«Clin d`oeil»

«Ein Desaster»: Kantonsräte rechnen mit Französisch-Lehrmittel ab

Das Lehrmittel wurde in fünf Kantonen gleichzeitig und im Rahmen von Passepartout eingeführt. (Symbolbild)

Das Lehrmittel wurde in fünf Kantonen gleichzeitig und im Rahmen von Passepartout eingeführt. (Symbolbild)

Seit seiner Einführung an der Solothurner Oberstufe steht das Lehrmittel «Chlin d'oeil» in der Kritik. Derzeit wird das Obligatorium - und eine mögliche Abschaffung dessen - überprüft. Trotzdem führte das Lehrmittel zu einer ausgiebigen Diskussion im Parlament.

Es steht in der Kritik, seit es in die Solothurner Schulzimmer gekommen ist: Das Französischlehrbuch Clin d`oeil, das für die Oberstufe obligatorisch ist. Dass bei dem Lehrbuch, das Solothurn mit fünf anderen Kantonen ausarbeiten liess, nicht alles optimal gelaufen sei, gestand gestern im Kantonsrat auch Bildungsdirektor Remo Ankli ein. Der Herausgeber müsse das Buch verbessern, sagte er. «Wenn sich der Verlag nicht bewegen wird, wird er das Lehrmittel nicht mehr verkaufen können.»

Ankli kündigte an, dass im Bildungsdepartement durchaus auch ins Auge gefasst werde, künftig das Obligatorium aufzuheben und Konkurrenzlehrmittel zuzulassen. Die Lehrer hätten dann die Wahlfreiheit. Bevor aber Entscheide getroffen würden, werde noch genauer überprüft, wie es um das Lehrmittel stehe. «Es hat keinen Wert, dass wir die Sache überstürzen. 2021 wird ein neuer Entscheid vorliegen», so Ankli. Bis dahin seien die Lehrkräfte «imstande, damit umzugehen, auch wenn das Buch nicht optimal ist».

Tatsächlich hat der Bildungsdirektor schon früher einen Entscheid getroffen. Auf Sek-P-Stufe hat Ankli das Obligatorium nämlich bereits aufgehoben, da das Buch zu wenig auf die gymnasialen Anforderungen vorbereitet (wir berichteten). «Es ist kein schöner Zustand, dass wir nicht alle Sek-Stufen gleich behandeln», so Ankli.

«Ein Desaster»

Im Kantonsrat kam das Buch unter massive Kritik. «Gelinde gesagt weniger als suboptimal» sei das Lehrbuch, kritisierte FDP-Sprecher Andreas Schibli. «Die Aufhebung des Lehrmittelzwangs wäre wünschenswert.» Ein «ziemlich ernüchterndes Fazit» zog auch Grünen-Sprecher Felix Wettstein (Olten). Und noch «zu viele Baustellen» beim Französischunterricht sah die Sprecherin der CVP-EVP-BDP-GLP-Fraktion, Marie Therese Widmer (CVP, Steinhof). «Wir sind nicht zufrieden.»

Als er am Morgen über den Passwang gefahren sei, habe er gewusst, dass er im Kantonsrat kritisiert werden würde, sagte Bildungsdirektor Remo Ankli. Wie heftig die Kritik dann von SVP-Bildungspolitiker Beat Künzli (Laupersdorf) kam, erstaunte den Schwarzbuben Ankli aber doch. Künzli rechnete mit dem Buch - und dem Solothurner Fremdsprachenkonzept – ab. «Einmal mehr haben wir eine grosse Baustelle.» Die Lehrpersonen müssten ausbaden, was der Regierungsrat «strukturmässig versaut» habe. Dass Ankli noch zuwarten will mit einem Entscheid zum Lehrmittel, dafür hatte Künzli dann gar kein Verständnis. «Obwohl man schon jetzt von einem Desaster reden kann, will der Regierungsrat die Ergebnisse abwarten.»

Support erhielt der Bildungsdirektor vor allem von Mathias Stricker, SP-Kantonsrat und designierter Präsident des Solothurner Lehrerverbandes. Zwar habe der Verlag kritische Anliegen zum Buch tatsächlich zu wenig ernst genommen, so Stricker. Trotzdem sei eine seriöse Auswertung des Lehrmittels abzuwarten. «Jedes neue Lehrmittel stösst auf Widerstand.» Und verbessere der Verlag das Buch nicht, so Stricker, werde dies der Markt richten. Lehrer würden dann andere Bücher verwenden.

Das Lehrmittel war, wie andere Französisch- und Englischlehrmittel, im Rahmen des Projektes Passepartout eingeführt worden. Bei diesem hatte sich Solothurn mit fünf anderen Kantonen darauf geeinigt, Französisch ab der 3. und Englisch ab der 5. Klasse zu unterrichten – mit einheitlichen Lehrmitteln und Lehrplänen. An diesem Konzept des Fremdsprachenunterrichts wollten die Kantonsräte aber, mit Ausnahme der SVP, keine Kritik üben. «Es geht um ein Lehrmittel und nicht um eine Strukturdiskussion», so Stricker.

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