Als «Kiosk» bezeichnet Stephan Zaugg die Oberaargauer Zaugg AG Rohrbach. Die leicht despektierliche Bezeichnung für ein Unternehmen mit 110 Angestellten kann sich der 44-jährige Unternehmer erlauben, führt er doch zusammen mit seinem Bruder Martin Zaugg das Familienunternehmen in dritter Generation.

Gemeint ist die Breite des Angebotes. Aus der ursprünglichen Kleinstzimmerei ist inzwischen ein Spezialist für Gebäudehüllen kombiniert mit Bürobauten für industrielle und gewerbliche Kundschaft entstanden. Das Schwergewicht liege naturgemäss auf dem Holzbau, man produziere aber auch Stahlbauten und kombinierte Hallen aus Holz und Stahl, sagt Stephan Zaugg. «Wir sind der einzige Hallenbauer in der Schweiz, der mit beiden Werkstoffen arbeitet.» Die Palette reiche von Werk-, Lager-, Produktions- und Verkaufshallen bis hin zu Betriebsgebäuden für landwirtschaftliche Betriebe und Pferdehallen für Reitvereine. Seit einigen Jahren ist die Firma auch im Wohnungsbau aktiv. Jährlich werden Konstruktionen für fünf bis zehn Einfamilienhäuser gefertigt.

Möglichst wenig auswärts gefertigt

Gemeint sind mit «Kiosk» auch die betrieblichen Aktivitäten. «Unsere Arbeit umfasst planen, fertigen, transportieren und montieren bis zur schlüsselfertigen Übergabe», erklärt Stephan Zaugg auf dem Rundgang. Das Unternehmen betreibt nicht «nur» eine Zimmerei, sondern auch eine eigene Spenglerei und einen Stahlbau. «Wir streben eine möglichst hohe Fertigungstiefe an», erläutert Zaugg das Geschäftsmodell. Deshalb werde möglichst wenig auswärts bei Zulieferbetrieben gefertigt.

Dies im Gegensatz zu Tendenzen in der Metall- und Präzisionsindustrie, Arbeitsschritte auszulagern, um Kosten zu sparen. «Wir wollen eine möglichst hohe Wertschöpfung im eigenen Betrieb erzielen. Wenn möglich, wollen wir alles mit unserem eigenen Personal fertigen.» Nur so könne die dem Kunden versprochene Qualität auch eingelöst werden. «Letztlich zählt nur das.» So erstaunt es nicht, dass beim Holzbauer ungewöhnlich viele Berufsfelder abgedeckt werden – vom Bauingenieur, über Zimmermann, Schreiner, Spengler bis hin zum Schlosser. Die Mitarbeitenden bezeichnet er denn auch als das «grösste Kapital der Firma».

Bei der Zaugg AG Rohrbach arbeiteten nur gelernte Fachkräfte, versichert der Firmenchef. Um genügend beruflichen Nachwuchs zu haben, will er künftig den Lehrlingsanteil von heute 5 auf mindestens zehn Prozent verdoppeln.

Alles ist gross hier

Alles ist gross – das Werksgelände, die Produktionshallen, die Fertigungsanlagen, die Werkstücke. Die 1936 gegründete Zimmerei und heutige Zaugg AG entspricht nicht mehr dem etwas verstaubten Bild einer Zimmerei, wo Balken und Bretter von Hand zugeschnitten und gehobelt werden. Späne fliegen zwar immer noch, aber produziert werden die Holzträger, die Bretter oder die Fassadenelemente aus Stahl industriell. So prägen riesige CNC-gesteuerte Anlagen die Fertigungshallen. «Wir investieren jährlich hohe Summen in den Maschinenpark», so Stephan Zaugg. «Bauen ist ein konservatives Gewerbe.

Jeder kann dasselbe. Was zählt, ist eine möglichst effiziente Produktion», lautet sein Credo. Und genau dort setzt er an. Es gelte, die internen Abläufe stetig zu verbessern, es habe immer Potenzial, um die Produktivität zu steigern. So wird demnächst auf dem Firmengelände eine weitere Halle mit 2500 Quadratmeter Fläche für den Elementbau erstellt. Investitionen in den Maschinenpark und Gebäude kosten Millionen. Können Sie das aus eigener Kraft finanzieren? Stephan Zaugg lächelt und meint: «Den Grossteil der Vorhaben können wir selbst stemmen.» Auch das sei Teil der Geschäftsphilosophie.

Immer nur so viel ausgeben, wie reinkommt. «Unsere Vorgänger haben uns ein gesundes Unternehmen übergeben. Das wollen wir so fortführen, um auch eine Krise überstehen zu können und die Arbeitsplätze zu sichern.»

Umsatz von 41 Millionen

Gross sind auch die Pneukräne, welche die Rohrbacher für Spezial-Einsätze vermieten – dafür ist das Unternehmen mit seinem schwarzen Schriftzug auf den gelben Kranträgern auch in der breiten Öffentlichkeit bekannt. Meist kommen sie für spektakuläre Transporte oder Baustellenprojekte zum Einsatz. Ebenso hier ist der «Maschinenpark» imposant: 18 Pneukrane mit einer Tragkraft von bis zu 400 Tonnen, 10 Lkws für Schwer- und Spezialtransporte und über 40 Hebebühnen.

«Das ist für uns ein reines Dienstleistungsgeschäft. Wir vermieten die Fahrzeuge inklusive Chauffeur und Bedienungspersonal an unsere Kunden.» Entstanden ist das auf den ersten Blick produktfremde Angebot eher durch Zufall. Sein Vater habe Ende der 60er-Jahre beim Aufrichten einer grossen Tragkonstruktion Probleme gehabt. Da habe er kurzerhand den ersten Pneukran gekauft, erinnert sich Zaugg Junior. Inzwischen ist der Bereich Krantechnik zu einem nicht unwichtigen Standbein angewachsen; den Anteil am Umsatz beziffert er auf rund 20 Prozent.

Und im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen einen Gesamtumsatz von 41 Millionen Franken, wie der Co-Inhaber preisgibt. Die Wirtschaftsleistung habe man in den vergangenen Jahren stetig steigern können. Damit wuchs auch der Personalbestand, der «sich innert zehn Jahren auf 110 Mitarbeitende verdoppelt hat». Der Umsatz sei im gleichen Zeitraum «noch etwas mehr gestiegen».

Die Auftragslage im abgedeckten Marktgebiet von Genf bis Zürich bezeichnet Zaugg als gut. Auch wenn der Bauboom abflachen sollte, sieht er nicht schwarz. Gerade im Bereich Hallenbau bestehe immer Erneuerungsbedarf. «Und inzwischen habe sich Holz als Bauträger etabliert.»