Kinderärzte

Ein eigener Kinder-Notfall wäre «finanziell nicht tragbar»

Im Kanton Solothurn sind nur 28 Ärzte tätig, die sich auf die Behandlung der kleinen Patienten spezialisiert haben. (Archiv)

Im Kanton Solothurn sind nur 28 Ärzte tätig, die sich auf die Behandlung der kleinen Patienten spezialisiert haben. (Archiv)

Die Solothurner Regierung beurteilt die Versorgungssituation bei den Kinderärzten als «vergleichsweise gut». Auf der Seite der öffentlichen Spitäler sieht man keinen akuten Handlungsbedarf.

Im Kanton Solothurn sind laut Ärztegesellschaft nur gerade 28 Fachärztinnen und -ärzte für Kinder- und Jugendmedizin tätig, von denen neun erst noch nur mit einem Pensum von 25 Prozent oder weniger arbeiten. Die Solothurner Spitäler haben keinen Leistungsauftrag für Kinder- und Jugendmedizin und verfügen demzufolge auch über keinen Kinder-Notfall. Und aufgrund der geringen Zahl an niedergelassenen Kinderärzten bzw. der tiefen Arbeitspensen ist es auch diesen nicht gelungen, einen eigenen kinderärztlichen Notfalldienst zu gewährleisten. Das klingt nach einer eher mageren Versorgung.

Eltern würden sich denn auch darüber beklagen, dass dies «kein Zustand» sei, sagt SP-Kantonsrat Simon Bürki (Biberist). Er wollte deshalb von der Regierung wissen, wie sie die Situation bezüglich kinderärztlicher Versorgung im Kanton beurteilt und welche Massnahmen zur Verbesserung ergriffen werden können. Eine gute medizinische Versorgung erhöhe schliesslich auch die Standortattraktivität einer Region und gebe Eltern «insbesondere nachts eine unschätzbare Sicherheit», so der Parlamentarier.

Der Regierungsrat schätzt die Lage allerdings offensichtlich weit weniger dramatisch ein. Die Situation sei für die Einwohner im Kanton Solothurn «vergleichsweise gut», schreibt er in der Antwort auf Bürkis Interpellation. In der Deutschschweiz gibt es pädiatrische Kliniken anders als in der dezentraler organisierten Westschweiz nur an den grossen Kantons- und Universitätsspitälern. Für den Kanton Solothurn heisse das, dass mit Bern, Aarau, Basel und Biel «von fast jedem Ort aus» ein Kinderspital gut zu erreichen sei.

Man sieht scheinbar also auf der Seite der öffentlichen Spitäler keinen akuten Handlungsbedarf. Und was die bescheidene Zahl privater Kinderarztpraxen betrifft, wird auf den beschränkten Handlungsspielraum verwiesen: Zumindest habe der Kanton Solothurn Kinderärzte de facto nie dem Zulassungsstopp unterstellt und somit keine Interessenten an der Aufnahme einer Praxistätigkeit gehindert, macht der Regierungsrat geltend. Aber man könne nun einmal keinem Arzt vorschreiben, sich an einem bestimmten Ort oder in einer bestimmten Region niederzulassen.

Solothurner Modell auch in Olten

Dem Anliegen, im Bürgerspital Solothurn einen eigenen Kindernotfall aufzubauen, wird eine deutliche Abfuhr erteilt: Das sei für die Solothurner Spitäler AG (soH) unrealistisch. Die für einen Betrieb rund um die Uhr an 365 Tagen benötigten Kinderärzte wären – wenn man sie denn überhaupt rekrutieren könnte – nicht ausgelastet. Eine solche Lösung wäre «finanziell nicht tragbar», so der Regierungsrat.

Wird also rein gar nichts unternommen, um die kinderärztliche Versorgung zu verbessern? Das dann doch nicht. In Solothurn stellt die soH privaten Kinderärzten die Räumlichkeiten für eine grosse Gemeinschaftspraxis zur Verfügung, die von der Infrastruktur des Spitals profitieren kann. Im Neubau wird es für die Kinderpraxis zwar keinen Platz mehr haben, aber das Bürgerspital sichert einen Umzug in «gleichwertige» Räumlichkeiten zu. Die Zusammenarbeit hat sich bewährt.

Bis 20 Uhr (auch samstags und sonntags) werden Kinder durch die Fachärzte der privaten Praxis empfangen, untersucht und behandelt. Nachts beurteilen die diensthabenden Ärzte der Notfallstation des Bürgerspitals die Fälle und nehmen bei Unklarheiten mit einem Facharzt des Notfallzentrums für Kinder und Jugendliche am Berner Inselspital Rücksprache. Wie mit der Beantwortung des Vorstosses von Kantonsrat Simon Bürki nun bekannt wird, plant die soH, am Kantonsspital Olten eine ähnliche Lösung zu etablieren.

Weiter teilt der Regierungsrat mit, dass man für Solothurn die Möglichkeit einer vertieften Zusammenarbeit mit dem Inselspital in den Nachtstunden prüft, um den Notfallärzten am Bürgerspital zusätzliche fachliche Hilfe und Sicherheit zu bieten. Und schliesslich werde geprüft, ob die von der Alarmzentrale in Solothurn an die Kinderkliniken in Bern, Biel, Aarau oder Basel weiter geleiteten Anrufe von hilfesuchenden Eltern künftig unentgeltlich angeboten werden können.

Autor

Urs Moser

Urs Moser

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