Solodaris Stiftung
Ein gutes Leben – trotz Krankheit

Am nächsten Dienstagabend treffen sich in Olten Menschen mit einer psychischen Erkrankung, Angehörige und Fachpersonen. Die Wahlbernerin Momo Christen wird ihre Geschichte erzählen.

Elisabeth Seifert
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Momo Christen: «Ich will mit meiner Geschichte anderen Betroffenen Mut machen, dass sie trotz einer psychischen Krankheit ein zufriedenes Leben führen können.»

Momo Christen: «Ich will mit meiner Geschichte anderen Betroffenen Mut machen, dass sie trotz einer psychischen Krankheit ein zufriedenes Leben führen können.»

zvg

Ihre Stimme am Telefon ist frisch und sympathisch. Der Kontakt zu anderen Menschen, auch wenn sie diese kaum kennt, fällt Momo Christen ganz offensichtlich leicht. Darauf angesprochen meint sie mit einem gewinnenden Lachen: «Das ist wohl ein Talent, das ich die Wiege gelegt bekommen habe.» Dann aber meint sie plötzlich ernst: «Das meiste in meinem bisherigen Leben musste ich mir hart erarbeiten». Und wenn sie beginnt, einzelne Stationen ihre Lebensgeschichte zu erzählen, wird auch sehr schnell klar warum.

Fast ein kleines Wunder

Bereits ihre Kindheit stand unter keinem guten Stern. Kaum war sie irgendwo angekommen, musste sie Schule, Freunde und Wohnung wieder verlassen. Als Erstklässlerin rauchte sie ihre erste Zigarette, nicht viel später versuchte sie, sich mit Alkohol zu betäuben, es folgten Drogen. Das Abdriften in eine schwere Sucht blieb aber nicht das einzige Problem. Eine Reihe psychischer Erkrankungen sind bei ihr im Lauf der Zeit festgestellt worden. Und einige dieser Diagnosen machen ihr heute immer noch zu schaffen. Nur dank Medikamenten etwa kann sie sich gegen die viel zu vielen Reize wehren, die ständig auf ihre Sinne niederprasseln. Beeinflusst wird ihr Leben zudem von einer posttraumatischen Belastungsstörung. Vor diesem Hintergrund ist es schon ein kleines Wunder, dass die Wahlbernerin heute von sich sagt: «Ich habe ein gutes Leben.»

Seit einigen Jahren erzählt sich im Rahmen von Vorträgen und Gesprächsrunden, wie sie es geschafft hat, «ihr Leben mit der Krankheit zu gestalten». Am Dienstagabend, 12. Mai, ist die Mitt-Vierzigerin zu Gast in Olten an einem monatlichen Treffen für Menschen mit einer Psychose, Angehörige und Fachpersonen. Organisiert werden diese Treffen vom Verein psychische Gesundheit Kanton Solothurn in Zusammenarbeit mit der Solodaris Stiftung.

«Ich will mit meiner Geschichte anderen Betroffenen Mut machen, dass sie ein zufriedenes Leben führen können, auch ohne geheilt zu sein», begründet sie ihr Engagement. Mit psychischen Krankheiten verhalte es sich häufig ähnlich wie mit chronischen körperlichen Leiden. Momo Christen vergleicht ihre Situation mit derjenigen eines Diabetikers oder mit jemandem, der sich von einem komplizierten Beinbruch nie mehr ganz erholen wird. «Wenn ein Diabetiker aber seine Ernährung umstellt, wird es ihm aber trotzdem gelingen ein glückliches Leben zu führen.» Gleiches gelte auch für jemanden mit einem schweren Beinbruch, sofern er sich bereit ist neben Schmerzmitteln ständig an seiner Beweglichkeit zu arbeiten und hart zu trainieren. «Auch bei einer psychischen Erkrankung braucht es viel Mühe und Disziplin, um wieder auf die Beine zu kommen», weiss Momo Christen aus eigener Erfahrung.

Nach zahlreichen Psychotherapien setzt sie heute auf ein therapeutisches Konzept, bei dem Betroffene Fertigkeiten einüben, um in ihrem Alltag besser zurechtzukommen. Stichworte sind hier die Entwicklung der «inneren Achtsamkeit», der Umgang mit Gefühlen, zwischenmenschliche Fertigkeiten oder auch Stress-Toleranz und Selbstakzeptanz. Seit einigen Jahren wendet Momo Christen dieses Konzept in einer Selbsthilfegruppe an, die sie gegründet hat und auch selber leitet. «Es geht dabei darum, dass jeder Betroffene seinen eigene Weg findet, um mit der Krankheit umzugehen.»

Trotz einer solch intensiven Auseinandersetzung mit der Krankheit – Momo Christen bleibt auf Medikamente angewiesen. Medikamente, die dazu führen, dass sie mit ihrem Gewicht zu kämpfen hat. Zudem braucht sie eine Menge Schlaf. Und ihr Arbeitspensum darf 30 Prozent nicht übersteigen. «Eine IV-Rente hilft mir, dass ich mir dennoch keine Sorgen um meinen Lebensunterhalt machen muss», sagt sie dankbar – und zufrieden.

Veranstaltung: Dienstag, 12. Mai, 19 bis 21 Uhr. Psychiatriezentrum Haus T an der Baselstrasse 150 in Olten.