Amtsgericht

Ein Charmebolzen leidet an Nachwehen: zum 2. Mal wegen Betrug vor Gericht

War es Betrug oder nicht? Zwischen April 2002 und Februar 2005 überreichte eine Frau dem Angeklagten rund 67000 Franken.

War es Betrug oder nicht? Zwischen April 2002 und Februar 2005 überreichte eine Frau dem Angeklagten rund 67000 Franken.

Ein Mann soll mehrere Frauen um Geld betrogen haben – es wäre nicht das erste Mal. Nun steht Silvain C. wegen Betrug, Veruntreuung und Urkundenfälschung zum zweiten Mahl vor Gericht.

Für Einzelrichter Ueli Kölliker war der vor ihm sitzende, redegewandte Franzose mit afrikanischen Wurzeln kein Unbekannter. Silvain C.* wurde von ihm nämlich bereits Ende Juni 2013 wegen mehrfacher Anstiftung zu ungetreuer Geschäftsbesorgung sowie qualifizierter Geldwäscherei zu einer Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren verurteilt. Im Jahr 2010 hatte seine Freundin von einem Konto ihres langjährigen Arbeitgebers rund 1,3 Mio. Franken abgezweigt. «Ich war ihm hörig, ich habe mich unterwürfig verhalten», erklärte die Frau damals vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt. Mit 72 000 Franken bezahlte sie eigene Rechnungen, 95 Prozent des Geldes verprasste Silvain C., indem er sich als Eventmanager im Jetset ausgab. «Er nimmt die Leute aus, wo immer sich ihm eine Gelegenheit bietet», so Kölliker bei der Urteilsverkündung im letzten Jahr.

Verhandlung ohne Staatsanwalt

Nun sass Silvain C. also wieder vor Kölliker, dieses Mal aber ohne Staatsanwalt im Rücken. Denn die gestrige Verhandlung wurde nun quasi als «Nachwehe» zum früheren Verfahren abgehalten. Bei einer Verurteilung droht dem Angeklagten darum «nur» eine Zusatzstrafe. Geht es nach dem Staatsanwalt, soll diese ein halbes Jahr betragen. Die Vorwürfe lauten Betrug, Veruntreuung und Urkundenfälschung. Alle Fälle liegen mehrere Jahre zurück. «Mittels arglistiger Täuschung» soll Silvain C. unter anderem zwischen April 2002 und Februar 2005 seine damalige Freundin dazu gebracht haben, ihm unterschiedlich hohe Bargeldbeträge zu übergeben. Gesamtsumme: rund 67 000 Franken. Im November 2002 nahm sie für ihn gar einen Kredit von 20 000 Franken auf. Laut der Anklageschrift hatte die Frau ihm das Geld nur übergeben, weil sie davon ausging, es wieder zurückzuerhalten. Zudem glaubte sie, damit ihren Freund, mit dem sie eine gemeinsame Zukunft plante, zu unterstützen. Er hingegen soll von Anfang an nie die Absicht gehabt haben, jemals Rückzahlungen zu leisten und verbrauchte das Geld für seinen luxuriösen Lebenswandel oder seine Karriereförderung – im Showbusiness. Ein weiterer Betrugsvorwurf betrifft eine vermeintliche Geschäftsbeziehung. Im August 2002 soll Silvain C. eine Frau überzeugt haben, ihre damalige Stelle aufzugeben und für seine Firma zu arbeiten. Dabei habe er ihr einen Lohn von monatlich mindestens 6000 Franken in Aussicht gestellt. Schliesslich arbeitete sie drei Monate für ihn und erhielt ausser einer Zahlung von 1500 Franken keinen Lohn.

Im Fall der Veruntreuung wird Silvain C. vorgeworfen, im Juni 2004 einen geleasten Porsche Carrera für 40 000 Franken verkauft und das Geld für eigene Zwecke verwendet zu haben. Er veranlasste eine Frau, den Porsche zu leasen, nahm ihn entgegen, unterzeichnete das Wagenübergabeprotokoll und verkaufte ihn anschliessend. Im Zusammenhang mit dieser Geschichte steht auch der Vorwurf der Urkundenfälschung im Raum. Der gebürtige Franzose soll nämlich die Unterschrift der Frau gefälscht haben, weil er aufgrund seiner mangelnden Bonität nicht als Leasingnehmer akzeptiert worden wäre.

Verteidigerin will Freisprüche

Soweit die Vorwürfe. Viel dazusagen wollte der Beschuldigte nicht. Betreffend der Frau, die für ihn gar einen Kredit aufgenommen haben soll, meinte er nur: «Ich mache dazu keine Angaben, die Vorwürfe sind falsch, das ist alles.» Die genau gleichen Worte benutzte er beim Vorwurf der Veruntreuung und Urkundenfälschung. Lediglich über die angebliche Geschäftsbeziehung äusserte er sich: «Ich hatte sie lediglich zu einem Gespräch eingeladen und ihr gezeigt, was wir genau machen, das wars.» Dass sie für ihn gearbeitet haben soll, sei erfunden. «Bei der Konfrontation konnte sie keine Angestellten meiner Firma nennen und wusste nicht einmal, dass ich Büros in Basel hatte.»

Stephanie Selig, die amtliche Verteidigerin von Silvain C., forderte in allen Punkten einen Freispruch. Im Zusammenhang mit dem Betrugsvorwurf zitierte sie Aussagen der betroffenen Frau: «Er hoffte, immer darauf alles Geld zurückzuerstatten.» Oder: «Ich habe keinen Druck empfunden, ihm dieses Geld zu geben.» Silvain C. habe also nie jemanden getäuscht, so Selig. Im Fall der angeblichen Geschäftsbeziehung meinte die amtliche Verteidigerin, dass die Frau nicht einmal einen Arbeitsvertrag vorweisen konnte. «Als man sie zudem fragte, wie ihr Arbeitsalltag aussah, meinte sie nur, das sei schwer zu beschreiben.» Das Urteil wird heute Freitag erwartet.

*Name von der Redaktion geändert

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