Haustiere
Ein gelbes Band soll verhindern, dass der Hund rotsieht

Ein gelbes Band an der Leine soll anderen Hundhaltern signalisieren, dass der angeleinte Hund Abstand braucht. Die Idee scheint im Kanton Solothurn durchaus bekannt zu sein, angewendet wird das gelbe Band jedoch eher selten.

Beatrice Kaufmann
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Ein gelbes Tuch an der Leine signalisiert jedem, der entgegenkommt: «Rühr mich nicht an». Doch noch kennen nur wenige die Bedeutung dieses Zeichens.

Ein gelbes Tuch an der Leine signalisiert jedem, der entgegenkommt: «Rühr mich nicht an». Doch noch kennen nur wenige die Bedeutung dieses Zeichens.

Beatrice Kaufmann

Manche mögen sie einfach nicht. Andere können dem weichen Fell von Hunden nicht widerstehen und möchten jede der süssen Fellnasen streicheln. Beginnt das «härzige Hündli» plötzlich die Zähne zu fletschen, den Fremden anzuknurren oder gar anzubellen, kann es Herrchen und Frauchen damit in arge Erklärungsnot bringen. Ist das ein böser Hund? Hat der Halter ihn nicht im Griff?

Wie manche Menschen schätzen auch Hunde den Kontakt zu Zwei- oder Vierbeinern nicht immer. Wird ihnen der gewünschte Abstand nicht gewährt, können Hunde nur mit den Mitteln reagieren, die ihnen zur Verfügung stehen: Zähnefletschen, Knurren, Bellen.

Ein Signal soll nun helfen, solche Situationen frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Die Idee namens «Gelber Hund» ist simpel: Braucht ein Hund Abstand zu Artgenossen oder Menschen, so werden er oder die Leine mit einem gelben Halstuch oder einer Schleife versehen. Entgegenkommende können das Signal frühzeitig erkennen und dem Hund ausweichen.

Wird nicht angewendet

Doch auch die beste Idee funktioniert nur, wenn sie bekannt ist. Wir haben uns in Hundeschulen umgehört und nach Bekanntheit sowie Sinnhaftigkeit des Signals gefragt. Dabei zeigte sich, dass die Idee, zumindest in der Region Solothurn, durchaus bekannt ist, jedoch selten angewandt wird.

«Ich kenne das Prinzip, habe aber erst wenige Hunde mit einer gelben Schleife gesehen», gibt etwa Hundetrainerin Esther Hunziker (Agility Thal-Gäu) Auskunft. Die Idee fände sie aber hilfreich für Halter von unsicheren Hunden. Ähnlich sieht dies Barbara Lüthi (Hundeschule Solothurn).

«Früher hat man Pferden, die ausschlugen, eine rote Schleife an den Schweif gebunden.» Somit hätten alle gewusst, dass man dem Tier nicht zu nahe treten darf. Dass etwas Ähnliches nun für Hunde existiert, bewertet Lüthi als sehr sinnvoll. «Wir haben heute sehr viele Hunde, wir leben eng aufeinander, und nicht alle Hunde sind selbstsicher.»

Trotzdem ist das Signal in der Schweiz noch nicht sehr bekannt, wie Silvia Deimeke, Betreiberin der Homepage «Gelber Hund Schweiz», auf Anfrage bestätigt. Man sehe vor allem im Toggenburg und in der Romandie vermehrt «gelbe Hunde». Gerade im zweisprachigen Teil sei das Signal beliebt, da es auch ohne Erklärung funktioniert. «Viele finden aber, es sei nicht nötig.»

Signalwirkung

Dieser Meinung ist man auch im Kynologischen Verein Wengi in Biberist. Man störe sich nicht ob der gelben Schleife, sagt Präsident Ueli Sterchi. Er setze aber auf die altbewährte Leine. «In der Hundehalterszene ist – hoffentlich allen – klar, dass man den eigenen Hund an die Leine nimmt, wenn der entgegenkommende angeleint ist.»

So signalisiere man mit der Leine bereits, dass der Hund keinen Kontakt zu Hunden haben will oder soll und nicht gestreichelt werden soll. Ähnlich sieht dies auch Cornelia Müller von der Hundeschule Matte, Niederönz: «Ich nehme meinen Hund konsequent zurück und vermittle dieses Verhalten auch in der Hundeschule. Ich denke, es würde mehr bringen, wenn sich jeder an solche Anstandsregeln halten würde.»

Grundsätzlich sehe sie die Lösung des Problems denn auch eher in der breiten Aufklärung über den richtigen Umgang mit den Tieren – sowohl bei Hunde- wie auch Nicht-Hundehaltern. Ihr Hund habe grundsätzlich kein Problem mit anderen. Dennoch könne er auf Artgenossen treffen, die ihm unsympathisch sind. «Und dann reagiert auch er.»

Weitere Informationen zu «Gelber Hund» finden sie unter www.gelberhund.ch