Schweizer Salinen
Ein Solothurner ist der oberste «Salzstreuer der Schweiz» – und so bereitet er sich auf den Winter vor

Der Solothurner Urs Christoph Hofmeier (55) bereitet sich als Geschäftsführer der Schweizer Salinen AG in Pratteln auf die kalte Jahreszeit vor. Vor allem die Schwankungen vom Auftausalz seien eine grosse Herausforderung.

Urs Oskar Keller
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Urs Christoph Hofmeier: «Die Schwankungen sind für uns die grosse Herausforderung»

Urs Christoph Hofmeier: «Die Schwankungen sind für uns die grosse Herausforderung»

zvg

Herr Hofmeier, die Geschichte der Schweizer Salinen ist mittlerweile über 450 Jahre alt. Die Rheinsalinen wurden 1909 gegründet. Die Schweizer Salinen AG besitzt eine Monopolstellung in der Schweiz. Fürchten Sie um Ihr Monopol?

Urs Christoph Hofmeier: Sinn und Zweck des Salzmonopols ist die Versorgungssicherheit mit Auftausalz. In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass die Mobilität durch einen effizienten Winterdienst nur gewährleistet werden kann, wenn das Auftausalz in der Schweiz vorhanden ist. Dank den beiden Saldomen – das ist die offizielle Bezeichnung – in unserem Werk in Riburg und weiteren Lagerräumlichkeiten können wir die Schweiz jederzeit mit Auftausalz versorgen. Der Jahrhundertwinter 2012/13 hat dies gezeigt. Das jetzige System hat sich bewährt und ermöglicht eine sichere und solidarische Versorgung der Schweiz mit Auftausalz. Unsere Partner im Winterdienst bestätigen uns, dass sie mit dem jetzigen Versorgungssystem sehr zufrieden sind.

Salzverbrauch

Ein Drittel landet auf der Strasse

Die Schweizer Rheinsalinen AG in Schweizerhalle, heute Schweizer Salinen AG, produziert an den drei Standorten Bex VD, Riburg AG und Schweizerhalle jedes Jahr bis zu 600 000 Tonnen Salz für die Schweiz. Etwa ein Drittel davon wird zum Salzen der Strassen benötigt, dieser Anteil kann jedoch stark schwanken: So wurden in den 1980er-Jahren in einigen Wintern nur 130 000 Tonnen Salz gestreut, im Winter 1999 hingegen 220 000 Tonnen und 2012 sogar 300 000 Tonnen. Salz wird zudem in der Landwirtschaft für das Vieh, in der Pharmaindustrie für Kochsalz-Infusionen, für die Herstellung von Regeneriersalz sowie für Gewerbe und die Industrie gebraucht.

Die Kantone besitzen das Monopol für den Handel mit Salz. Dieses sogenannte Regalrecht geben sie an die Schweizer Salinen weiter. Ausgenommen war bis 2014 der Kanton Waadt mit seiner eigenen Saline de Bex. Seit 1979 ist auch der Kanton Jura Aktionär der Schweizer Salinen AG, 1990 stiess zudem Liechtenstein hinzu. Das Fürstentum hat eine Sonderstellung, weil es im Gegensatz zur Schweiz seit 1995 EWR-Mitglied ist. Salzregal und freier europäischer Binnenmarkt werden nebeneinander praktiziert. Sämtliche politischen Vorstösse, das Salzmonopol abzuschaffen, sind bisher gescheitert.

Würde eine Aufhebung das Überleben des Unternehmens mit seinen 200 Mitarbeitenden gefährden?

Ohne Monopol müssten sich die Schweizer Salinen AG, aber auch unsere Kundinnen und Kunden anders orientieren. So müssten die Kantone und Gemeinden erheblich in zusätzliche Lagerkapazitäten investieren. Diese Aufgabe übernimmt heute die Schweizer Salinen AG zentral für alle.

Die drei Standortkantone Baselland (Saline Schweizerhalle, Pratteln), Aargau (Saline Riburg, Rheinfelden) und Waadt (Saline de Bex) produzieren bis zu 600'000 Tonnen Salz, davon rund 40 000 Tonnen Speisesalz. Wie ist der Stellenwert des lebenswichtigen Speisesalzes in der Schweiz heute?

Für Speisesalz gibt es keine Alternative. Es ist deshalb unverzichtbar und unersetzlich. Dazu kommt, dass es als Jod- und Fluorträger zur Volksgesundheit beiträgt.

Steinsalz, also Natriumchlorid, ist einer der wenigen Bodenschätze der Schweiz, deren Vorräte in riesigen Mengen vorhanden sind. Wie lange reichen die Rohstoffe?

