Ein später Siegeszug in Solothurn

Verkehr Auf hiesigen Strassen gab es lange überhaupt keine Ampeln

Sven Altermatt (Text)und Hanspeter Bärtschi (Fotos)
Merken
Drucken
Teilen
Lichtsignalanlage

Lichtsignalanlage

Hanspeter Bärtschi

Arme Ampel! In diesen Tagen feiert sie ihren Geburtstag, doch die Zahl der Gratulanten dürfte sich im überschaubaren Rahmen halten. Kein Wunder: Zwei Wochen seines Lebens wartet ein durchschnittlicher Autofahrer vor einer roten Ampel. Zu diesem Schluss kommt zumindest eine Hochrechnung von Siemens. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben jede zweite Ampel in der Schweiz hergestellt.

Es ist genau hundert Jahre her, seit die erste elektrische Ampel weltweit in Betrieb ging – natürlich in den USA: Im August 1914 schaltete in Cleveland, Ohio, zum ersten Mal eine Ampel von Grün auf Rot. Was mit zwei Farben und manueller Bedienung begann, ist vier Generationen später nicht mehr wegzudenken. Und trotzdem hält sich die Sympathie für Ampeln gemeinhin in Grenzen. Immer dann, wenn man es besonders eilig hat, zeigen sie Rot. Zumindest dieser Vorwurf eint Fussgänger, Automobilisten und Velofahrer.

Nach zaghaften Testläufen etablierte sich die Ampel auch in Europa: Ab 1922 leuchteten die Lichtzeichen in Paris. In der Schweiz sollte es weitere 40 Jahre dauern, bis der Verkehr flächendeckend von Ampeln geregelt wird. Die erste zentral gesteuerte Lichtsignalanlage, wie die Dinger im Amtsjargon heissen, wurde 1950 in Basel installiert.

Ein später Siegeszug

Doch wann fand die Ampel den Weg in den Kanton Solothurn? «Das wissen wir auch nicht mehr so genau», sagt Patrick Kissling. Er ist Leiter Verkehrstechnik beim Amt für Verkehr und Tiefbau (AVT) und damit «Herr der Ampeln» im Kanton Solothurn. Die städtischen Ampeln seien lange durch die Städte selbst betrieben worden, erklärt er, erst 2005 kamen sie in die Obhut des Kantons. Klar ist immerhin: Anfang der 60er-Jahre tat erstmals eine Ampel auf dem Boden der Stadt Solothurn ihren Dienst.

Die erste kantonseigene Lichtsignalanlage wurde 1988 installiert, sie hängt bis heute über dem Knoten Haag in Selzach. Derzeit sind 60 Anlagen auf Kantonsstrassen in Betrieb. «Bevor eine Anlage installiert wird, beurteilen wir Verkehrssicherheit, Leistungskapazität und Verkehrsmanagement», sagt Kissling. Die Palette reiche vom Fussgängerübergang bis zum «komplexen Knoten mit benachbarten Teilknoten» – wie etwa am Solothurner Bahnhofplatz.

Ampelparadies Solothurn

Auch wenn Kreisel zur beliebten Alternative von Kreuzungen geworden sind, gibt es nicht weniger Ampeln. Oft werden die Anlagen nämlich zur Dosierung des Verkehrs genutzt. Die meisten Anlagen, 19 an der Zahl, befinden sich in der Stadt Solothurn, dicht gefolgt von Olten mit 17 Anlagen.

Bereits heute ermöglichen digitale Steuerungen die Vernetzung von Anlagen in einer Region. Sie dosieren den Verkehr so, dass er möglichst nicht zum Erliegen kommt. Zumindest in der Theorie. Mittelfristig, glauben Fachleute, wird die Ampel in ein digitales Verkehrsnetz eingebettet. Autos reden dann mit anderen Fahrzeugen, Schildern und eben Ampeln, die wiederum untereinander kommunizieren. Und das Beste: Im durchregulierten Verkehr sollen Unfälle zur absoluten Rarität werden.