Infektionsgefahr
Ein Mundschutz für Spital-Besucher ist freiwillig

Im Universitätsspital Genf wurde die Mundschutzmaskenpflicht für Besucher obligatorisch eingeführt. Im Kanton Solothurn können die Besucher der Spitäler und Kliniken auf freiwilliger Basis eine Maske beziehen und benutzen.

Morena Adimari
Merken
Drucken
Teilen
Kann Grippeinfektionen im Spital verhindern helfen: Mundschutzmaske für Spitalbesucher und -personal.

Kann Grippeinfektionen im Spital verhindern helfen: Mundschutzmaske für Spitalbesucher und -personal.

KEYSTONE

Kranke Spitalbesucher können die geschwächten Patienten infizieren und deren Genesung behindern: Mit der Einführung einer Mundschutzmaskenpflicht könnte dies verhindert werden.

Doch viele Spitäler setzen auf Freiwilligkeit, auch im Kanton Solothurn. Das Unispital Genf hingegen hat das Tragen einer Mundschutzmaske bei Spitalbesuchern als obligatorisch erklärt. In der Solothurner Spitäler AG (soH) war die Mundschutzmaskenpflicht für Besucher und Mitarbeitende ein Diskussionsthema.

Es werde aber vorerst zu keinem Obligatorium kommen, wie Eric Send, Mediensprecher der soH, berichtet. Etwas anders sieht es in der Privatklinik Obach aus: «Wir können es uns durchaus vorstellen, auch unseren Besuchern vorzuschreiben, obligatorisch einen Mundschutz zu tragen.» Dies aber erst, sobald der vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) festgelegte Schwellenwert – Anzahl Grippefälle pro Jahr – überschritten sei, sagt Benoît Balet, Mediensprecher des Swiss Medical Networks.

Plakate und Mundschutzmasken

Sowohl in den Spitälern der soH wie auch in der Klinik Obach werde bereits einiges unternommen, um die Ansteckungsgefahr für die Patienten zu minimieren: In den Eingangsbereichen sind Mundschutzmasken zum freiwilligen Gebrauch bereitgestellt. Zusätzlich werde mit Plakaten in unterschiedlichen Sprachen auf die Risiken einer Patienteninfektion aufmerksam gemacht, stimmen Send und Balet überein.

«Es hat sich gezeigt, dass es im letzten Jahr nur in Einzelfällen zu einer Übertragung innerhalb des Spitals gekommen ist», erklärt Send. Wie auch Balet erläutert, sei die Umsetzung der freiwilligen Massnahmen bei den Besuchern erfreulich. «Ein Obligatorium könnte hier übers Ziel hinausschiessen», sagt Send: «Die soH möchte die Besucher und Patienten nicht nur für die Grippe, sondern generell für übertragbare Atemweginfekte sensibilisieren.» Um eine mögliche Grippeinfektion und deren Expansion zu verhindern, sei nicht zuletzt auch die Impfung der sogenannten Risikogruppen (ältere, chronisch kranke und schwangere Menschen) eine wichtige präventive Massnahme, so Send.

Verantwortung ist gefragt

Es sollte klar sein, dass Spitalbesuche nur abgestattet werden, wenn der Patient nicht Risiken ausgesetzt wird. «Bei Fieber, Brech- und/oder Durchfallerkrankungen sollte man auf Spitalbesuche verzichten», erklärt Christian Lanz, Kantonsarzt Solothurn. Auch sei es wichtig, auf eine korrekte Händehygiene zu achten. Ob ein Mundschutzmasken-Obligatorium sinnvoll sei, scheint für den Kantonsarzt unklar; man könne in diesem Bereich durchaus an die Verantwortung und an den Verstand der Besucher appellieren. Hierfür sei zudem die Sensibilisierung der Spitalbesucher und Patienten zentral.

Aufmerksames Spitalpersonal

Etwas anders ist die Situation des Spitalpersonals: Mittels Kampagnen und Informationsanlässe wird dem Personal empfohlen, sich gegen die Grippe zu impfen. Für das nicht geimpfte Personal sei es aber in der soH nicht flächendeckend obligatorisch, Mundschutzmasken zu tragen. Erkältete Mitarbeitende müssten sowieso auch ausserhalb der Grippesaison eine Mundschutzmaske tragen. Und «in sensiblen Bereichen – wie beispielsweise Überwachungsstationen – kommt dem Maskentragen eine besondere Aufmerksamkeit zu», erklärt Send.

In der Privatklinik Obach müssen alle nicht geimpften Pflegefachpersonen, beim Überschreiten des BAG definierten Schwellenwertes der Grippefälle, einen Mundschutz tragen, wie Balet berichtet.