Jugendschutz
Ein Fünftel verkauft trotz Verbot Alkohol und Tabak an Jugendliche

Jede fünfte Verkaufsstelle im Kanton hat bei den Testkäufen 2017 Alkohol oder Tabak an Jugendliche verkauft. Der Jugendschutz wird nach wie vor nicht konsequent beachtet. Der Kanton will sich deshalb weiter für entsprechende Schulungen engagieren.

Noëlle Karpf
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Bei rund 60 Testkäufen im vergangenen Jahr wurde an Jugendliche Alkohol verkauft (Symbolbild).

Bei rund 60 Testkäufen im vergangenen Jahr wurde an Jugendliche Alkohol verkauft (Symbolbild).

Keystone

Die Regeln sind klar: Bier, Wein und Tabak ab 16, Schnaps und Alcopops ab 18. Das sagt der Jugendschutz. Trotzdem gab es auch im letzten Jahr Betriebe im Kanton Solothurn, die unrechtmässig Alkohol und Tabakwaren an Jugendliche verkauft haben. Das zeigen die Testkäufe von Jugendpolizei und Suchthilfe. 320 Verkaufsstellen wurden getestet. Rund ein Fünftel hielt sich dabei nicht an den Jugendschutz. Die Testkäufe fanden in Gastrobetrieben, im Detailhandel und an Veranstaltungen statt.

In zwei Drittel der Betriebe, die unrechtmässig Alkohol und Tabak verkauften, seien keine Alterskontrollen durchgeführt worden. In den anderen gab es zwar Kontrollen – verkauft wurde die verbotene Ware aber trotzdem. «Als Grund für den Verkauf trotz Kontrolle werden Rechenfehler, Zeitdruck und Unsicherheiten in der Kommunikation vermutet», heisst es in der Mitteilung dazu.

Neun Anzeigen erstattet

47 der Testkäufe wurden durch die Jugendpolizei getätigt, wie deren Dienstchef Marcel Dubach auf Anfrage erklärt. In neun Fällen wurde Anzeige erstattet. Ein Vergleich zu den Vorjahren sei schwierig, so Dubach, da manchmal etwa nur Bier gekauft werde, oder die Testpersonen teils deutlich älter oder jünger aussehen. Grundsätzlich sei es in den letzten fünf Jahren aber jeweils in 20-30 Prozent der getesteten Verkaufsstellen zu einer Anzeige gekommen. Dabei haften nicht nur die Verkäufer. Auch die Vorgesetzten können sich strafbar machen, wenn sie ihre Mitarbeiter nicht genügend über den Jugendschutz informieren.

Rechtliche Konsequenzen haben nur die Testkäufe der Jugendpolizei. Bei den Käufen der Suchthilfen steht die Prävention im Vordergrund. So wollen die Beteiligten mit den Testkäufen etwa auf die Schulungen der Suchthilfen und des Blauen Kreuzes für Verkaufs- und Barpersonal sowie deren Vorgesetzten aufmerksam machen. (SKS)

Das steht im Gesetz

Das Gesetz verbietet den Verkauf von Tabakwaren und alkoholischen Getränken an Jugendliche unter 16 Jahren (Wein, Bier) und den Verkauf von Schnaps, Aperitifs und Alcopops an unter 18-Jährige.

So funktionieren Testkäufe

Bei Testkäufen werden jugendliche Testkäufer durch die kantonalen Suchthilfen oder die Polizei beauftragt, alkoholische Getränke und Tabakwaren einzukaufen. Die Testkäufer werden jeweils von einer erwachsenen Person der durchführenden Stelle instruiert. Die Verantwortlichen der jeweiligen Betriebe werden durch die durchführende Stelle umgehend mündlich oder schriftlich über den erfolgten Testkauf informiert. Getestet wird in Gastrobetrieben, im Detailhandel sowie an Veranstaltungen.

Die Suchthilfeinstitutionen und das Blaue Kreuz Solothurn bieten im Auftrag des Amtes für soziale Sicherheit Schulungen für Betriebe und Veranstalter an. Auf der kantonalen Jugendschutz-Webseite sind Informationen zu den Jugendschutzbestimmungen und präventiven Angeboten (inkl. Materialbestellungen) abrufbar.