Die Stimmbürger haben entschieden: Das Bürgerspital kann neu gebaut werden. Doch bevor es dazu kommt, müssen die alten Gebäude, insbesondere das Bettenhochhaus, abgebrochen werden. Allein für die Rückbauten sind in der Spitalvorlage Kosten von 8,7 Mio. Fr. veranschlagt. Subjektiv gesehen werden in der Schweiz wenig alte Gebäude abgerissen. Dafür, so hat man den Eindruck, wird eifrig auf der grünen Wiese gebaut, was auch zu politischen Reaktionen führt (z. B. Landschafts-Initiative).

Objektiv werden im Kanton Solothurn laut Zahlen der Gebäudeversicherung jährlich 0,05 Prozent der Wohngebäude rückgebaut. Das ist eines unter zweitausend Gebäuden. Im Gewerbe- und Industriebereich ist die Rückbaurate mit 0,15 Prozent immerhin dreimal höher.

Man erinnert sich an die Migros Aare, die den beträchtlichen Aufwand für den Abriss des Ladendorf-Hochhauses nicht scheute. Was der vier Monate dauernde Rückbau des 38 Meter-Hauses gekostet hat, will Ladendorf-Chef Stephan Bielser aber nicht sagen.

Abbruchkosten nicht das Problem

Ist der erhebliche Aufwand, der heute bei Abbruch und Recycling betrieben wird (vgl. Kasten), verantwortlich dafür, dass insgesamt wenig Gebäude abgerissen werden? - «Dem ist nicht so», sagt Bruno Fuchs, Präsident des kantonalen Baumeisterverbandes.

Ob in einem Gebiet mehr abgebrochen wird oder nicht, hänge von anderen Faktoren ab. «Ob das jetzt wenig Rückbauten sind oder nicht, ist zudem eine Auffassungssache», meint Fuchs. Schliesslich werde in der Schweiz auch in höherer Qualität und dauerhafter gebaut als anderswo.

Laut Fuchs ist vor allem der Bodenpreis ein wichtiger Faktor. «In Gegenden mit hohen Preisen wie z. B. im Kanton Zug, wird eher abgebrochen.» Indirekt heisst dies aber auch: weil die Bodenpreise hier vergleichsweise tief sind, fallen die Abbruchkosten im Rahmen des Gesamtprojekts stärker ins Gewicht. Doch auch der hoch erscheinende Abbruchpreis des Bürgerspitals macht insgesamt nur 2,6 Prozent der Bausumme aus.

Strengere Bauvorschriften

Laut Fuchs sind auch noch weitere Faktoren massgebend, ob ein Abbruch «rentiert» oder nicht. Dazu gehört die Bausubstanz des Gebäudes und die in der Zone geltenden Bauvorschriften. Oft lässt man lieber das alte Haus stehen, weil sich nach neuen Vorschriften weniger Kubatur realisieren lässt. Vor allem bei öffentlichen Bauten wird ein Abriss bisweilen diskutiert.Drei Beispiele.

Schulhaus III Selzach

Ernsthaft geprüft und durchgerechnet wurde der Abriss des Schulhauses III in Selzach aus den 70er-Jahren. «Wir haben 17 Varianten studiert. Ein Abriss war für uns eine ernsthafte Option», erklärt Gemeindepräsident Viktor Stüdeli. Genauere Abklärungen hätten aber gezeigt, dass auch ein Teilabbruch (Rückbau auf Rohbau-Level) zielführend sei, bei günstigeren Kosten als ein Totalneubau. Dieser Sanierungsumbau kostet jetzt 5,5 Mio. Fr. Die bisherige Turnhalle wird umgenutzt.

Eichholzschulhaus Grenchen

14,6 Mio. Fr. kost et die Sanierung (1. Etappe) des Schulhauses Eichholz in Grenchen. Laut Bauverwalter Claude Barbey war auch hier der Abriss ein Thema. Berechnungen hätten aber gezeigt, dass ein kompletter Neubau 16-20 Mio. Fr. gekostet hätte, inklusive direkte Abrisskosten von schätzungsweise einer Million.

Die Funktionalität des Schulhauses aus dem Jahr 1960 sei gut und die Architektur relativ hochstehend. «Allein wegen der Architektur hätten wir das Schulhaus aber nicht erhalten», betont Barbey. Anders gelagert sei die Situation im Osttrakt, der zu einem späteren Zeitpunkt saniert wird. Er wurde 1973 in Elementbauweise (wie das Bürgerspital) errichtet und ist bezüglich Grundrisse starr. Hier sei je nach Schulraumplanung ein Abriss erforderlich, meint Barbey.

Stadthaus Olten

13,5 Mio. Fr. steckt Olten ab 2013 in die Sanierung ihres Stadthauses aus dem Jahr 1966. «Es gab einmal einen politischen Vorstoss für einen Neubau», bestätigt der Oltner Verwaltungschef Adrian Balz. Dieser sei aber deutlich abgelehnt worden.

Das Hochhaus der Stadtverwaltung sei ein weitherum akzeptierter architektonischer Zeitzeuge. Ein Neubau am selben Ort würde etwa drei Mal teurer kommen, schätzt Balz. Ins Gewicht fallen würde vor allem die Kosten für eine Verlagerung der Verwaltung für drei bis vier Jahre.