Solothurn
Ein Staatsdiener, der diese Bezeichnung verdiente: Max Egger ist mit 92 verstorben

Zum Gedenken an alt Regierungsrat Max Egger, der letzte Woche im Alter von 92 Jahren verstorben ist. Am vergangenen Donnerstag ist alt Regierungsrat Dr. Max Egger im Alter von 92 Jahren verstorben. Mit ihm verlässt uns ein Staatsdiener, der wie kein anderer diese Bezeichnung verdiente.

Andreas Eng, Staatsschreiber
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Max Egger an seinem 80. Geburtstag. Bild: Urs Lindt

Max Egger an seinem 80. Geburtstag. Bild: Urs Lindt

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Max Egger wuchs in Solothurn auf und absolvierte in Schwyz seine Matura. Nach Abschluss des Studiums der Rechte mit Doktorat in Bern und Genf zog es den jungen Juristen vorerst in die Wirtschaft, obwohl er familiär bedingt bereits als Gymnasiast sich brennend für politische Fragen interessierte.

Im glarnerischen Netstal, wo er als Direktionssekretär und Personalchef bei einer Maschinenfabrik tätig war, fand er seine erste berufliche Station, bevor er 1963 in das neu geschaffene Amt des Spitaldirektors des Bürgerspitals Solothurn gewählt wurde.

Seine Zeit als Spitaldirektor war geprägt vom Übergang vom lokalen zum Zentralspital, vom privaten zum öffentlichen Spital. Die Spitalvorlagen IV, V und VI brachten tiefgreifende Änderungen mit sich, die es um- und durchzusetzen galt.

Der Staatsschreiber und Homo politicus

Mit der Rückkehr nach Solothurn und der Aufnahme der beruflichen Tätigkeit am Bürgerspital kam dann doch die politische Ader von Max Egger wiederum zum Vorschein. Nach diversen kommunalen Ämtern folgte eine fünfjährige Amtszeit als Kantonsrat (1968 – 1973). 1973 wählte dann der Kantonsrat Max Egger zum Staatsschreiber. In der Tat war dieses Amt Max Egger als kontaktfreudigem Menschen mit seinem kultivierten Wesen und seinem Organisationstalent auf den Leib geschnitten. Dies erkannte offenbar auch die Schweizerische Staatsschreiberkonferenz, die er von 1981 bis 1985 präsidieren durfte.

Regierungsrats-Wahl mit historischer Dimension

Die Wahl Max Eggers 1985 in den Regierungsrat war nicht nur für ihn persönlich ein einschneidendes Ereignis auf seinem Lebensweg, es war auch historisch gesehen ein spezieller Wendepunkt in der solothurnischen Politik. Galt bis zu diesem Zeitpunkt für die Zusammensetzung des Regierungsrates die sogenannte «Solothurnische Zauberformel» (je zwei Vertreter der Freisinnigen und der Sozialdemokraten sowie ein Vertreter der Christdemokraten), so gelang es der CVP mit der Wahl von Max Egger, zulasten der SP zukünftig zwei Mitglieder im Regierungsrat zu stellen, was bis heute unverändert der Fall blieb.

Als Regierungsrat übernahm Max Egger die Departemente Volkswirtschaft, Forst und Sanität, später die Departemente Militär und Landwirtschaft. Max Egger galt als fachlich wie menschlich integerer Departementschef, der lieber ein Umsetzer als ein Mann grosser Worte war. Er galt mitunter als eher scheu und zurückhaltend und sagte von sich selbst, dass er «kein Reisser, sondern ein beharrlicher und stiller Schaffer» sei. Und: «Er wolle den Bürger spüren lassen, dass er eher eine Vaterfigur als ein von Plänen besessener Dynamiker» sei. Wichtiger als die Geschwindigkeit von Entscheidungen war für ihn deren Qualität und deren breite politische Abstützung.

Volkswirtschaftsdirektor mit einem grünen Herz

Sein Herz galt vor allem dem Volkswirtschaftsdepartement, was sich in einem Leistungsausweis manifestiert, der sich durchaus zeigen lässt. Insbesondere im Bereich des Umweltschutzes wurden zu seiner Zeit namhafte Fortschritte erzielt. Es war Max Egger ein grosses Anliegen, dass der Kanton Solothurn bezüglich Vollzug im vorderen Drittel der Schweizer Kantone blieb. Er selbst hat einmal gesagt, dass es ihm nichts ausmache, wenn man von ihm sage, er sei ein grüner Regierungsrat. Es entspreche seinem Credo, dass man zur Natur Sorge tragen müsse. Diese Überzeugung entsprang zweifellos seinem tief verwurzelten christlichen Glauben.

Der Aufbau und die Etablierung der Kantonalen Wirtschaftsförderung waren für Max Egger ein weiteres wichtiges Anliegen. Die Art und Weise, wie der Kanton Solothurn in den 80er-Jahren seine Wirtschaftsförderung betrieb, galt als besonders innovativ und zukunftsweisend. Als weitere Verdienste seiner Regierungstätigkeit seien angeführt: das Altersheimgesetz, das zu einer Verbesserung der Situation der Betagten führte, die Revision des Familienzulagengesetzes oder auch die Bewilligung von Krediten für die Drogenprophylaxe.

Die Sprache war ihm ein Anliegen

Max Egger war nicht nur Jurist, er war auch ein Mann der Sprache. Sein Interesse galt insbesondere der zeitgenössischen Literatur, das er lange seinem Empfinden nach viel zu wenig pflegen konnte. Man würde der Person Max Egger nicht gerecht, wenn man seine Verskunst verschwiege. Wie er selbst sagte, sei er «mütterlicherseits vorbelastet» gewesen und hätte seit seinem 10. Altersjahr Verse geschmiedet und Gedichte geschrieben. Eine Fähigkeit, die er bis ins hohe Alter besass und um die ihn viele beneideten. 1987 erschien zu seinem 60. Geburtstag der Band «Oh Solothurn ...» mit Gedichten und Versen aus seiner Feder – ein Zeugnis seiner Gabe und seines feinen Humors. Auch nach seiner Pensionierung blieb Max Egger aktiv, so als Präsident der römisch-katholischen Kirchgemeinde Solothurn-St.Niklaus. In den vergangenen Jahren wurde es stiller um Max Egger, seine Altersbeschwerden hinderten ihn daran, aktiv am öffentlichen Leben teilzunehmen.

Wir trauern in Dankbarkeit an einen verdienten Staatsdiener, um einen feinen Menschen und sprechen seiner Gattin Helen und der Familie unser herzlichstes Beileid aus.

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