Die grossartige Tradition lebt: Vor 142 Jahren, am 8. Oktober 1872 fand das erste Feldsektionswettschiessen auf dem Twannberg statt, das als Ursprung des heutigen Eidgenössischen Feldschiessens gilt. 1879 kann die Existenz von kantonalen Feldschiessen in den Kantonen Bern und Solothurn nachgewiesen werden. Im Jahr 1926 nahmen dann erstmals sämtliche Kantone am Eidgenössischen Feldschiessen teil und bis heute ist das Feldschiessen eine der grössten Veranstaltungen der Schweiz geblieben.

Über 100 Jahre alt – aber immer noch treffsicher – war auch das Langgewehr, mit dem es ein Schütze in Bibern sogar bis in den Ausstich geschafft hat. Im Bettlach erschien ein Schütze, der aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr liegend schiessen darf, aber trotzdem unbedingt mitmachen wollte – man gestattete ihm ausnahmsweise, das 300-Meter-Programm stehend zu absolvieren.

Hochbetrieb herrschte wie immer auf dem grossen und modernen Zuchwiler Schiessplatz. «Vor allem am Freitagabend war der Andrang gewaltig», sagte Hansruedi Affolter von den Arbeiterschützen Derendingen. «Die ehrgeizigen Schützen, die jeweils am Abend trainierten, wissen natürlich, dass bei uns in Zuchwil das Licht am Sonntagmorgen meisten sehr grell ist und blenden kann, und dass deshalb die Chancen auf ein gutes Resultat am Abend deutlich höher sind.»

Urchiger im Biberntäli

Deutlich urchiger, ganz ohne Elektronik, geht es jeweils im Biberntäli zu, wo sich zum Feldschiessen fast der ganze Bucheggberg trifft. Auf der Strasse legen sich die Schützen hin, während sich am Gegenhang die Zeiger unterhalb der Scheiben in den sicheren Unterstand begeben. Dann gehen die Salven fast gleichzeitig los. «Bei uns ist es eben besonders wichtig, dass sich alle strikt an die Kommandos halten», erklärt Hansjakob Andres vom Schützenverein Balm. «Man muss wirklich ganz sicher sein, dass alle fertig geschossen haben, bevor die Fahne gezeigt wird.»

Bei den Karabinern und den neuen Sturmgewehren sei die Kontrolle einfach, weil der leere Verschluss offen bleibe. Beim Sturmgewehr 57 müsse man dagegen genau auf den kleinen Ladezeiger achten. «Wir lassen uns genug Zeit, damit sicher nichts passieren kann», erklärt Andres. Nach der Entladekontrolle werden die Zeiger wieder zu den Scheiben gelassen.

Konstante Teilnehmerzahlen

Die erste, noch «gefühlte» Zwischenbilanz, fällt grossmehrheitlich positiv aus. Bei wunderbarem Frühsommerwetter ging am Sonntag das Eidgenössische Feldschiessen 2014 zu Ende, nachdem an den ersten beiden Tagen noch die Bise mancherorts ein wenig gestört hatte. Nach ersten Schätzungen sind die Teilnehmerzahlen im gleichen Rahmen wie in den letzten Jahren geblieben. «Wir hatten wieder etwa 170 Pistolenschützen», sagte Gottardo Rüfenacht auf dem Bettlacher Schiessstand Lauacher.

Die Resultate seien zum Teil ausgezeichnet gewesen, ein Zeichen, dass das Pistolenschiessen auch einen Schritt Richtung Leistungssport gemacht hat. Rüfenacht behielt immer die Übersicht und wusste bereits im Moment, als der letzte Schuss abgefeuert wurde: Schützenkönig im Bezirk Lebern wurde der Langendörfer Beat Schmitt mit 178 von möglichen 180 Punkten.