Brass Bands beginnen ihre Konzerte gern mit einem eindrucksvollen Marsch. Dem wollten sich die SOL Brass Kids, die Nachwuchsformation der Brass Band Solothurn (BBS), nicht entziehen. So eröffneten sie das Vorprogramm zum Jahreskonzert mit Grand March from Aida von Giuseppe Verdi, besser bekannt als Triumphmarsch. Für Brassbands arrangiert hat diesen Ohrwurm Thomas Wyss.

In vielen Registern zu Hause

Weniger pompös, eher verspielt, ging es mit dem Zauberwald von Nicolas Jarrige weiter. Und dann wieder ganz wild mit Alan Prings Pirates Sword Dance. Für das letzte Stück blieb Claudia Flury mit ihren Brass Kids beim Tanz, nämlich mit Lord of the Dance – mitreissende Musik, die Ronan Hardimann zur faszinierenden irischen Stepp-Show geschrieben hat. Das Arrangement stammt von Johnnie Vinson. Das Publikum nahm mit Begeisterung die Darbietungen der jungen Musizierenden auf und erklatschte sich eine Zugabe.

The Melody Shop von Karl King ist ein unerhört schmissiges Stück, mit dem die Brass Band Solothurn (BBS) unter Martin Bütikofer das Publikum sofort mitriss. Man glaubte, die lebhafte Jugendzeit des Komponisten als Musiker bei Barnum und Bailey mitzuerleben. Geführt durch Ruedi Krebs subtile Moderation ging es erneut in die Welt der Zauberei, zu Harry Potter and the Sorcerer’s Stone, einer Orchester Suite zum gleichnamigen Film; komponiert von John Williams und arrangiert von S. Sykes.

Abwechslung gross geschrieben

Musizierende wie Zuhörer haben sich nach Cry of the Mountain die Pause verdient. Dieses Werk, von Howard Lorriman geschrieben, zeigt in jeder Hinsicht epische Ausmasse, gerade auch in seinen Ansprüchen an das Können aller Mitwirkenden. Zum einen müssen die Ausführenden ihre Instrumente beherrschen, zum anderen zeigt es deutlich, dass das Ganze mehr ist als die Summe der Einzelteile. Martin Bütikofer führte seine Musizierenden akkurat vom Pianissimo über spannungsgeladene Crescendi bis in die Fortissimopassagen, das im Verlauf des Konzertabends übrigens gleich mehrfach.

Salsa Pa Gozar von Philip Harper eröffnete einen ebenso schwungvollen wie überraschungsreichen dritten Konzertteil. Manch einem fiel es schwer, ruhig sitzen zu bleiben. Der Höhepunkt des Abends war eigentlich ein doppelter, nämlich zwei Kompositionen, die für Solisten arrangiert sind: Zuerst zeigte Lukas Bosshart, was man mit dem Es-Bass und dem Sousaphon alles an- bzw. musikalisch darstellen kann. Er spielte im Kostüm des Balu den Solopart in The Bare Necessities aus dem Dschungelbuch, geschrieben von Terry Gilkyson und arrangiert von Leigh Baker. Eine Überraschung war das zweite Solostück, denn nur André Meier als Eufoniumspieler war die Wahl bekannt; das Stück wurde erst zu Konzertbeginn bestimmt. Er spielte auf dem Euphonium äusserst einfühlsam die sanfte, getragene Komposition von Alfred de Vita Softly as I leave you und liess die Zuhörenden schwelgen.

Es folgte das traditionelle englische Marschlied Men of Harlech (bekannt aus dem Soundtrack des Films Zulu), arrangiert von Gareth Wood. Eine Solistenparade aus allen Registern brachte Brass vom Feinsten, das mit Paul Lovatt-Coopers Dreamcatchers. Damit schloss das Programm. Geträumt wurde aber noch nicht: Mit zwei Zugaben schloss ein Konzert, welches das Prädikat musikalisches Erlebnis verdient.