Erfolgsgeschichte
Ein Studium an der FHNW ist eine gute Jobgarantie

Die Fachhochschule Nordwestschweiz feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Sie entstand nach zähem politischem Ringen. Direktionspräsident Bergamaschi hat nun klare Vorstellungen zu ihrer Zukunft.

Jörg Meier
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Die Fachhochschule Nordwestschweiz Am Standort Olten an der Von-Roll-Strasse 10 wurde im Sommer 2013 das Gebäude mit rund 12 000 m2 Hauptnutzfläche durch die Hochschulen für Angewandte Psychologie, Soziale Arbeit und Wirtschaft bezogen.
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Pädagogische Hochschule Solothurn Der kleinste aller FHNW-Standorte, das frühere Solothurner Lehrerseminar an der Oberen Sternengasse, hat nach einem eher harzigen Start im Rahmen der FHNWFamilie inzwischen Fuss gefasst. Im letzten Jahr besuchten insgesamt 271 angehende Lehrerinnen und Lehrer einen der beiden Studiengänge im Primarschulbereich.
Campus Dreispitz, Basel Die Hochschule für Gestaltung und Kunst bezog auf dem Dreispitzareal am Freilagerplatz 1 in Basel/Münchenstein im Sommer 2014 ihre neuen Räumlichkeiten. Der Campus umfasst das umgebaute Zollfreilagergebäude, ein Hochhaus, eine Werkstatt und ein Ausstellungsgebäude.
Campus Muttenz Der FHNW Campus-Neubau in Muttenz kann im Jahre 2019 bezogen werden. Die Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik, die Hochschule für Life Sciences, die Pädagogische Hochschule, die Hochschule für Soziale Arbeit und der Trinationale Studiengang Mechatronik ziehen ein.
Campus Brugg-Windisch In Brugg-Windisch konnte in zwei Etappen vom Sommer bis Herbst 2013 das Campus-Gebäude mit einer Hauptnutzfläche von rund 25 000 m2 durch die Pädagogische Hochschule, die Hochschule für Technik und durch die Hochschule für Wirtschaft bezogen werden.
10 FHNW

Die Fachhochschule Nordwestschweiz Am Standort Olten an der Von-Roll-Strasse 10 wurde im Sommer 2013 das Gebäude mit rund 12 000 m2 Hauptnutzfläche durch die Hochschulen für Angewandte Psychologie, Soziale Arbeit und Wirtschaft bezogen.

Architekturfotografie Gempeler

Der Anfang war schwierig. 1998 entschied der Bundesrat, dass es für die Nordwestschweiz nur noch eine Fachhochschule geben sollte. Nach einem zähen politischen Ringen einigten sich die Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn darauf, gemeinsam die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) zu gründen; die damals sechs Hochschulen in den vier Kantonen wurden zu einer einzigen Fachhochschule vereinigt.

Dabei machten zwar alle Kantone Konzessionen, konnten dafür aber ihre Standorte behalten und wurden so Bestandteil eines Vorzeigeprojektes, das heute in der Schweizer Hochschullandschaft eine führende Rolle spielt. Am 1. Januar 2006 erfolgte die Gründung der neuen, interkantonalen Fachhochschule.

Das zehnjährige Bestehen war für die Führungsspitze der FHNW auch Anlass für eine kleine Standortbestimmung zuhanden der Öffentlichkeit. Der Basler Regierungsrat Christoph Eymann war schon bei der Gründung an vorderster Front dabei. Heute ist er Präsident des Bildungsraumes Nordwestschweiz. Er erinnerte daran, wie viel Überzeugungsarbeit es damals brauchte, bis alle vier Kantone die Chance der neuen Schule erkannten; treibende Kraft sei der Aargau mit dem damaligen Bildungsdirektor Rainer Huber gewesen.

Crispino Bergamaschi, Direktionspräsident FHNW: «Nach zehn Jahren beginnt für uns nun eine Phase der Konsolidierung.»

Crispino Bergamaschi, Direktionspräsident FHNW: «Nach zehn Jahren beginnt für uns nun eine Phase der Konsolidierung.»

