Lichtquellen
Effizientere Strassenbeleuchtung: So halten es die Solothurner Gemeinden

Auch Solothurner Gemeinden müssen auf effiziente Lichtquellen umstellen, so will es das Gesetz. Wie wird das umgesetzt? Das Beispiel anhand von vier Gemeinden.

Noëlle Karpf
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Dimmer, Bewegungssensor oder Mitternachtserkenner. Das alles ist mit LED-Strassenleuchten möglich.

Dimmer, Bewegungssensor oder Mitternachtserkenner. Das alles ist mit LED-Strassenleuchten möglich.

Patrik Züst

Bald soll Schluss sein mit Quecksilberdampflampen. Das hat die EU-Kommission vor zwei Jahren beschlossen. Seit 2015 dürfen solche Leuchten, die häufig in Strassenlaternen installiert werden, in Europa weder importiert noch produziert werden. Die Schweizer Energieverordnung hat diesen Beschluss übernommen. Das heisst: Auch Solothurner Gemeinden müssen auf effizientere Strassenbeleuchtung umstellen. Doch machen sie das auch?

Das will die Website von «topstreetlight» zeigen. Schweizer Gemeinden können dort angeben, wie viele Kilowattstunden (kWh) Strom ihre Beleuchtung pro Kilometer Strasse frisst. Rund 20 Solothurner Gemeinden sind auf dieser Rangliste vertreten.

Gemeinden mit bis zu 30 000 Einwohnern fallen in die Kategorie «mittlere Gemeinden». Wer weniger als 12 kWh Strom für die Strassenbeleuchtung verbraucht, kommt in der Bewertung gut weg. So die Stadt Solothurn. Laut Daniel Odermatt, Leiter Netze Strom der Regio Energie Solothurn, die für die öffentliche Beleuchtung in der Stadt zuständig ist, werden 9.8 kWh Strom verbraucht. 2008 habe man die ersten Versuche mit LED unternommen. «Heute ist die LED-Leuchte Standard», sagt Odermatt.

Anders in der Stadt Olten, für deren Beleuchtung die Aare Energie Olten AG (aen) zuständig ist. Laut Beat Erne, Kommunikationsleiter der aen, sind derzeit über 800 von insgesamt 4000 Leuchten Quecksilberdampflampen. Rund 700 sind LED-Leuchten. Olten steht hinter Grenchen und Solothurn auf der Rangliste der «mittleren Gemeinden». Obwohl Import und Produktion von Quecksilberdampflampen seit 2015 verboten sind, gibt es noch weitere Gemeinden im Kanton, die damit nach wie vor ihre Strassen beleuchten.

Ziel: Komplette Umstellung

Auch in Balsthal sind noch rund 30 «verbotene» Leuchten im Einsatz. Laut Beat Erne von der aen, die ebenfalls für die öffentliche Beleuchtung in Balsthal zuständig ist, werden diese bis 2018 ersetzt. Zudem sind in der Thaler Gemeinde weit mehr effiziente Leuchten im Einsatz: Über 300 sind LED- und rund 500 Natriumdampfleuchten. So ist Balsthal in der Kategorie «kleine Gemeinden» mit bis zu 10 000 Einwohnern Spitzenreiter auf der Rangliste. Auf Anfrage heisst es bei der Baudirektion, das Ziel sei die komplette Umstellung auf LED.

 Die Umstellung auf LED-Lampen hat in Egerkingen bereits stattgefunden.

Die Umstellung auf LED-Lampen hat in Egerkingen bereits stattgefunden.

Remo Fröhlicher

Aber: «Es ist nicht sehr sinnvoll, Leuchtmittel zu ersetzen, wenn deren Lebensdauer noch nicht erreicht ist», weiss Peter Baumann von der Zuchwiler Baudirektion. Die Gemeinde im Wasseramt schneidet in der Kategorie «kleine Gemeinden» am schlechtesten ab. Es mache mehr Sinn zu wechseln, wenn Leuchten sowieso ersetzt werden müssen, so Baumann weiter.

Sonst habe man «graue, verschwendete Energie». «Wir rüsten laufend auf LED um, wenn Leuchten ersetzt werden müssen oder neue Quartiere entstehen», bestätigt Pia Daumüller, Kommunikationsleiterin der AEK onyx AG, die in Zuchwil die Strassen beleuchtet. Zudem verwende man schon seit 15 Jahren keine Quecksilberdampflampen mehr, so Daumüller. Das gilt für die rund 20 von der AEK direkt versorgten Gemeinden. Die vier befragten Solothurner Gemeinden sparen nicht nur mit einzelnen LED-Leuchten Strom, sondern auch mit Dimm- und Sensorfunktionen.

