Der norwegische Nationaldichter Henrik Ibsen (1828-1906) schrieb «Peer Gynt» 1867. Die Uraufführung fand erst 1876 im Christiana-Theater in Christiana (heute Oslo) zusammen mit der Musik von Edvard Grieg, der «Peer Gynt»-Suite statt. Das Stück und die Musik gehören heute zum Standard-Programm aller Schauspiel- und Musiktheaterhäuser.

Der Stoff von Peer Gynt lehnt sich motivgeschichtlich an norwegische Volks-und Feenmärchen an. Ibsen verarbeitete darin unter anderem eigene Kindheitserlebnisse – besonders seine Beziehung zu seiner Mutter – und verwob gleichzeitig gesellschaftliche Erscheinungen des 19. Jahrhunderts wie Kapitalismus oder Imperialismus kritisch.

Peer Gynt ist getrieben von Gier nach Macht, nach Frauen und Reichtum. Er verlässt seine grosse Liebe Solveig in der Heimat und stolpert wie Simplizissimus von einem Abenteuer ins nächste, von einem Land ins andere. Der norwegische Bauernbub wird Reeder und Waffenhändler, versucht sich als Playboy und landet schliesslich im Irrenhaus. Die Szenen wechseln zwischen Bewusstem und Unbewusstem, Realismus und Surrealismus, und spiegeln so drastisch den unsteten Lebenswandel des Titelhelden.

Kein Kern, bloss Zwiebelschalen

Und immer ist Peer Gynt auf der Suche nach seinem Selbst um am Ende seines Lebens zu erkennen: Da ist kein Herz. Beim Schälen einer Zwiebel, die er mit seinem Dasein vergleicht, erkennt er: «Das sind aber furchtbar viele Schichten. Jetzt muss ich doch bald ans Herz kommen. Nein, da ist keins. Nur immer neue Schalen. Die Natur ist schon witzig.» Er reflektiert keine seiner Handlungen, lernt nichts daraus, sondern hinterlässt gebrochene Herzen und verbitterte Freunde.

Regisseurin Katharina Rupp kann in diesem Stück aus dem Vollen schöpfen. Mit Aaron Hitz, dem ehemaligen Tobs-Ensemblemitglied, heute als Freischaffender unterwegs, konnte sie einen kraftstrotzenden und sinnlichen Peer einsetzen. Hitz trägt das fast dreistündige Stück durch alle Episoden, ist der Unschuldige, der Bauernlümmel, der Snob, der Alte. Immer in Bewegung, er tanzt und torkelt. 

Zum ersten Mal sieht man Antonia Scharl. Sie spielt Solveig, die verschmähte Liebe von Peer Gynt. Auch sie muss ein ganzes Leben darstellen, zudem noch singen, was sie herzzerreissend schafft. Weiter sind Barbara Grimm (Mutter Aase) und Atina Tabé (in drei unterschiedlichen Rollen) lustvoll zu erleben. Das ebenfalls neue Ensemblemitglied Liliom Lewald schafft sogar sieben Rollen.

Die aussergewöhnliche Ensemble-Leistung ergänzen die Gäste Daniel Hajdu, Anjo Czernich, Alvise Lindenberger und die Statisten des Tobs. Dieser Peer Gynt ist ein Augenschmaus, der jung und aktuell geblieben ist.

Weitere Aufführungen in Solothurn: 29. 9., 2. 10., 15. 10., 14. 11., 16. 11. Premiere in Biel: 19. 9. Jeweils um 19.30 Uhr.