Die diesjährige Obsternte war nicht besonders reich: Mehrere Faktoren haben den Früchte-Ertrag negativ beeinflusst.

Deutlich unter dem Durchschnitt fiel die diesjährige Kirschenernte aus: Grund dafür waren die Kirschessigfliegen. Diese Schädlinge stammen ursprünglich aus dem asiatischen Raum und finden sich seit 2011 auch in der Schweiz.

2014 wurden im Kanton Solothurn die ersten grösseren Kirschessigfliegenschäden aufgezeichnet, 2015 konnten sich die Schädlinge aufgrund der heissen Sommertemperaturen nicht vermehren. Im laufenden Jahr waren die feuchten Frühsommertemperaturen wiederum ideal für deren Verbreitung.

Gefahr für alle Steinobstsorten

Die Kirschessigfliegen sind ein kaum tragbares Schädlingsproblem, darüber sind sich viele einig. Um möglichst rasch eine effiziente Lösung zu finden, wendete sich die FDP mit einer Interpellation an den Regierungsrat, der sich zur Unterstützung bereit erklärte.

Der Regierungsrat berichtet, dass kantonal bereits einiges unternommen wird: «Seit 2014 nimmt der Kanton Solothurn am mehrjährigen interregionalen Projekt «Nachhaltiger Pflanzenschutz gegen invasive Schaderreger im Obst- und Weinbau» teil», zudem seien im ganzen Kanton Lockfallen installiert worden, um die Verbreitung der Schädlinge besser zu kontrollieren.

Gemäss Regierungsrat und Agroscope sind die Methoden, um die Kirschessigfliegen effizient zu bekämpfen, eher limitiert: Es können Mückennetze aufgestellt, die Früchte frühzeitig geerntet, der Grasbewuchs kurz gehalten und/oder die Kulturen mit natürlichen Pflanzenschutzmitteln (Kalk oder Tonerde) behandelt werden.

Die genannten Bekämpfungsmethoden weisen aber nicht nur Vorteil auf, so leidet beispielsweise unter knappreifem Ernten der Geschmack. Eine effiziente Methode für die Schädlingsabwehr erscheint, wie Andreas Vögtli aus Büren (SO), Präsident des Solothurner Bauernverbandes, erklärt, der Schutz der Kulturen durch Mückennetze.

Diese Methode kann jedoch nur für Intensivanlagen genützt werden, für die Halb- und Hochstammbäume im Feldobstbau ist diese Präventivmassnahme nicht geeignet. Aus eigener Erfahrung berichtet Vögtli, wie bereits in der Anfangsphase der Kirschenernte die pflückreifen Früchte fortlaufend von den Kirschessigfliegen befallen wurden: Kalkbehandlung waren bei diesem hohen Druck nur mässig oder überhaupt nicht wirksam.

«Trotz genauer Aussortierung der Kirschen am jeweiligen Abend und kühler Lagerung durch die Nacht konnten die millimeterkleinen Eier in den Kirschen überleben», berichtet Vögtli; am darauffolgenden Tag konnten die Kirschen schlussendlich nicht verkauft werden. Unreife Kirschen wollte Vögtli aus Qualitätsgründen nicht ernten.

Wie Joseph Brägger, Kursleiter des Obstbauernvereines Solothurn, erklärt, befallen die KEF jegliche Steinobstsorten. Die Zwetschgenernte war dieses Jahr jedoch nicht davon betroffen: Die Sommerhitzetage konnten die Verbreitung der Fliege verhindern.

Trotzdem war die diesjährige Zwetschgenernte ziemlich mager, der kalt-nasse Frühling und die späten Frostnächte haben das Pflaumenwachstum beeinflusst.

Kernobst wird nicht befallen

Wetterbedingt war auch die Menge der Kernobsternte tiefer als üblich, wobei die diesjährige Herbsternte nicht deutlich schlechter ausgefallen ist. Es gab, wie Joseph Brägger erklärt, bei Feldobstbäumen witterungsbedingt eine «verglichen mit anderen Jahren eher schlechtere Ernte», aber nicht weitaus unterdurchschnittlich.

Das Kernobst wird im Vergleich zum Steinobst eher von Krankheiten als von Schädlingen befallen. René Meier, erfahrener Landwirt und Baumwärter, erklärt in dieser Beziehung, dass die diesjährigen Erntemengen hauptsächlich vom Spritzverhalten der Landwirte abhingen: «Wo kaum Massnahmen, unabhängig ob biologisch oder nicht, ergriffen wurden, fielen die Ernten schlechter aus». Es sind folglich grosse Schwankungen ersichtlich, die jedoch aufs unterschiedliche Pflegeverhalten der Obstbauern zurückzuführen sind.

Insgesamt war das ganze Obsterntejahr eher problematisch: Die Kirschessigfliegen und das Wetter haben den Obstbauern das Leben nicht vereinfacht, sie werden im neuen Jahr von vorne beginnen und auf günstigere Begebenheiten hoffen.