In die Super League – die höchste Schweizer Fussball-Liga – ist Stefan Wolf hineingerutscht. Er trainierte damals mit dem Nachwuchs vom FC Luzern; aufgrund mehrerer Verletzter musste er in der ersten Mannschaft aushelfen. Plötzlich im grossen Stadion, vor mehreren Tausend Zuschauern. «Scheiss dir nicht in die Hosen – du spielst jetzt den ganzen Match», habe ihm sein Trainer vor dem Anpfiff gesagt. «Zuvor hatte der gar keine Ahnung, wer ich überhaupt bin», erinnert sich Wolf. Damals war er 19.

Heute ist Wolf 48 und lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Oensingen. 16 Jahre lang war er Profi-Fussballer. FC Luzern, Servette, Sion, St Gallen. Und schliesslich auch die Schweizer Nati. Das waren seine Stationen. Dabei hatte er gar nie das Ziel, in der Super League zu spielen. Als Junior spielte er noch in der Region – beim FC Langenthal, der damals 2.-Ligist war. Und noch zuvor war er beim FC Altbüron – «ein kleines Dorf im Luzerner Hinterland», so Wolf. «Ich wollte einfach ‹schutte›», sagt Wolf achselzuckend. Auch auf dem Pausenplatz oder auf frisch gemähten Feldern von Landwirten. Von einem Tag auf den anderen wurde der Fussball dann plötzlich zum Beruf des gelernten Kaufmanns.

Von der 2. Liga in die Super League

Als Junior habe er viele Tore geschossen, sei aufgefallen. So schaffte er den Sprung von Altbüron nach Langenthal und schliesslich zum Nachwuchs des FC Luzern. Von der 2. Liga in die Super League – das sei heute nicht mehr denkbar. Schon mit 12 oder 13 werden Jugendliche heutzutage sortiert, trainieren beim Club mehrmals die Woche, werden vorbereitet – und dann schaffen den Sprung in die Profikarriere nur wenige.

Sein Sohn spielt beim FC Kestenholz. «Er ist sicher so talentiert wie ich damals war – aber er hätte im heutigen Markt nie die gleichen Chancen», so der zweifache Vater. «Das lief damals anders, es gab weniger Konkurrenz und ich hatte auch etwas Glück. So konnte ich dann das Hobby zum Beruf machen.» Tore schoss Wolf aber nicht mehr; er spielte in der Super League zuerst im Mittelfeld und dann als Innenverteidiger.

Als Highlight beschreibt der Ex-Profi etwa den ersten Match für die Schweizer Nati. Im alten Wembley-Stadion in England. Er schwärmt vom «Chribble» vor dem Anpfiff, von der Euphorie auf dem Platz. «Diese Emotionen gibt es sonst nirgends – die werde ich auch mit 70 noch vermissen.» 2006 musste Wolf die Karriere aufgrund einer Knieverletzung beenden.

Verwaltungsrat: Fussball von einer anderen Seite

Ein grosser Teil von Wolfs Leben dreht sich aber auch heute noch um den Sport. Auf dem Platz steht er zwar nicht mehr regelmässig. Seine Verletzung plagt ihn heute noch. Ab und zu kann er dafür mit den «Suisse Legends» – eine Mannschaft aus ehemaligen Nati-Spieler, die an speziellen Anlässen noch spielt, mitmachen. Einmal in der Woche mit Freunden zum Plausch spielen geht aber nicht mehr.

Dafür erlebe er Fussball von einer ganz anderen Seite. Seit 2017 ist Wolf Verwaltungsrat beim FC St. Gallen; seinen Posten trat er gleichzeitig mit Präsident Matthias Hüppi und Sportchef Alain Sutter zusammen an. «Das ist intensiv», so Wolf. Einerseits gibt es regelmässige Sitzungen, Wolf ist mit dem Ressort «Sport» unter anderem für die Kaderplanung zuständig. Andererseits erlebt Wolf, um den es nach der Karriere deutlich ruhiger wurde, wieder mehr Medienrummel.

Wolf brennt für den Verein, jedes Heimspiel besucht er. Ebenso verfolgt er die Spiele des FC Luzern und der Nati. Auch wenn Fussball heute unnahbarer und schnellebiger sei als früher. Auch wenn die Super League heute häufig das «Sprungbrett» für Ligen in England oder Deutschland sei: «Am Schluss geht es immer noch ums Spiel.»

Freude am Solothurner Märet 

So hat Wolf auch die Stiftung «Next Sport Generation» mit aufgebaut, die den Zweck hat, den Sport bei Kindern und Jugendlichen zu fördern. Er organisiert etwa regelmässig – so auch in Deitingen – Plauschfussballturniere für Kinder. Dann hat Wolf noch ganz andere Jobs: Mit seiner Frau führt er eine Webagentur und er präsidiert die Krankenkasse Luzerner Hinterland. «Das ist ein interessanter Ausgleich zu all dem Sport», sagt er.

Den findet er dann auch in der Region. Etwa am wöchentlichen Märetbesuch in der Solothurner Altstadt. Hier gefällt es Wolf. Auf der Strasse erkannt wird der 1,90 Meter grosse Ex-Fussballer übrigens nicht. In der Ostschweiz sei das noch eher der Fall. Hier in der Region würden die meisten Leute seinen Namen aber irgendwie noch mit dem FC Luzern in Verbindung bringen.
Wolf wirkt zufrieden.

Frust nach der Karriere ist keiner spürbar. Achselzuckend sagt er: «Ich war eh schon 34, als ich die Verletzung erlitt, lange hätte ich nicht mehr gespielt.» Schade sei damals nur gewesen, dass er auf dem Spielfeld gewusst habe, dass er jetzt seinen letzten Match hat. So konnte er nicht richtig verabschiedet werden. Das hat der FC Luzern für ihn nachgeholt – die Mannschaft kam für Wolf auf den Platz nach Altbüron, wo sein Abschiedsspiel stattfand. So beendete der Profi seine Karriere dort, wo er mit dem Fussball angefangen hat: Auf dem Platz eines 3.-Ligisten im Luzerner Hinterland.