Fast zwei Jahre ist es her, seit die SP Stadt Solothurn ihre Motion zur «Förderung von Elektromobilität» eingereicht hat. Darin forderte sie eine «geeignete Anzahl Parkplätze» für Elektroautos und die Abklärung von kostenpflichtigen Ladestationen in den Parkhäusern.

Jetzt, im November 2015, verkündet das Stadtbauamt, dass «erste Massnahmen umgesetzt werden». In Solothurn sollen sechs bis sieben Parkplätze «ausschliesslich» für Elektrofahrzeuge markiert werden.

Dürfen dann nur Elektroautos zwischen den markierten Linien parkieren? Wird ein Lenker eines normalen Wagens gebüsst? Ob man Kontrollen durchführen könne, müsste laut der Leiterin des Stadtbauamtes Andrea Lenggenhager zuerst noch abgeklärt werden.

«Aber hinter dem Projekt steht vor allem der Gedanke die Bevölkerung zu sensibilisieren», sagt sie weiter. Dass ein Polizist kontrolliert, ob nur E-Autos auf den grünen Parkplätzen stehen, ist also unwahrscheinlich. Bezahlen muss man für die neuen Plätze übrigens gleich viel, wie auf einem normalen Parkplatz.

Warum gerade jetzt?

Mitte nächste Woche sollen die ersten drei bei den öffentlichen Parkplätzen Ritterquai, Konzertsaal und Cityparkplatz realisiert werden. Es gäbe keinen Grund dafür, dass die Parkplätze erst jetzt im November 2015 realisiert würden, so Lenggenhager. Der Wille zur Umsetzung sei mit dem erheblich erklären der Motion da gewesen.

«2016 werden zwei weitere Parkplätze im Parkhaus Berntor markiert», sagt die Leiterin des Stadtbauamts Andrea Lenggenhager. Nach Absprachen mit Parking AG soll es dort auch eine Ladestation geben.

Somit hätte die Stadt bereits fünf «grüne» Parkplätze. Die SBB will beim Hauptbahnhof ebenfalls ein Angebot schaffen. Sie klärt momentan noch ab, ob es ein oder zwei Parkplätze geben wird.

«Schritt in die richtige Richtung»

Er war es, der die Motion im Januar 2014 als Erster unterzeichnet hat: Matthias Anderegg, Gemeinderat der SP Stadt Solothurn. Erfreut über grünes Licht für die «grünen» Parkplätze?

«Die Stadt Solothurn geht dadurch definitiv einen Schritt in die richtige Richtung», so der Motionär. Er wirkt höchst zufrieden, auch weil die Initianten beim Planungsprozess von der Stadt einbezogen wurden. Und weil «das Ganze relativ schnell umgesetzt wurde». Wie erklärt der SP-ler sich, dass gerade jetzt erste grüne Linien gezogen werden?

«Zeitgeist», meint Anderegg. Zum Beispiel in Biel gäbe es bereits erste Plätze, die Stadt sei seit dem Einreichen der Motion wohl mittlerweile ebenfalls auf den Geschmack gekommen. 

Und das Sahnehäubchen des Ganzen: Auch die Parking AG zeigte sich mit dem Projekt einverstanden - wie gesagt wird es dort sogar eine Ladestation geben - obwohl sie zu Beginn dem Projekt noch eher ablehnend gegenüber stand.

«Die Realisierung ist ein Signal gegen aussen», ist der Motionär überzeugt. «Es ist schön, dass der Kantonshauptort diese Vorbildfunktion übernehmen kann.»

Hier sind Parkfelder bereits «grün»

Vor dem Mövenpick Hotel in Egerkingen gibt es bereits 6 Tankstellen für Teslas und zwei Ladestationen für «so ziemlich alle anderen Elektroautos», wie die Direktorin Ute Dirks auf Anfrage sagt. Dort kann kostenlos getankt werden.

In Betrieb sind diese Tanksäulen seit August 2014. Jetzt, ein Jahr später, sei die Auslastung «sehr hoch». «Bei der Tesla-Station tanken täglich rund 20 Autos», so Dirks. Zu den beiden anderen Stationen habe sie keine genauen Angaben, aber: Die Nachfrage nehme stetig zu.

«Und wir erhalten öfters gutes Feedback zu diesem Angebot», meint die Direktorin. So befände man sich momentan in Abklärungen für die Ausweitung der Tankstelle für Elektroautos. Etwas Konkretes liegt aber noch nicht vor. «Das Interesse ist auf jeden Fall da.»

Die Inbetriebnahme der Ladestationen bezeichnet Dirks als die «beste Idee» die für das Hotel initiiert worden sei. Und sie ist überzeugt, dass sich die Plätze auch in Zukunft lohnen werden.

Die Auto-Industrie verändere sich stetig und die Tankstelle in Egerkingen sei «erst der Anfang» der neuen Bewegung.

Auch das Solothurner Amt für Umwelt unterstützt Elektroautos. An der Werkhofstrasse 5, vor ihrem Sitz, stehen zwei «grüne» Parkplätze sowie eine Ladestation. Diese ist seit Ende August 2013 - «jösses Gott schon so lange» - in Betrieb, heisst es auf Anfrage bei Meinrad Flück. Seit der ersten Nutzung der Station habe sich die Auslastung verdoppelt, sagt dieser. 

«Wir haben Elektroautos aus der ganzen Schweiz auf unseren Parkplätzen», erklärt Flück. So hätte auch schon «ein Tessiner» vor dem Amt für Umwelt an der Ladestation geparkt.