Verlgleich der Leuchtmittel: Quecksilberdampf, Natriumdampf und LED

Quecksilberdampflampen dürfen seit 2015 in Europa weder importiert noch produziert werden. Diese Lampen brauchen im Vergleich zu heutigen Technologien viel Strom, um wenig Licht zu produzieren.
Lebensdauer: Rund 6000 Stunden
Lichtfarbe: Weiss fad
Leistung: 25 lm/Watt (zum Vergleich die Glühbirne: 10 Lumen pro Watt)

Natriumdampfleuchten sind ineffizienter als LED-Leuchten und produzieren mehr «Streulicht»: Sie können das Licht weniger gut zu einem Lichtstrahl bündeln und verschwenden so Licht.
Lebensdauer: Rund 20 000 Stunden
Preis pro Leuchte: Circa
500 – 1000 Franken
Lichtfarbe: Gelb
Leistung: 75 lm/Watt

LED-Leuchten gelten heute als effizienteste Lichtquelle. Moderne LED-Leuchten haben zudem eine «Dimmfunktion», teilweise mit Automatik. So produzieren sie zu bestimmten Uhrzeiten weniger Licht, oder schalten sich per Sensor ein, wenn ein Fussgänger vorbei kommt.
Lebensdauer: Rund 50 000 Stunden
Preis pro Leuchte:Circa
500 bis 1000 Franken
Lichtfarbe: Weiss brillant
Leistung: 100 lm/Watt (NKA)

So erkennen Strassenlaternen in der Stadt Solothurn Personen und Fahrzeuge und dimmen oder schalten ab, wenn niemand auf der Strasse ist. Die Leuchten in Balsthal und Olten werden nachts ebenfalls gedimmt: In Olten haben sie einen Mitternachtserkenner und dimmen selbstständig. In Balsthal wird das Licht zwischen 23 und 6 Uhr auf 60 Prozent reduziert. Die Baudirektion diskutierte auch schon, ganz abzuschalten. Aufgrund der «gefühlten Sicherheit» sei diese Idee aber wieder verworfen worden.

Auch in den von der AEK versorgten Gemeinden gibt es «schlaue» Leuchten, die dimmen oder nachts abschalten. Wobei einige während den Wochenenden weiter leuchten.

Alte Lampen bis 2017 verkauft

In den meisten Solothurner Gemeinden sind aber weiterhin Quecksilberdampfleuchten am Werk. Trotz dem Importverbot ab 2015. Bis etwa 2017 wurden sie nämlich weiterhin vertrieben; Geschäfte durften die Leuchten, die sie an Lager hatten, noch verkaufen. Quecksilberdampflampen haben eine Lebensdauer von rund 8000 Stunden, also etwas weniger als ein Jahr. Deshalb leuchten im Kanton auch heute noch die letzten mit Quecksilberdampf gefüllten Leuchten. Bis auch sie, je nach Gemeinde früher oder später, durch LED ersetzt werden.

Zustupf für die Umstellung auf LED

Der Bund will die Umstellung auf LED vorantreiben. Dazu gibt es das Förderprogramm «effestrada». Gemeinden, die sich dafür bewerben, erhalten pro «vorbildlich» saniertem Lichtpunkt 100 Franken. Bedingungen dafür sind eine LED-Leuchte mit mindestens drei Dimmstufen und mindestens 25 sanierte Lichtpunkte. So sollen 2 Millionen kWh Strom pro Jahr gespart werden. Das ursprüngliche Projekt sollte von 2015–2017 dauern, wurde jedoch verlängert. «Effestrada+» läuft weiter bis 2019 mit einem Budget von 1,2 Millionen Franken. Folgende Solothurner Gemeinden erhielten von «effestrada» einen Zustupf an die Umrüstung auf LED-Leuchten:

- Buchegg: 33 000 Franken

- Laupersdorf: 20 300 Franken

- Matzendorf: 17 200 Franken

- Aeschi: 10 800 Franken

- Herzogenbuchsee: 9800 Franken

- Attiswil: 9600 Franken

- Aedermannsdorf: 9100 Franken

- Kestenholz: 8200 Franken

- Wolfwil: 6000 Franken

- Subingen: 5800 Franken

- Zuchwil: 5600 Franken

- Oberdorf: 5000 Franken (NKA)

Auf der Rangliste von topstreetlight sind nicht alle Solothurner Gemeinden vertreten. Die letzte Aktualisierung fand 2016 statt. www.topstreetlight.ch