jahreszeit man welche Dinge anpflanzen kann.»

So können dann wieder neue Frauen am Projekt teilnehmen, denn auch in Zukunft soll das Projekt «Neue Gärten» in der Stadt Solothurn weiter durchgeführt werden. «Und wenn es die finanziellen Mittel erlauben, steht natürlich auch einem Ausbau des Angebots auf andere Regionen im Kanton nichts im Wege», sagt Claudia Rederer, Projektleiterin des Heks-Projektes in der Region.