Was sagen Sie, Daniel Probst, zum Entscheid der Nationalbank?

Daniel Probst: Er ist ein Schock, ein Schlag ins Gesicht unserer Exportindustrie. Natürlich muss die Nationalbank eigenständig entscheiden können. – Aber der Zeitpunkt überrascht doch sehr, weil wir derzeit alles andere als stabile Verhältnisse haben: Denken wir nur an die Probleme in der Ukraine oder die Turbulenzen im Euroraum.

Nationalbank-Präsident Thomas Jordan macht geltend, dass die Wirtschaft ja jetzt über Jahre Zeit für nötige Anpassungen gehabt habe …

… Ja, für eine Anpassung von einem Eurokurs von 1.40 Franken auf den Mindestkurs von 1.20 – aber sicher nicht auf einen Kurs, der praktisch der Parität entspricht. Ein solcher Kurs setzt unsere Firmen vor grösste Probleme. Bei unseren Kosten – Löhne, Material usw. – können hiesige Firmen mit der ausländischen Konkurrenz auf Dauer nicht mithalten.

Welche Konsequenzen sind zu befürchten?

Ich habe aus ersten Reaktionen aus unseren Unternehmerkreisen gehört, dass – je nach Entwicklung in den nächsten vier bis sechs Wochen – Massnahmen unumgänglich sein könnten, um den Kostendruck etwas aufzufangen. Die Unternehmer haben durchaus Optionen: Sie können gewisse Produktionen einstellen, sie können auch Produktionen verlagern ...

... bis hin zu Entlassungen.

Zu Restrukturierungen schreitet kein Unternehmer als guter Arbeitgeber gerne. Aber wenn sich die negativen Befürchtungen bewahrheiten sollten, dann sehe ich schon etwas düster. Der Kostendruck in Richtung Verlagerungen nimmt sicher zu.

Die Solothurner Wirtschaft ist stark exportorientiert: Welche Bereiche sind besonders betroffen?

Tatsächlich gehen hiesige Produkte zu zwei Drittel in den Export. Vom Entscheid vor allem betroffen sind die schwergewichtig in den Euroraum exportierenden Firmen unserer (Auto-)Zuliefer- und Präzisionsindustrie aber auch der Medizinaltechnik. Für die in unserem Kanton stark vertretenen Betriebe der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie war schon der Mindestkurs von 1.20 eigentlich zu tief. Sie wird es nun noch einmal hart treffen. Dies alles wird schliesslich auch für die Binnenwirtschaft Konsequenzen haben: Wo nicht mehr investiert wird, bekommen dies auch die nachgelagerten Branchen zu spüren.

Der Konkurrenzdruck wird grösser, die Konkurrenzfähigkeit leidet noch mehr. Was ist kurzfristig zu tun?

Es gilt, zu prüfen, wo noch Stellhebel vorhanden sind. Es gibt solche bei den Lohnkosten. Daneben hat die Politik Ideen auf dem Tisch, die die Arbeit verteuern und höhere Kosten verursachen. Dies sind Dinge, die wir uns nun definitiv nicht mehr leisten können.

Manche Reaktionen aus der Wirtschaft auf den Kursentscheid verraten eine gewisse Panik …

... Panik ist fehl am Platz. Es gilt nun, die Kursentwicklung der nächsten Zeit abzuwarten. Sollte sich der Eurokurs bei etwa 1.15 Franken einpendeln, dann könnten die meisten unserer Firmen den Rank wohl finden. Sinkt er auf 1.05, dann wird dies Konsequenzen haben. Die Unternehmer machen sich nun natürlich ihre Gedanken: Sie werden über die Bücher gehen und ihre Budgets anpassen müssen. Das kann bedeuten, dass Investitionen zurückgestellt, günstigere Zulieferer – allenfalls im Ausland – gesucht werden und auf Projekte verzichtet wird.