Nordwestschweiz-Archiv

Inzwischen sei es gelungen, ein «Wir-Gefühl» zu erzeigen; die FHNW werde sowohl intern als auch in Wirtschaft und Gesellschaft als eine Einheit wahrgenommen. Im Zeitalter der Deindustrialisierung gebe es für die Schweiz nur eine Antwort: Investieren in Aus- und Weiterbildung. «In Zukunft werden die KMU noch bedeutender. Sie sind auf genügend Fachkräfte angewiesen, die über einen 360-Grad-Radar verfügen.»

Die FHNW bilde genau diese Fachkräfte aus. Aber in Zeiten knapper Finanzen bestehe die Gefahr, dass die Kantone weniger Mittel für die FHNW sprechen und sie dadurch bremsen. Zurzeit beträgt das Budget der FHNW rund 700 Millionen Franken pro Jahr; wenn sich die FHNW weiter verbessern will, wird sie auch mehr Mittel brauchen. Eymann appellierte deshalb an die Kantone, die notwendige Mittel nicht zu kürzen.

Menschen machen Schule attraktiv

Prof. Ursula Renold, Präsidentin des Fachhochschulrates FHNW, rühmte die Entstehung der Fachhochschule als «ausserordentliche politische Meisterleistung.» Einzigartig sei die totale Durchlässigkeit im schweizerischen Bildungssystem; es gebe kein anderes Land, das eine derart ausgeklügelte Berufsbildung anbiete. Renold belegte den Wert der höheren Berufsbildung mit einer Statistik: Absolventen einer Fachhochschule sind seltener arbeitslos als Berufsleute mit universitären oder anderen Ausbildungen. Bei der Erfindung der FHNW und der Einführung der Berufsmatura habe man damals einen neuen Typ Schule geschaffen und nicht einfach die Universitäten geöffnet. So sei die FHNW zum Flaggschiff im Bildungsraum Schweiz geworden, ein Magnet für alle, die an Bildung interessiert seien.

Heute bietet die FHNW 29 Bachelor- und 18 Masterstudiengänge nach dem Bachelor-System an. Seit 2006 hat die FHNW rund 17 000 Fachkräfte ausgebildet und dem Arbeitsmarkt zur Verfügung gestellt. 2760 Mitarbeitende sind für die FHNW tätig. 70 Prozent davon stammen aus der Nordwestschweiz, 55 Prozent sind Männer, 45 Prozent Frauen. Im Startjahr 2006 zählte man 6162 Studierende, aktuell sind es 11 268. Mit ihren neun Hochschulen – Angewandte Psychologie, Architektur, Bau und Geomatik, Gestaltung und Kunst, Life Sciences, Pädagogik, Soziale Arbeit, Technik, Wirtschaft und Musik – deckt sie mit Ausnahme des Bereichs Gesundheit sämtliche Fachhochschulbereiche ab. «Es ist nicht der Standort, der die Attraktivität erzeugt, es sind die Menschen», erklärte Präsidentin Renold.

Interdisziplinär mit externen Partnern

52 Prozent der Kosten bezahlen die vier Trägerkantone, 48 Prozent kommen vom Bund, von anderen Kantonen, aus dem Nationalfonds. Und rund 50 Millionen Franken generiert de FHNW an Drittmitteln von Unternehmen, die in Zusammenarbeit mit der FHNW neue Projekte entwickeln. Direktionspräsident Prof. Crispino Bergamaschi, bezeichnete die 28 Bachelor- und die 19 Masterstudiengänge, welche die FHNW in den verschiedenen Disziplinen anbietet, als Herausforderung, aber auch als grosse Chance. Denn viele Problemstellungen liessen sich heute nur noch interdisziplinär angehen und lösen.

Dass das gut funktioniert, beweist die FHNW eindrücklich: Seit 2006 hat die FHNW insgesamt mehr als 5000 Forschungsprojekte mit Partnern aus Wirtschaft, Kultur und Verwaltung realisiert. Und um die Synergien der interdisziplinären Hochschule noch gezielter zu nutzen, lancierte sie 2015 vier strategische Initiativen zu den Themen «alternde Gesellschaft», «fehlende naturwissenschaftliche-technische Fachkräfte», «Energiewende» und «Unternehmertum».

Direktionspräsident Bergamaschi hat klare Vorstellungen über die Zukunft der FHNW: «Nach zehn Jahren beginnt für uns nun die Phase der Konsolidierung, in der wir vorwiegend auf qualitatives Wachstum setzen werden.»

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