«Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich werde mich weiterhin um einen neuen Arbeitsplatz bemühen.» Zivko Nenic sitzt am Esstisch in seiner Wohnung in Biberist und erzählt ruhig und konzentriert über seine Arbeitslosigkeit, wie es dazu kam – und vor allem darüber, wie er alles daran setzt, wieder in den Arbeitsprozess integriert zu werden. Selbst nach 16-monatiger erfolgloser Jobsuche ist sein Wille spürbar, wieder eine Arbeit zu finden.

Menschen hinter anonymen Zahlen

Wenn allmonatlich die statistischen Ämter landauf, landab die Zahlen der offiziell als arbeitslos registrierten Menschen publizieren, wird das eher gelassen zur Kenntnis genommen. Kein Wunder, schneidet doch der Arbeitsmarkt in der Schweiz – insbesondere im Vergleich zu anderen europäischen Ländern – hervorragend ab. Dort liegen die Arbeitslosenquoten teilweise weit über 10 Prozent. Im Kanton Solothurn beispielsweise waren Ende Juni 2,5 Prozent der Erwerbspersonen oder 3651 Männern und Frauen ohne Arbeit. Und trotzdem. Hinter dieser anonymen Zahl stecken genau so viele betroffene Einzelpersonen. Einer davon ist eben Zivko Nenic.

Der 59-Jährige ist 1980 aus dem damaligen Jugoslawien in die Schweiz eingewandert. «Bis 1996 war ich im Gastgewerbe tätig», blickt Nenic zurück. Er habe in seiner Heimat zwar eine Ausbildung als Maschinentechniker absolviert, aber die sprachlichen Hürden für eine Tätigkeit auf seinem Beruf seien zu hoch gewesen. Eigentlich wollte Zivko Nenic nach einigen Jahren wieder in seine Heimat zurückkehren, aber der inzwischen ausgebrochene Krieg habe dies verunmöglicht.

1996 fand er einen ihm mehr entsprechenden Arbeitsplatz in der Industrie, und zwar bei der «Papieri» in Biberist. Als Staplerfahrer, Lagerist und teilweise Maschinist war er unter anderem mit dem internen Transport der Papierrollen beschäftigt. «Dort wäre ich heute immer noch, wenn die Sappi-Fabrik nicht im Herbst 2011 geschlossen worden wäre.» Seit März 2012 ist Nenic offiziell beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum RAV als arbeitslos registriert. Da er nun länger als ein Jahr ohne Arbeit ist, gilt Nenic als langzeitarbeitslos. Dasselbe Schicksal teilen im Kanton Solothurn laut Angaben des Amtes für Wirtschaft und Arbeit aktuell 485 weitere Personen mit ihm. Das sind 13,3 Prozent aller registrierten Arbeitslosen.

Über 150 Bewerbungen

Inzwischen hat er sich nach eigenen Angaben über 150 Mal um einen Arbeitsplatz beworben. Per Mail, per Post und persönlich. «Ich dachte, es sei vielversprechender, wenn ich mich bei den Unternehmen direkt in der Personalabteilung melde, um zu sagen, was ich kann und was ich will.» Er absolvierte einen Bewerbungskurs beim RAV und schickte sein Personaldossier an rund zehn Stellenvermittlungsbüros. Bis jetzt erfolglos.

Erfahrung und Zuverlässigkeit

In den meisten Fällen habe er eine Absage erhalten, ohne die Möglichkeit, sich vorstellen zu können. «Es tut uns leid, leider ist im Moment keine entsprechende Stelle offen», zitiert er aus Briefen. Die genauen Gründe seien ihm nie direkt vermittelt worden, aber er vermutet sein Alter als Hauptgrund für die Absagen. «Mein Alter ist mein Handicap», folgert Zivko Nenic. Dabei verfüge er doch über eine grosse Berufserfahrung.

Ein weiteres Plus sei sicher seine Zuverlässigkeit. «In den 17 Jahren im Vierschichtbetrieb in der Sappi-Papierfabrik bin ich keine einzige Minute ausgefallen», sagt der gestandene Berufsmann stolz. Bei den stattgefundenen Bewerbungsgesprächen sei seine Herkunft respektive sein Name nie ein Thema gewesen. «Das war nie ein Problem», betont der Vater von zwei erwachsenen Kindern. Nenic – er wohnt mit seiner Ehefrau in Biberist – und seine Familie besitzen seit dem Jahr 2000 das Schweizer Bürgerrecht.

«Ich will arbeiten»

Entmutigen von der langen erfolglosen Suche nach einem neuen Arbeitsplatz lässt sich Zivko Nenic aber nicht. Sein grösster Wunsch ist es, möglichst rasch eine Stelle zu finden. «Ich bin arbeitsfähig und ich will arbeiten; ob als Staplerfahrer, Lagerist oder als Maschinist, ob zwei-, drei- oder vierschichtig.» Nach einer allfälligen Aussteuerung im kommenden Frühling will er auf keinen Fall von der Sozialhilfe abhängig sein. «Deshalb kämpfe ich weiter für einen neuen Job.»