Kanton Solothurn
Durchgefallen! Wappen fusionierter Gemeinden werden scharf kritisiert

Eine Stiftung bewertet etliche Wappen der Region mit «schlecht». Die Kritikpunkte: Bezug zur Gemeinde, Farbkonstellation und Harmonie. Hätten sie Vorstellungen einer heraldisch einwandfreien Darstellung für das fusionierte Solothurn?

Christof Ramser
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Das Wappen von Messen kommt bei der Bewertung gar nicht gut weg.

Das Wappen von Messen kommt bei der Bewertung gar nicht gut weg.

Solothurner Zeitung

Eine denkbar schlechte Darstellung weise es auf, das neue Wappen der Gemeinde Messen. Die Bärlauchblüte sei fehl am Platz, da der Bärlauch, früher als Ramsernkraut bekannt und im alten Wappen von Oberramsern enthalten, mit dem Namen Messen keine Beziehung habe. «Ein neues Wappen wäre nicht notwendig gewesen. Das bisherige Wappen der Gemeinde Messen war heraldisch einwandfrei und hätte, da für die Gemeinde kein neuer Name verwendet wird, weitergeführt werden können.» Dies schreibt die Stiftung Schweizer Wappen und Fahnen, die Neuschöpfungen von Wappen nach Fusionen unter die Lupe nimmt. Das Fazit der Stiftungsratsmitglieder: Das Messner Wappen ist nicht gelungen.

Weitere frische Wappen aus der Region erhalten das Prädikat «schlecht». Die drei weissen Buchegger Rosen verstiessen gegen die heraldische Farbregel, ausserdem würde man sich auch historisch mit fremden Federn schmücken, da das Emblem weder mit den Grafen noch den Freiherren von Buchegg in Beziehung stünde.

Das Wappen von Messen kommt bei der Bewertung gar nicht gut weg.

Das Wappen von Messen kommt bei der Bewertung gar nicht gut weg.

Solothurner Zeitung

Buchegg

Die Gemeindeversammlung votierte deutlich für die drei weissen Rosen der neuen Gemeinde Buchegg (2014). Den Hobby-Heraldikern gefällt's nicht: Gold und Silber ( gelb und weiss ) dürfen nicht aufeinanderliegen.

Schlecht kommen auch die Drei Höfe und Lüsslingen-Nennigkofen weg. Das Wappen der beiden Bucheggberger Dörfer im Aaretal, die sich 2013 zusammenschlossen, sei aus den bisherigen zusammenkopiert worden und verstosse mehrfach gegen heraldische Farbregeln. Zudem vermittle die senkrecht stehende Linde neben der schräg liegenden Ähre den Eindruck, dass die Dörfer nicht am gleichen Strick zögen.

Das Wappen von Messen kommt bei der Bewertung gar nicht gut weg.

Das Wappen von Messen kommt bei der Bewertung gar nicht gut weg.

Solothurner Zeitung

Drei Höfe

Überladen und unharmonisch: Das neue Wappen der drei Höfe (2013) fällt bei der Stifrung durch. Zudeim sei Winistorf durch die rot-weissen Sparren übermächtig vertreten - was man in den drei Höfen vehement dementiert.

Als gelungen erachtet die Stiftung die Hoheitszeichen von Erlinsbach und Lohn-Ammannsegg. Befriedigend sei Lüterswil-Gächliwil.

Farben und Formen faszinieren

Präsident der Stiftung Schweizer Fahnen und Wappen ist der Ökonom Joseph Melchior Galliker aus Luzern. «Wir befassen uns seit Jahrzehnten mit Heraldik. Es ist bei uns auch viel Geschichtsverständnis vorhanden.» Er ist überzeugt: Wappen werden emotional diskutiert und sind bei Gemeindefusionen ein wichtiges Element. «Es stimmt nicht, dass Wappen nichts mehr wert sind.» Das deckt sich mit Beobachtungen aus den Zusammenschlüssen der vergangenen Jahre in unserer Region. Viele Menschen hängen an den Zeichen, die offenbar mehr sind als bloss Farben und Symbole. «Es sind signifikante Darstellungen, an denen man sofort bildlich ablesen kann, dass man Teil einer Gemeinde ist», so Galliker.

Das Wappen von Messen kommt bei der Bewertung gar nicht gut weg.

Das Wappen von Messen kommt bei der Bewertung gar nicht gut weg.

Solothurner Zeitung

Lohn-Ammannsegg

Gut wird das Wappen von Lohn-Ammannsegg (1993) bewertet. Mit der Übernahme der beiden Motive (Eiche und Radnagel) seien gleichzeitig die bestehenden Farbregelverstösse behoben worden.

Er plädiert dafür, nach Fusionen die alten Wappen der Ortsteile nicht einfach zu vergessen, sondern während mindestens zehn Jahren in der Korrespondenz zu führen und als Flaggen zu hissen. «Die Wappen bleiben geistiges Eigentum der Bewohner aus den betreffenden Dörfern und Regionen. Sie sollen nicht der Vergessenheit anheimfallen.» Damit die Wappen im Gedächtnis bleiben, gibt die Stiftung eine Buchreihe heraus. «Wir beraten auch fusionswillige Gemeinden», sagt Galliker. Nächstes Jahr erscheint eine Publikation, die sich der alten und neuen Wappen im Kanton Solothurn annimmt.

Wappen schüren Emotionen

Ihre Ideen für ein Wappen vom fusionierten Solothurn sind gesucht!

Wappen-Experte Galliker rät, bei einer Fusion mehrerer Gemeinde etwas Neues zu gestalten oderr das Wappen der grössten Gemeinde zu übernehmen.

Das fusionierte Solothurn soll das Hoheitszeichen der Stadt übernehmen.

Haben Sie vielleicht einen anderen Vorschlag? Egal, ob Sie (Hobby)-Heraldiker sind, oder ihrer Kreativität einfach mal freien Lauf lassen wollen: Senden Sie uns Ihre Ideen! (online@azmedien.ch)

Gemeindepräsident Thomas Fischer, der die neue Flagge an Anlässen jeweils stolz herzeigt, reagiert deutlich: «Diese Kritiker haben keine Ahnung.» Die rot-weissen Sparren würden das Wasseramt und nicht Winistorf repräsentieren. Ausserdem würden sich die Dorfbewohner mit «ihrem» Symbol identifizieren. Diese beizubehalten, war somit wohl auch taktisch klug. In Zusammenarbeit mit einem Heraldiker habe man beschlossen, alle drei Dörfer zu verbinden und optisch unter einen Hut zu bringen. Das sei sehr gut aufgenommen worden, ohne dass Emotionen geschürt worden seien. «Der Name und das Wappen gehören zu den wichtigsten Elementen bei einer Fusion. Damit kann man einer neuen Gemeinde zum Durchbruch verhelfen, oder man kann sie verhindern», sagt Fischer und ist überzeugt: «Unser Wappen passt.»

Joseph Galliker rät, bei einem Zusammenschluss von mehreren Gemeinden nach Möglichkeit auf alte Embleme zu verzichten. Besser sei eine komplette Neugestaltung oder dann das Wappen der grössten Gemeinde zu übernehmen. «Sonst sind sie überladen.» Aber bis dieses Verständnis vorhanden sei, dauere es wohl noch Generationen, glaubt Galliker.

Gut oder sogar sehr gut dürfte das fusionierte Solothurn bei den Kritikern wegkommen. Die Grossgemeinde soll das Wappen und den Namen der Stadt übernehmen, was in der Regel empfohlen wird. Auch in Riedholz (2011) und Aeschi (2012) wurde so verfahren. Prädikat: Sehr gut.