Ihr Trick war simpel und unauffällig: Aleksandra T.* scannte die Artikel auf dem Förderband ganz normal ein und nahm den entsprechenden Betrag von den Kunden entgegen. Nachdem die Kassiererin aber jeweils das Retourgeld ausgehändigt hatte, betätigte sie die Stornotaste – die verkaufte Ware wurde so im Kassensystem nicht registriert. Niemandem fiel so auf, dass T. Teile des einkassierten Geldes in die eigene Tasche fliessen liess – auch nicht den Kunden, weil trotz dem Abbruch ein Kassenzettel gedruckt wurde.

Aufgeflogen ist die ganze Geschichte erst Jahre später durch reinen Zufall: Einer Angestellten der Migros Gerlafingen fiel nach dem Einkaufen in Biberist auf, dass auf ihrem Kassenzettel «Transaktion unterbrochen» vermerkt war. Weil sie Verdacht schöpfte, orientierte sie umgehend die Geschäftsleitung. Nun ging die Migros über die Bücher und zog die verantwortliche Kassiererin zur Rechenschaft. Dabei handelte es sich indes nicht um T., sondern deren Schwägerin, die in der Folge im März 2010 verhaftet wurde. Sie legte ein umfassendes Geständnis ab.

Unter einer Decke?

Die Untersuchungen förderten jedoch auch bei Aleksandra T. Unregelmässigkeiten zutage. Auch sie wies im Zeitraum zwischen Februar und April 2008 aussergewöhnlich viele solche unterbrochenen Transaktionen auf: Von 151 registrierten gingen 79 auf T.s Konto und 67 auf das der Schwägerin. Alle anderen Mitarbeiterinnen wiesen höchstens zwei auf. So kam es, dass die 29-Jährige, die das Arbeitsverhältnis schon länger gekündet hatte, doch noch zur Rede gestellt wurde. Rund 2700 Franken soll die Schweizerin der Migros vorenthalten haben.

Die Staatsanwaltschaft auferlegte T. deswegen eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 30 Franken (600 Franken) und eine Busse von 600 Franken wegen mehrfacher Veruntreuung und mehrfacher Urkundenfälschung. Anders als ihre Schwägerin stritt die 29-Jährige die Vorwürfe indes ab und erhob Einsprache. «Ich habe kein Geld genommen», beteuerte die Mutter zweier Kinder an der gestrigen Verhandlung vor dem Amtsgerichtspräsidenten von Bucheggberg-Wasseramt. Mit ihrer Schwägerin habe sie nichts zu tun. Zudem habe sie nicht nur an der Kasse, sondern auch an den Regalen gearbeitet.

Die Unterbruchtaste habe sie jeweils betätigt, wenn eine Kollegin sie an der Kasse abgelöst oder wenn jemand das Portemonnaie vergessen hatte. «Ich habe nur gemacht, was von mir verlangt wurde.» «Solche Transaktionen sind nichts Aussergewöhnliches», betonte auch ihr Verteidiger. Für ihn stellen diese alleine kein geeignetes Beweismittel dar: «Selbst eine höhere Anzahl lässt nicht automatisch auf eine Strafbarkeit schliessen.» Zudem bemängelte er das Vorgehen der Migros: «Das Verhalten hätte zu einer kritischen Intervention führen müssen», wenn es auffällig gewesen sein soll. Täglich seien die Kassen überprüft und eine Stornoübersicht ausgedruckt worden – Anlass zu Zweifeln hätten sie offensichtlich aber nie gegeben. Er forderte für seine Klientin einen Freispruch.

«Absolut unglaubwürdig»

Den Richter vermochte diese Argumentation indes nicht zu überzeugen. «Wir alle gehen regelmässig einkaufen», meinte Stefan Altermatt. Er habe es aber noch nie erlebt, dass eine Transaktion wegen eines Wechsels der Kassiererin abgebrochen wurde. Dass so viele Kunden kein Geld dabeigehabt haben sollen, bezeichnete er als «absolut unglaubwürdig». Etwas stichhaltiger sei das Argument der Nichtintervention der Migros, aber auch diese gebe nicht zu grossen Zweifeln Anlass.

Anders als die Staatsanwaltschaft qualifizierte das Gericht T.s Handeln indes als mehrfachen Diebstahl. Das Geld der Kunden sei der Kassiererin nicht anvertraut gewesen. Der mehrfachen Urkundenfälschung wurde die 29-Jährige jedoch schuldig gesprochen. Durch ihr Verhalten habe sie der Buchhaltung vermittelt, dass kein Geld geflossen sei. Die Strafe lautet auf eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 50 Franken (1000 Franken), zudem muss T. die Verfahrenskosten tragen. Die Gefahr, dass die unter Bewährungsprobe stehende T. rückfällig wird, dürfte relativ gering sein: Die 29-Jährige arbeitet inzwischen als Allrounderin im Betrieb ihres Ehemannes.

* Name von der Redaktion geändert