Verkaufen oder nicht verkaufen, das ist hier die Frage. Und eigentlich ist die Antwort ganz simpel: Bier und Wein gibt es ab 16 Jahren, Spirtuosen & Co. ab 18 – so will es der Jugendschutz.

Trotzdem bewegt sich die durchschnittliche Rate unerlaubter Alkoholverkäufe schweizweit bei 29 Prozent. Die Zahl ist zwar über die Zeit leicht rückläufig, aber immer noch sehr hoch. Ähnlich auch die Situation im Kanton Solothurn: Bei rund 359 Testkäufen wurde in 32,9 Prozent der Fälle (118 Mal) unrechtmässig Alkohol abgegeben. Warum also geht die Zahl nicht zurück?

Erfinderische Produzenten

Die Spurensuche beginnt beim Kanton, genauer beim Amt für soziale Sicherheit, das unlängst die neusten Zahlen zu den Alkohol-Testverkäufen im Kanton veröffentlichte. Das Resultat: Die Zahl der unrechtmässigen Verkäufe an unter 16-Jährige hat leicht ab-, jene an unter 18-Jährige hingegen zugenommen.

Und im östlichen Kantonsteil gab es mit 37 Prozent mehr Verfehlungen als 2014 (27 Prozent), während die Zahl im Westen von 31 Prozent auf 14 Prozent runterging.

Erklärungen für diese unterschiedlichen Entwicklungen hat das Amt für soziale Sicherheit nicht. «Wir können höchstens spekulieren», sagt Nina Waldispühl, Fachexpertin Prävention beim Solothurner Amt für soziale Sicherheit.

Das liegt auch daran, dass es keine gesamtkantonalen Zahlen gibt respektive diese von vier unterschiedlichen Akteuren mit unterschiedlichem Vorgehen erhoben werden. Im westlichen Kantonsteil zeichnet die Suchtpräventionsfachstelle Perspektive verantwortlich, im Osten die Suchthilfe Ost, bei Tankstellen das Blaue Kreuz. Zudem macht auch die Polizei Testkäufe.

Für die Diskrepanzen zwischen Olten und Solothurn, zwischen Ost und West, gibt es nicht einmal spekulative Erklärungen. Bei den Verschiebungen innerhalb der Altersgruppen könnte mit eine Rolle spielen, dass die Marketing-Abteilungen der verschiedenen Alkohol-Produzenten beste Arbeit leisten.

Zum einen haben sich die Looks von Alcopops immer stärker dem Aussehen von Softgetränken und Energy Drinks angeglichen. Zum anderen wird auch mit den Inhaltsstoffen getüftelt: So war Smirnoff Ice früher als Vodka-Mischgetränk erhältlich, heute wird das Getränk laut Homepage auf Malzbasis hergestellt.

Aufpassen, der Verkäufer zahlt

Was nebensächlich wirkt, hat wichtige Konsequenzen: Ein Vodka-haltiges Getränk darf nur an Erwachsene (über 18 Jahre) verkauft werden, ein alkoholhaltiges Getränk auf Malzbasis dagegen ist legal schon ab 16 Jahren erhältlich. Wie schwierig es ist, zu beurteilen, wer welches Getränk kaufen darf, können Sie in unserem Online-Quiz selbst erfahren.

Die Schwierigkeiten bei der Beurteilung der Getränke sind längst bekannt. Deshalb bietet beispielsweise die Präventionsfachstelle Perspektive seit 2010, also seit sie für den Kanton Testkäufe macht, auch Präventionskurse für Barkeeper und Verkäufer an.

Die Kurse sind freiwillig, die Nachfrage bescheiden. «Letztes Jahr hatten wir gar keine Anmeldungen, dieses Jahr gab es bisher zwei Kurse à je fünf Teilnehmer», sagt René Henz, der bei Perspektive für die Suchtprävention verantwortlich ist.

Verkaufen oder nicht verkaufen? Eine falsche Antwort kann kostspielig sein. Für den Verkäufer, nicht den Arbeitgeber! Durchschnittlich beträgt eine Busse circa 200 Franken. «Die Höhe der Busse hängt stark vom Einzelfall ab, das heisst vom Alter des Testkäufers und der gekauften Alkoholmenge», sagt Jan Lindenpütz, Medienbeauftragter der Staatsanwaltschaft Solothurn.

Präventionskurse, Bussen – und trotzdem noch immer fast ein Drittel Verstösse? «Es werden nicht immer die gleichen Betriebe getestet. Je mehr neue wir testen, desto mehr müssen wir mit der Prävention bei Null beginnen», sagt Nina Waldispühl.

Gesamtkantonale Zahlen gibt es dazu aber eben keine. Bei der Polizei hat man sich angewöhnt, nicht mehr nach Prinzip Zufall zu kontrollieren, wie früher, sondern geht öfters gezielt Hinweisen aus der Bevölkerung oder von Kollegen nach, wie Marcel Dubach, Dienstchef Jugendpolizei bei der Kantonspolizei Solothurn, erklärt.

Er vermutet, dass die Prozentzahl der von der Polizei geahndeten Verstösse auch deshalb über die Jahre ungefähr bei einem Drittel konstant bleibe.

Nur 18 von 118 gebüsst

Letztes Jahr verstiessen 18 von 48 von der Polizei getesteten Betriebe gegen den Jugendschutz. Nur diese 18 (von insgesamt 118 fehlbaren Verkäufern) wurden gebüsst, denn die Testkäufe durch die anderen Stellen haben rein präventiven Charakter. Müsste man also nicht mehr kontrollieren? Nein, findet Dubach. «Wir woll die Thematik nicht bagatellisieren, aber es ist keine Kernaufgabe der Polizei.» Na dann, prost!