Heks
Ein Stück Heimat im fremden Land

Das Projekt «Neue Gärten» das vom Hilfswerk der evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) in Solothurn und im Aargau organisiert wird, stellt Flüchtlingsfrauen Schrebergartenparzellen zur Verfügung.

Silvana Grellmann
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In der Gartenparzelle wird allerlei Gemüse angepflanzt
14 Bilder
Flüchtlingsfrauen bewirtschaften zusammen eine Gartenparzelle in Solothurn
«Wo ist die andere Hälfte?», rätselt nicht nur Almaz
Meron präsentiert stolz die soeben ausgegrabenen Karotten
Wudase liebt es im Garten zu arbeiten
Hier wird gegossen, um letztendlich eine gute Ernte zu haben
Regine Anderegg bereitet Tee für die Pause vor
Während der Pause werden einander Tipps gegeben und Rezpte vorgeschlagen
Dieses Gartenhäuschen gehört zum Heks-Schrebergarten dazu
Neben der Arbeit werden auch Neuigkeiten ausgetauscht
Auch die Kinder helfen tatkräftig mit
Dem Jungen ist die Freude an der Arbeit anzusehen
Die Karotten müssen gewaschen werden
Nach dem Ernten geht es ans Degustieren

In der Gartenparzelle wird allerlei Gemüse angepflanzt

Silvana Grellmann

«Da ist eine Schnecke», ruft Meron laut, als seine Mutter Almaz einige Karotten aus der Erde zieht. Nicht nur ihm ist die Freude bei der gemeinsamen Gemüseernte anzusehen. Auch Almaz strahlt und präsentiert die Karotten stolz. Sie beide nehmen am Projekt Neue Gärten teil, das vom Hilfswerk der evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) in Solothurn und im Aargau organisiert wird.

Almaz stammt aus Eritrea und ist eine der acht Flüchtlingsfrauen, die sich jeweils am Freitagnachmittag bei den Schrebergärten an der Allmendstrasse in Solothurn treffen. Mit dabei sind noch drei weitere Frauen aus Eritrea, zwei aus Tibet, eine Tschetschenin und eine aus der Türkei.

Verantwortung übernehmen

Auf zwei Parzellen haben die Frauen die Gelegenheit, jeweils ein Stück Land zu bepflanzen. «Die Idee ist, den Frauen wieder ein Stück ‹Heimat› zu schenken, ein Ort, an dem die sie in die Natur hinauskommen und auch eine gewisse Verantwortung übernehmen müssen», erläutert Regine Anderegg, Gartenfachfrau aus Solothurn.

Projekt an 11 Standorten

Das vom Hilfswerk der evangelischen Kirchen Schweiz (HEKS) organisierte Programm «Neue Gärten Aargau/Solothurn» startete 2009 mit einem Garten im Aargau. Heute verzeichnet das Projekt insgesamt elf Gärten an fünf verschiedenen Orten. Erst seit 2011 ist der Standort Solothurn mit dabei. Während die Flüchtlingsfrauen von März bis Oktober die Gelegenheit haben, mit einer Gartenfachfrau und freiwilligen Mitarbeitern einen Teil ihrer Freizeit im Garten zu verbringen, wird während des Winters einmal monatlich ein Treffen organisiert, um einander Tipps weiterzugeben und die Sprachkenntnisse zu erweitern. Zur Finanzierung des Integrationsprojektes ist das HEKS auf Stiftungsmittel, kirchliche Unterstützungsbeiträge und Einzelspenden angewiesen. Aktuell wird auf die Beantwortung der Anfragen bei der Reformierten Kirchgemeinde Solothurn sowie des Wasseramts abgewartet. Zugesagt wurde bereits ein Unterstützungsbeitrag von der reformierten Bezirkssynode. (sgo)

Ohne ihre Männer, aber mit den Kindern sollen die Frauen also hinaus in die Natur. Und genau dieser Aspekt scheint den Frauen Freude zu bereiten. Nicht nur Karotten wurden von ihnen gepflanzt. Auf der Gartenfläche sind unter anderem auch Tomaten, Rucola, Spinat und Bohnen zu sehen. In gebrochenem, doch verständlichem Deutsch erklärt Wudase, dass sie sich bereits auf das Essen freue, das sie aus der Ernte zubereiten werde.

Den Frauen Deutsch beizubringen ist denn auch ein weiteres Ziel, welches das Projekt anstrebt. Während des ganzen Nachmittags wird nur Hochdeutsch gesprochen. Dennoch bleibt es wohl ein Wunschdenken, dass die Flüchtlingsfrauen sich auch untereinander nur in der deutschen Sprache austauschen. Natürlich muss bei der Begrüssung über die Neuigkeiten berichtet werden, und so ist auch schon von Weitem das muntere Geplauder auf eritreisch zu hören.

Lernen in der Pause

Schliesslich ist eine Pause angesagt, bei der Tee, Wasser und Trauben herumgereicht werden. Bei dieser Gelegenheit wird auch die Chance gepackt, untereinander Wissen auszutauschen und neue Dinge zu lernen. So zeigt Regine Anderegg an diesem Nachmittag Kochbücher. «Was ist auf dem Titelbild zu sehen?», fragt sie in die Runde. «Das sind Birnen», antwortet ein Junge. Aber es sind nicht Birnen, die abgebildet sind, sondern Quitten. Diese Frucht wird heute den Frauen vorgestellt. «Quitten kann man nicht roh essen, aber wenn man sie kocht, lässt sich beispielsweise eine köstliche Marmelade daraus herstellen», klärt sie die aufmerksamen Zuhörerinnen auf. Die Kinder interessieren sich allerdings mehr für die Bilder im Buch.

Nach zwei Jahren sind die Frauen selbstständig und können auf einem anderen Grundstück einen eigenen Garten unterhalten und dort Gemüse anbauen, weiss Anderegg. «Sie sind dann an das Klima gewöhnt und wissen, zu welcher Jahreszeit man welche Dinge anpflanzen kann.»

So können dann wieder neue Frauen am Projekt teilnehmen, denn auch in Zukunft soll das Projekt «Neue Gärten» in der Stadt Solothurn weiter durchgeführt werden. «Und wenn es die finanziellen Mittel erlauben, steht natürlich auch einem Ausbau des Angebots auf andere Regionen im Kanton nichts im Wege», sagt Claudia Rederer, Projektleiterin des Heks-Projektes in der Region.

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