Berufsmesse
Ein möglicher Weg: Mit dem Berufsattest zum Traumjob

Die Solothurner Ausstellung zum eidgenössischen Berufsattest (EBA) zeigt: Auch durch eine zweijährige Lehre erreichen Jugendliche ihr Ziel.

Noëlle Karpf
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Im Zentrum «Altes Spital» informieren sich junge Besucher am Stand der Solothurner Spitäler AG zur zweijährigen Attestausbildung

Im Zentrum «Altes Spital» informieren sich junge Besucher am Stand der Solothurner Spitäler AG zur zweijährigen Attestausbildung

Noëlle Karpf

«Polymechaniker». «Kinderbetreuerin». «Hotelfachfrau». Das sind die Traumberufe einer Gruppe von Siebtklässlern. Rund 15 Jugendliche nahmen am Donnerstag am Workshop «Fit für die Berufswahl» teil, der anlässlich der 7. Ausstellung zum eidgenössischen Berufsattest (EBA) stattfand.

Diese zweijährige Lehre ist für Schüler geeignet, die nach der Oberstufe Schwierigkeiten mit dem Stoff an der Berufsschule haben. Für die einzelnen Altersstufen gab es verschiedene Workshops. Die Messestände im «Alten Spital» besuchten mehrere hundert Kinder von der 7. bis zur 9. Klasse.

Die diesjährigen Berufswünsche überraschten Regula Aepli, die den Workshop leitete. «Will denn keiner von euch ins Büro?», fragte sie in die Runde. Das wäre laut Aepli ein typischer Traumberuf dieser Altersgruppe. «Normalerweise ist der Detailhandel ebenso ein Renner», berichtete sie. Auch die Berufe, die später teilweise zögerlich angefügt wurden, entsprechen nicht dem üblichen Trend: «Innendekorateurin». «Hochbauzeichner Fachrichtung Architektur». «Landmaschinenmechaniker».

Diese Berufe können nur mit einer EFZ-Ausbildung erlernt werden. Deshalb erörterte Aepli den jungen Zuhörern Alternativen. Statt Fachfrau Betreuung EFZ kann man Assistentin Gesundheit und Soziales EBA werden. Und an der Stelle von Hotelfachfrau EFZ gibt es die Möglichkeit, eine Ausbildung zur Hotellerieassistentin EBA zu absolvieren.

Aepli weiss, dass noch nicht alle Siebtklässler konkrete Vorstellungen haben, was die Berufswelt angeht.

EBA-Traumberufe

- 2015 erhielten 240 Lehrlinge ihr Zeugnis. In diesen Berufen gab es die meisten Abschlüsse: DetailhandelsassistentIn: 49, AssistentIn Gesundheit und Soziales: 21, Küchenangestellte: 19.

- 2014 waren es 247 Lehrlinge: DetailhandelsassistentIn: 39, AssistentIn Gesundheit und Soziales: 31, Logistiker Lager: 23.

- 2013 gab es 219 Zeugnisse: DetailhandelsassistentIn: 49 Logistiker Distribution: 24, Büroassistent: 20.

Das zeigte sich in der Diskussion über die Anforderungen an Lernende. Dass ein Polymechaniker Geschicklichkeit und Konzentration mitbringen sollte, war den Schülern klar. Anders klang die Diskussion über den Beruf Bäcker. Dafür müsse man früh aufstehen, wusste ein Schüler. Sein Tipp dazu war aber umstritten: Man könne nach dem Ausgang einfach direkt zur Arbeit übergehen, meinte er.

Erste Eindrücke sammeln

Auch Albrecht Stalder bestätigt, dass einer 7. Klasse die Berufswelt noch nicht vollständig bekannt ist. Er ist verantwortlich für die zweijährige Grundausbildung im Kanton. «Die Klassen sehen sich hier erst einmal die verschiedenen Berufe an.» Dies lohne sich auf jeden Fall. In der 8. und 9. Klasse würden Wünsche und Fragen der Schüler konkreter. Das erfahren in erster Linie die Aussteller. Sie informieren die Jugendlichen über ihren Beruf und beantworten Fragen.

Andreas Känzi vertrat die Maler und Gipser. Was wollten die Schüler von ihm wissen? «Zuerst kommt meistens die Frage nach dem Lohn», sagte er. Danach ginge es darum, welche Fähigkeiten ein Schüler mitbringen muss. Zuletzt sei den Jugendlichen auch wichtig, welche Schulfächer sie haben, und wo sie zur Schule gehen.

«Es gibt zweierlei Gruppen hier», ergänzte Känzi. Zum einen kämen Schüler, die sich wirklich für den Beruf interessieren. Andererseits gebe es auch viele Jugendliche, die für die Schule Fragebogen zu einzelnen Berufen ausfüllen müssen, und dazu Stände abklappern.

Noch ist vieles offen

Was passiert, wenn ein Schüler einen Traumberuf anvisiert, den er aufgrund seiner Schulbildung nicht ausüben kann? Laut Regula Aepli ist es dann vor allem wichtig, die Schüler auf ihre Stärken hinzuweisen, nicht auf ihre Defizite. «Man kann den Kindern zeigen, welche Berufe zu ihren Fähigkeiten passen», so Aepli. Danach sei es wichtig, die Eltern ins Boot zu holen. «Einige Eltern sind enttäuscht, wenn ihr Kind keinen Matur- oder EFZ-Abschluss macht», erzählt Aepli. Die EBA biete aber vielen Schülern, darunter auch Migranten, eine gute Grundausbildung.

Dieser Meinung ist auch Kathrin Kohl. Sie unterrichtet das Fach Berufskunde in Solothurn. «In der 7. Klasse ist noch so viel möglich», berichtet Kohl. «Ich möchte Schüler nicht einfach wegen ihrer Leistungen in eine Schublade stecken», so die Lehrerin. Und sie will keine Träume von Schülern zerstören, die Arzt werden wollen, aber nicht können, weil sie keinen Zugang zu einer Universität haben.

Wie kann die Lehrerin sie für andere Berufe begeistern? «Wenn sie konkrete Vorstellungen haben, erkläre ich ihnen, dass es verwandte Berufe oder Weiterbildungsmöglichkeiten gibt», so Kohl. «In unserem System ist doch so viel möglich», fügt sie hinzu. Wer eine Attestlehre erfolgreich abgeschlossen und ein gutes Zeugnis im Sack hat, kann direkt im zweiten Lehrjahr eines EFZ-Berufs einsteigen. So kann auch jemand mit einer Attestausbildung später einmal Polymechaniker werden. Oder Kinderbetreuerin. Oder Hotelfachfrau.