Witi-Schutzzone
Ein Hund büxt aus – die Halterin verstösst damit gegen gleich zwei Gesetze und muss zahlen

Auf einem Spaziergang haut Bello ab und jagt Rehe. Seine Halterin verstösst damit gleich gegen zwei Gesetze. Sie wehrt sich vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern gegen den Strafbefehl, wird aber trotzdem gebüsst.

Noëlle Karpf
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Auf einem Feld in der Bellacher Witi-Zone rannte Bello davon, seine Halterin hatte ihn nicht an der Leine.

Auf einem Feld in der Bellacher Witi-Zone rannte Bello davon, seine Halterin hatte ihn nicht an der Leine.

J. &C. Sohns/Symbolbild

Es geschieht auf einem Morgenspaziergang in der Witi-Zone in Bellach. Bello rennt von seiner Halterin weg, jagt einem Sprung Rehe hinterher. Bauer Bruno Gerber*, der in dem Gebiet wohnt, sieht an diesem Aprilmorgen zu. Er versucht zuerst, den zuständigen Wildhüter anzurufen, erreicht ihn aber nicht. Deshalb wendet sich der Bauer an die Polizei. Darauf erhält die Hundehalterin Maya Z.* einen Strafbefehl. Sie hat gegen das kantonale Hundegesetz verstossen, weil Bello nicht an der Leine war. Und sie hat das Bundesgesetz für Jagd und zum Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel übertreten, weil ihr Hund gewildert hat. Z. wehrt sich gegen den Strafbefehl. Wegen ihrer Einsprache befasste sich gestern das Amtsgericht Solothurn-Lebern mit dem Fall.

Leinenpflicht in der Witi-Zone

Hunde gehören «im entsprechend bezeichneten öffentlichen Raum» an die Leine, steht in der kantonalen Hundeverordnung. So auch in der Witi-Zone zwischen Solothurn und Grenchen. Viktor Stüdeli, Wildhüter und ehemaliger Gemeindepräsident von Selzach, kontrolliert dieses Gebiet. Obschon die Vorschrift im Vergleich zu früher heute besser eingehalten werde, stelle er im Monat rund zwei Verstösse fest – «obwohl die Leinenpflicht überall signalisiert wird». Stüdeli findet auch immer wieder Rehe oder Hasen, die von Hunden gerissen wurden. Zwischen 2010 und 2016 erliess die Solothurner Staatsanwaltschaft 585 Strafbefehle wegen solcher «Hunde-Widerhandlungen». (NKA)

«Er hat etwas gegen mich»

Sie sei an diesem Aprilmorgen gar nicht in der Witi-Zone spazieren gewesen, sagte Z. vor Gericht. Bauer Gerber habe sie fälschlicherweise angezeigt. Seit Bello bereits 2015 einmal in der Witi-Zone ausriss, habe der Bauer einfach etwas gegen sie. Z. bestritt nicht, mit ihrem Hund in der Vergangenheit mehrmals ohne Leine in der Witi-Zone spazieren gegangen zu sein. Früher habe ihr Hund ein «Problem» gehabt, sei häufig weggerannt. Heute führe sie Bello an der Leine. 2016 wurde sie nämlich gebüsst, weil sie ihrem Hund mit einem Stromreiz-Halsband das Ausreissen «austreiben» wollte. Solche Halsbänder sind im Kanton verboten, ausser ein Halter hat eine spezielle Bewilligung dafür. Z. hatte keine. Deshalb habe sie heute gar keine andere Wahl, als den Hund an der Leine zu führen. «Jetzt hört Bello auf mich und ich halte ihn artgerecht – mehr kann ich dazu gar nicht sagen», so Z.

Bauer Gerber sagte an der gestrigen Verhandlung dasselbe wie schon gegenüber der Polizei, als er Z. im April anzeigte: Er habe die Hundehalterin und Bello an diesem Tag in der Witi-Zone gesehen, und der Hund habe Rehen nachgejagt. Er und seine Familie hätten in der Vergangenheit immer wieder beobachtet, wie der Hund ausgerissen sei. Weil das «Spielchen» an jenem Aprilmorgen länger gedauert habe, habe er die Polizei verständigt. Gerichtspräsident Yves Derendinger stellte fest, dass das Verhältnis zwischen Gerber und Z. «nicht das Beste» sei. Aber das sei wohl kein ausreichender Grund für den Bauer, die Hundehalterin fälschlicherweise zu beschuldigen.

Hund ist «vorbelastet»

Er habe nur die beiden Aussagen von Hundehalterin und Bauer, fuhr der Gerichtspräsident fort. Er sehe keinen Grund, warum er dem Bauer nicht glauben sollte. Hätte dieser die Hundehalterin «aus Spass» anzeigen wollen, hätte er das bei einer früheren Gelegenheit tun können, in welcher der Hund frei in der leinenpflichtigen Gegend herumrannte. Gegen die Hundehalterin sprach zudem, dass Bello «vorbelastet» sei, weil er seit 2015 immer wieder wegrannte und sich scheinbar nicht gebessert habe. Deshalb sei die Busse von 100 Franken, welche die Staatsanwaltschaft bereits im Strafbefehl forderte, gerechtfertigt, so Gerichtspräsident Derendinger. Nach der gestrigen Verhandlung muss die Hundehalterin nun auch noch die Gerichtskosten zahlen.

Namen von der Redaktion geändert.

Regierungsrat wendet sich gegen Veto

Die Regierung hält daran fest: Für Hunde Wald soll im Wald die Dauer der generellen Leinenpflicht verdoppelt werden und jeweils vom 1. April bis 31. Juli dauern. Aufgrund eines ersten Verordnungsvetos im Kantonsrat gegen die Totalrevision der Jagdverordnung hat der Regierungsrat darauf verzichtet, die Leinenpflicht auch auf einen Streifen von 100 Metern Waldabstand auszudehnen. An der zeitlichen Verlängerung hielt die Regierung aber fest. Und provozierte damit prompt ein zweites Veto: Darin warfen Kuno Tschumi (FDP, Derendingen) und 29 Mitunterzeichner der Exekutive die Missachtung der kassatorischen Wirkung eines Vetos und der kantonsrätlichen Kompetenzen vor. Davon könne keine Rede sein, kontert die Regierung: Sie sei davon ausgegangen, dass nur der Waldabstand umstritten sei, nicht die Dauer. Diese richte sich gezielt nach der Brut- und Setzzeit der Wildtiere, die dann besonderen Schutz vor Störungen bräuchten. (ums.)