Auszeichnung
Ein Pionier der Präzision vor allem: «Breitling» erhält den Solothurner Unternehmerpreis

Das Grenchner Traditionsunternehmen Breitling wird für seine Genauigkeit in jeder Hinsicht mit dem Solothurner Unternehmerpreis 2020 ausgezeichnet.

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Die Breitling SA Grenchen gewinnt den Solothurner Unternehmerpreis 2020.
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Regierungsrätin Brigit Wyss hält ihre Rede.
Marc Furrer hält seine Laudatio.
Solothurner Unternehmerpreis 2020
CEO der Breitling SA Grenchen, Georg Kern, bedankt sich für den Preis.
Der Landhaussaal war voll besetzt.
Solothurner Unternehmerpreis 2020

Die Breitling SA Grenchen gewinnt den Solothurner Unternehmerpreis 2020.

Tom Ulrich

Das Timing war ziemlich gut. Bevor die Grenchner wussten, dass die Präzisionsuhreherstellerin Breitling Trägerin des Solothurner Unternehmerpreises 2020 wird, weihten die Uhrenständer im vergangenen Jahr schon einmal eine Strasse ein, die nach dem Gründer der Firma, dem 1884 gerade einmal 24-jährigen Léon Breitling, benannt ist. Es war früher schlicht die Unterführungsstrasse und trägt heute einen Namen, der mehr Staat macht. Und – ebenfalls nicht schlecht getimt: Breitling-CEO Georg Kern versprach an der Preisverleihung im Solothurner Landhaus, das Preisgeld werde für die Verschönerung der noch etwas gar schmucklosen Léon-Breitling-Strasse eingesetzt. Eine Win-win-Situation, wie sie sich kaum besser hätte fügen können.

Kein Unternehmenserfolg ohne richtige Strategie

Doch der Reihe nach: Die Jury machte es am Mittwoch Morgen vor über 400 Gästen ordentlich spannend, bis sie das Geheimnis über die Sieger-Firma lüftete – auch wenn die eine oder andere Vermutung herumgeisterte. Zuerst legte Volkswirtschaftsdirektorin Brigit Wyss, ihres Zeichens neu Frau Landammann des Kantons Solothurn, den Finger auf die Standortstrategie, die sich Regierung und Standortförderung zurechtgelegt haben. Denn bekanntlich entsteht nachhaltiges Unternehmertum nicht (immer) auf einer sandigen Brache, sondern profitiert von Umfeldbedingungen, die stimmen müssen.

Megathemen wie der demografische und der digitale Wandel sind heute Realitäten und nicht mehr bloss Projektionen. Auch im Kanton Solothurn, der vielleicht noch etwas heftiger gefordert ist im Wettbewerb um Werkplatz und Arbeitskraft als andere. Umso glücklicher war die Volkswirtschaftsdirektorin, eine Weltmarke wie Breitling, die hierzulande zudem nicht nur Namen, sondern auch Produktion hat, ehren zu dürfen.

Plädoyer für grösstmögliche unternehmerische Freiheit

Ein Punkt, den sowohl Hansjörg Stöckli, Präsident der Solothurner Handelskammer, als auch Christian Werner, Präsident des Kantonal-Solothurnischen Gewerbeverbandes – beide sind neben dem Kanton Mitträger des Unternehmerpreises – ebenfalls betonten. Verbunden mit dem Wunsch, dass der Staat nur das regle, was unbedingt nötig ist – sonst werde die unternehmerische Freiheit eingeschränkt. Und diese sei quasi der Schmelzpunkt innovativer Ideen. Und auf diese ist der Kanton dringend angewiesen, will er im Standortwettbewerb bestehen.

Solche Innovation eben, die bis zur Auszeichnung mit dem Unternehmerpreis führen kann. «Mit Präzision zum Welterfolg» segelte denn auch die Ausgabe 2020 der Auszeichnung, der sich Jurymitglied Marc Furrer annahm. Wobei er durchaus Verwandtschaften zwischen der Fliegerei und der Uhrmacherei fand, die das Unternehmen Breitling seit jeher auszeichnet. An beiden Orten brauche es Handwerkskunst und Präzision – und Menschen, die mit Leidenschaft tun, was sie machen. Ob in St. Imier, wo Breitling produziert, oder in Grenchen, wo der Feinschliff erfolgt. Die Solothurner DNA jedenfalls sei im Produkt enthalten, hielt der Solothurner Furrer, ehemaliger Direktor des Bakom, fest. An den Unternehmerpreis hatte er es, der den Kilimandscharo besteigen wollte, geschafft, das Hochgebirgstraining endete allerdings schmerzhaft am Bantiger.

Seit zwei Jahren vollständig in britischer Hand

Nun, aufrecht und sichtlich gerührt nahm dafür CEO Kern in der Folge die schwergewichtige Trophäe in Empfang. Er bedankte sich artig für die Auszeichnung und hoffte für die Solothurnerinnen und Solothurner, aber auch für die der zu 100 Prozent der britischen CVC Partner gehörenden Unternehmung, dass der Kanton am 9. Februar die Unternehmenssteuerreform unter Dach und Fach bringt. Kern dürfte nicht der einzige im Landhaussaal gewesen sein, den diese Hoffnung umtrieb.

Wobei es selbstredend nicht allein der schnöde Mammon ist, der Kern umtreibt. Jüngst verriet er in einem Interview mit dieser Zeitung: «Bevor ich zu Breitling kam, hat sich das Unternehmen nicht im Bereich Umweltschutz engagiert und stark auf das Pilotenimage gesetzt. Aber wir sind dabei, das zu ändern, haben mehrere Schritte unternommen, um diesem Widerspruch entgegenzuwirken.» So ist vom Grenchner Unternehmen in der Zukunft noch mehr Preiswürdiges zu erwarten – auch wenn die Auszeichnungen dann an andere gehen.

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