Die Vorräte im Boden reichen noch für viele Hundert Jahre.

Wie prognostizieren Sie den Verbrauch von Speisesalz in zehn Jahren?

Wir gehen von einem Verbrauch aus, der parallel zur Bevölkerung wächst. Wie viel Speisesalz in der Schweiz verkauft wird, hängt von verschieden Faktoren ab. So führt der vermehrte Konsum von Fertigprodukten wegen der Importe eher zu einer Reduktion des Salzverbrauches. Auch haben Produktionsverlagerungen der Lebensmittelindustrie einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Speisesalzverbrauch. Für die Schweizer Salinen AG sind die Schwankungen des Auftausalzes die grosse Herausforderung. Ein milder Winter mit 100 000 Tonnen wird von einem harten Winter mit 350 000 Tonnen abgelöst. Da fallen die Veränderungen im Speisesalz kaum ins Gewicht.

Laut einer Studie von 2012 beträgt der durchschnittliche Salzkonsum der Schweizer Bevölkerung pro Tag 9,1 Gramm und liegt damit deutlich über der Tagesdosis von maximal fünf Gramm, welche die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt. Schweizerinnen und Schweizer konsumieren zu viel Salz – sehr zulasten der Gesundheit. Wie sehen Sie das als Salzproduzent?

Wir arbeiten sehr eng und gut mit dem BAG, dem Bundesamt für Gesundheit, zusammen und unterstützen zum Beispiel die Jod-Versorgung der Bevölkerung mit der kostenneutralen Jodierung des Salzes. Die individuelle Dosierung und den Konsum von Salz überlassen wir der Lebensmittelindustrie sowie Konsumentinnen und Konsumenten. Wie überall gilt, dass die Dosis entscheidet: nicht zu viel und nicht zu wenig.

Fast alle Lebensmittel sind künstlich jodiert. Pro Kilo Kochsalz wird 25 Milligramm Jod beigemischt. Dies sind fünf Milligramm mehr als zuvor. Auch 250 Milligramm Fluor wird teilweise zugesetzt. Das Bundesamt für Gesundheit hatte festgestellt, dass Schweizerinnen und Schweizer immer weniger Jod zu sich nehmen und hat die Erhöhung der Konzentration angeordnet. Jod kann in grösseren Mengen aber schlecht für die Gesundheit sein.

In der Schweiz werden nicht viele Lebensmittel, sondern nur das Speisesalz, das Landwirtschaftssalz und ein Teil der Lecksteine jodiert. Dank der Jodierung des Speisesalzes sind Schilddrüsenerkrankungen in der Schweiz weitgehendst verschwunden. Da insbesondere in ausländischen Fertigprodukten oft unjodiertes Salz eingesetzt wird und da deren Konsum zugenommen hat, kann die ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Jod nicht mehr sichergestellt werden. Deshalb kam der Entscheid des BAG für die Erhöhung der Jodierung. Bei den geringen Mengen Jod, die über Lebensmittel und Salz eingenommen werden können, kann es nie zu einer Jodüberdosierung kommen. Hingegen stellt eine Jodunterversorgung ein ernstes gesundheitliches Problem dar.

In der Saline in Schweizerhalle gibt es einen Salzladen mit Salzen aus aller Welt. Wie sieht es mit der Konkurrenz durch ausländische (Tafel-)Salze aus?

In der Schweiz finden Sie eine grosse Vielfalt an verschiedenen Salzen. Wir haben das mit dem Sortiment im Ausland verglichen und keine Einschränkungen festgestellt. Die Vielfalt der oft handwerklich hergestellten Speisesalze ist erfreulich und wir sehen darin keine Konkurrenz. Sie sehen ja selber, dass wir diese in unserem Salzladen fördern und unterstützen.

Das Salz in der sprichwörtlichen Suppe wird immer extravaganter – und teurer, im Angebot stehen etwa Fleur de Sel, Maldon Sea Salt aus England, Himalaja-Salz und so weiter. Statt zum herkömmlichen Kochsalz greifen viele Schweizerinnen und Schweizer inzwischen zu Salz-Spezialitäten. In den Regalen der Delikatessengeschäfte stapeln sich Gewürz-Exoten wie schwarzes Salz und Preise von 20 Franken für 100 Gramm sind dabei keine Seltenheit.

Wir beobachten in den letzen Jahren einen wahren Boom. Dieser ist jedoch nicht auf Salz beschränkt. Die Regale der Spezialitätengeschäfte sind voll von Produkten aus aller Welt, bis hin zu Mineralwasser aus skandinavischen Gletschern. Da es sich oft um handwerklich hergestellte Produkte handelt, sind die Preise teilweise nachvollziehbar.

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