Der Solothurner Bildungs- und Kulturdirektor Remo Ankli sprach an der Vernissage vor wenigen Tagen von einem erfolgreichen Abschluss.

Er erinnerte daran, dass es zunächst um die Umsetzung der Unesco-Konvention zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes gegangen sei. Die Schweiz hat diese 2004 ratifiziert. Aufgabe der Projektverantwortlichen war es, eine Liste mit lebendigen Traditionen in den beiden Kantonen zu erstellen und eine Auswahl davon für die Aufnahme in die entsprechende schweizerische Liste nach Bern weiterzuleiten.

Verantwortlich war ein Dreierteam, dem seitens der Kantone André Schluchter und Hans Joerg Zumsteg sowie als Projektleiterin die Kulturwissenschafterin und Ethnologin Karin Janz angehörten.

Bikantonal Synergien genutzt

«Unter grosser Beteiligung der Bevölkerung», stellte Ankli fest, hätten die Projektverantwortlichen der beiden Kantone gesammelt, was heute zu den lebendigen Traditionen gezählt werde. Dabei seien sie auf einen unerwartet grossen Reichtum des immateriellen Kulturerbes gestossen. Aus dem Listenprojekt seien schliesslich auch eine Fotoausstellung und ein Buch entstanden.

Das gemeinsame Vorgehen der beiden Kantone, so Ankli weiter, habe es ermöglicht, «bei knappen personellen Ressourcen wertvolle Synergien zu schaffen». «Im Alleingang hätten wir – die Solothurner jedenfalls – heute kein Buch über die lebendigen Traditionen präsentieren können.»

Das Departement für Bildung des Kantons Aargau hatte dem Projekt seine Infrastruktur zur Verfügung gestellt. Für die «unkomplizierte und unbürokratische Zusammenarbeit» sprach Ankli dem Nachbarkanton seinen Dank aus. «Bei einem der Feldgänge von Karin Janz bin ich am Rande auch noch dabei gewesen», verriet Ankli: «An der Bastiansfeier Olten.»

Diesen Faden nahm Hans Joerg Zumsteg auf, als er sagte: «Sie fragen sich vielleicht, was die eleganten Beine von Herren, die auf Tischen mit weissen Tischtüchern stehen, mit lebendigen Traditionen zu tun haben sollen.»

Diese Fotografie von Philipp Künzli, der zusammen mit Oliver Lang die Bilder für die Ausstellung und für die Buchpublikation «Säen, dröhnen, feiern» schoss, ziert den Deckel des Buchs. «Das ist weit mehr als eine nur grafisch starke Fotografie», sagte Zumsteg, «es ist ein Blick mitten in die Oltner Bastiansfeier.»

Für Zumsteg war das Projekt von Anfang an ein Erfolgsmodell. Karin Janz konnte nämlich innert kurzer Zeit rund 1000 Eingaben aus den beiden Kantonen sammeln. «Ein Erfolgsprojekt wurde es nicht zuletzt deshalb», zeigte sich Zumsteg überzeugt, «weil uns die Kulturverantwortlichen der beiden Kantone von Anfang an das volle Vertrauen schenkten und uns aus dem Swisslos-Fonds der beiden Kantone auch die notwendigen Mittel zur Verfügung stellen konnten.» Zudem habe Karin Janz von Anfang an den richtigen Ton und die richtigen Instrumente gefunden, um die Öffentlichkeit für die Thematik zu sensibilisieren.

Mehr machen, nämlich ein Buch

Und Zumsteg verriet: «Uns als Dreierteam war sehr schnell klar, dass wir etwas mehr machen wollten als die Eingabe ans Bundesamt für Kultur, die wir in einer erweiterten Projektgruppe erarbeiten: Und zwar sollte es ein Buch werden, «das in Text und Bild eine Auswahl an Traditionen beider Kantone erleben lässt. Das Erleben war das Zentrale – und nicht unbedingt das Dokumentarische.» Verfasserin des nun vorliegenden Buchs ist Projektleiterin Karin Janz.

Laut ihr sind die Texte entstanden durch Literatur- und Zeitungsrecherchen sowie Beobachtungen vor Ort und vor allem auch durch Gespräche mit Praktizierenden. «Ich war viel unterwegs», so die Autorin. «Die Traditionen, die im Buch einen Beitrag erhielten, sollten möglichst einzigartig für einen bestimmten Ort oder eine Region sein.» Entstanden sind so 17 Porträts (vgl. Kontext unten), illustriert mit rund 200 Fotos, alle im Verlauf der letzten zwei Jahre aufgenommen.

Einladung an die Bastiansfeier

Einer der Feldgänge führte Janz an die Bastiansfeier 2013. Heinz Eng, Präsident der Oltner Stadtschützen, lud sie als Gast an die traditionelle Feier ein. «Der Austausch mit solchen Schlüsselpersonen wie Eng, diesen ‹Türöffnern› war für dieses Buch enorm wichtig», stellte Janz fest.

Das Buch zeigt Traditionen, wie sie heute gelebt werden, auch wenn sie vielleicht schon alt sind. «Man könnte einen zweiten und dritten Band schreiben – allenfalls in ein paar Jahrzehnten. Bis dann werden vielleicht einige der hier porträtierten Traditionen nicht mehr gelebt, dafür sind andere entstanden und geeignet für ein Porträt.» So dynamisch sei das immaterielle Kulturerbe.