«Auf einen Kaffee mit...»
Ein Leben für die Schafe: «Vielleicht besitze ich so etwas wie ein Schafzüchter-Gen»

«Auf einen Kaffee mit...» Heinz Bieri. Der Schafzüchter aus Oekingen organisiert dieses Wochenende den 50. Interkantonalen Ausstellungsmarkt in Deitingen. Schafe gehörten schon immer zu seinem Leben

Severin Bommer
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Rund zwei Stunden wendet Heinz Bieri täglich für seine Schafe auf.

Rund zwei Stunden wendet Heinz Bieri täglich für seine Schafe auf.

Michel Lüthi

Mit einem festen Handschlag, wie man ihn von Leuten kennt, die gerne anpacken, begrüsst mich Heinz Bieri bei sich zu Hause. Der Hufschmied aus Oekingen organisiert dieses Wochenende den zum fünfzigsten Mal stattfindenden interkantonalen Schafausstellungsmarkt in Deitingen. Nur noch wenige Bauern züchten Schafe für kommerzielle Zwecke. Zu gering ist der Ertrag, zu hoch sind die Produktionskosten. In Deitingen treffen sich deshalb auch nicht hauptberufliche Schafzüchter. Es geht nicht um den Verkaufspreis der Wolle oder des Fleisches. Hier präsentieren und handeln die Züchter mit ihren schönsten Tieren.

Doch was zeichnet ein schönes Schaf aus? Der 67-jährige Präsident des Schafzüchterverbands Solothurn weiss es. Bieri lehnt sich über den Küchentisch und sagt: «Ein schönes Schaf ist gesund, robust und hat eine gute Erscheinung.»

Beim Ausstellungsmarkt werden von den Experten die drei Kriterien Erscheinung, Beine und Wolle bewertet und dafür Punkte vergeben. Bieri: «Die Kriterien sind nicht aus der Luft gegriffen. Hat ein Schaf schwache Beine, kommt es im Sommer vielleicht nur mit Schwierigkeiten auf die Alp, um zu weiden. Wir brauchen für die Zucht Tiere mit starken Beinen, dichter Wolle und guter Erscheinung. Unser Ziel ist, es ein möglichst gesundes und robustes Schaf zu züchten.»

Bieri ist von Anfang an dabei

Der Oekinger hilft schon seit Beginn beim Ausstellungsmarkt mit und organisiert ihn zum zehnten Mal. Als sein Hobby möchte Heinz Bieri die Schafzucht nicht bezeichnen: «Ich sage den Leuten immer, dass die Schafzucht kein Hobby ist. Es ist vielmehr eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Die damit verbundene Arbeit ist für mich so selbstverständlich, wie am Mittag Hunger zu haben.»

Die Schafe sind seine grosse Leidenschaft: «Die Tiere begleiten mich mein ganzes Leben. Schon mein Vater hatte Schafe. Mit vierzehn Jahren kaufte ich mein erstes eigenes und habe all die Jahre immer mehr oder weniger Tiere gehabt. Vielleicht besitze ich so etwas wie ein Schafzüchter-Gen.»

Die nun von Bieri organisierte Veranstaltung existiert seit 1968. Nicht immer fand sie in Deitingen statt. Die ersten 25 Jahre beheimatete die Solothurner Reithalle den Markt, bis die Ausstellung aufgrund der überlasteten Verkehrssituation 1994 nach Balsthal umziehen musste. Bis 2004 blieb der Markt im Thal, dann zog er an den heutigen Standort in Deitingen um.

Heinz Bieri hat all diese Entwicklungen miterlebt. Mit siebzehn Jahren half er erstmals beim Ausstellungsmarkt mit und ist der Veranstaltung stets treu geblieben. Er war Helfer, schweizerischer Schafexperte, und seit 2011 besetzt er das Präsidium des Solothurner Schafzuchtverbands.

Für ihn ist die Veranstaltung immer etwas ganz Besonderes. Zwar findet er nebst dem Organisieren nicht mehr die Zeit, seine 50 eigenen Schafe prämieren zu lassen, doch geniesst er trotzdem die spezielle Atmosphäre.

«Wenn die 130 Aussteller aus der ganzen Schweiz vor Ausstellungsbeginn ihre Schafe abladen, dann herrscht so etwas wie ein organisiertes Chaos. Es gibt dann während rund einer Stunde ein lautes Geblöke, bis alle Schafe in ihren Boxen angekommen sind.»

In der Folge werden die Schafe von Experten bewertet. Die Bewertungen sind entscheidend für die Verkaufspreise. Die am besten bewerteten Schafe können beim Verkauf je nach Kategorie rund 700 bis 800 Franken einbringen.

Ein Franken pro Kilo Wolle

Bieri betreibt die Zucht, wie die meisten Aussteller am Markt, nicht um Geld zu verdienen. Er erklärt, dass es im Gesamten für ihn ein Nullsummenspiel ist: «Mit dem Verkauf meiner schönsten Schafe und dem Ertrag der geschlachteten Tiere, welche ich primär jedoch nicht zur Fleischerzeugung habe, kann ich ungefähr die Unterhaltskosten begleichen. Für die Wolle bekomme ich gerade mal noch einen Franken pro Kilogramm. Diese wird dann wenigstens noch für die Isolation von Häusern verwendet und nicht direkt vernichtet. Die Arbeitsstunden darf man gar nicht zählen.»

Wahrscheinlich präsidiert Bieri dieses Jahr seinen letzten Ausstellungsmarkt. Heinz Bieri: «Ich habe immer gesagt, bis zur fünfzigsten Austragung besetze ich das Präsidium noch. Danach möchte ich den Markt jedoch weitergeben.»

Wer den Markt zukünftig leiten wird, ist noch nicht klar. Bieri: «Bei uns Schafzüchtern fehlt es leider an Nachwuchs. Einen Nachfolger für mich zu finden, gestaltet sich deshalb als schwierig.»

Der Schafausstellungsmarkt findet am Samstag und Sonntag mit 663 Schafen statt. Heinz Bieri wird wie jedes Jahr wieder mit dabei sein und für den problemlosen Ablauf der Veranstaltung sorgen.

50. Interkantonaler Ausstellungsmarkt, Pferdesportzentrum Russmatt Deitingen, Samstag, 3. März. Ausstellung ab 12 Uhr, Sonntag, 4. März, Ausstellung 9.00 bis 15.30 Uhr.