Heirat
Durch einen gemeinsamen Familiennamen entsteht das Familiengefühl

Entgegen der Standardvariante des neuen Namensrechts haben sich die Zihlmanns bei der Heirat für einen gemeinsamen Familiennamen entschieden. Durch diesen entsteht für sie das Familiengefühl, welches ihnen sehr wichtig ist.

Anja Lanter
Merken
Drucken
Teilen
Der gemeinsame Familienname vermittelt dem Ehepaar Zihlmann ein Zusammengehörigkeitsgefühl.

Der gemeinsame Familienname vermittelt dem Ehepaar Zihlmann ein Zusammengehörigkeitsgefühl.

Auch wenn Hochzeitsvorbereitungen ihre Zeit dauern und allenfalls Diskussionen daraus resultieren können; für Sandra Weitnauer und ihren Partner Christoph Zihlmann war eines schon früh sonnenklar: Ab dem 31. Mai 2013 würde aus Sandra Weitnauer Sandra Zihlmann werden.

Der Name Zihlmann gefalle ihr einfach besser, erläutert die in Olten arbeitende 25-jährige medizinische Praxisassistentin ihre Entscheidung. «Für mich vermittelt ein gemeinsamer Name in erster Linie auch ein Familiengefühl: ein Name – eine Familie.»

Ehemann Christoph kann da nur beipflichten, denn auch für ihn steht das Zusammengehörigkeitsgefühl an erster Stelle. Die Vorstellung an einen Elternabend ihrer künftigen Kinder zu gehen und als Ehepaar nicht denselben Namen zu tragen, war für die 25-Jährige schlicht undenkbar. «Mit einem gemeinsamen Familiennamen muss man sich viel weniger erklären.»

Bedeutet denn für sie der Nachname nicht auch ein Stück Identität? «Nein, denn mein zweiter Vorname Bettina ist für mich vielmehr identitätsstiftend als der Name Weitnauer.» Ihr sei der Familienzusammenhalt, der aus dem gemeinsamen Namen resultiere, halt wichtiger als die mit einem Ledignamen einhergehende Individualität, führt sie weiter aus.

Entweder sein oder ihr Name

«Ich begrüsse es, dass den Paaren mit dem neuen Namensrecht die Möglichkeit gegeben wird zu entscheiden, ob sie lieber den Ledignamen der Frau oder des Mannes annehmen möchten», findet Sandra Zihlmann. Für sie heisse die Devise: entweder sein oder ihr Name.

Bleibe es aber bei der Ausgangslage des neuen Namensrechts – sprich behalten beide Partner ihre Ledignamen – so finde sie dies ganz und gar nicht gut. Auch in diesem Punkt herrscht bei den Zihlmanns Einigkeit.

Gleichwohl hätte er es verstanden, hätte seine Ehefrau ihren Namen behalten wollen. «Ich fand es eine schöne Geste von Sandra, dass sie sich für meinen Namen entschieden hat. Und obwohl für mich mit dem neuen Namensrecht Traditionelles verloren geht, bin ich froh, dass damit Mann und Frau auf die gleiche Stufe gestellt werden.»

Doch diese schöne Geste seiner Ehefrau war und ist auch mit Schwierigkeiten verbunden: Der neue Name gehe ihr nicht immer leicht über die Lippen. «Aber es fiel mir leichter, indem ich den Namen überall aufschrieb.»

Und welche Rolle spielte Tradition? Auch diese hat beim Entscheid ihre Finger im Spiel gehabt: «Am gemeinsamen Familiennamen haftet traditionelles Gedankengut», meint Sandra Zihlmann. «Die Schweiz ist halt schon in Traditionen verankert», ergänzt der Ehemann.

Deshalb war die Wahl des gemeinsamen Familiennamens Zihlmann für das Umfeld eine ebenso klare Sache. «Hätte mein Mann den Namen Weitnauer angenommen, wären Reaktionen vonseiten seiner Familie bestimmt nicht ausgeblieben.» Schlussendlich hätte seine Familie aber auch eine Wahl anders rum akzeptiert, wie Christoph Zihlmann nachschiebt.

Ferner wäre der Entschluss, die Standardvariante des neuen Namensrechts anzuwenden, im Umfeld auf Einwände gestossen. «Man hätte uns bestimmt gefragt, ob wir überhaupt verheiratet seien», sagt er. Und auch aus dem Kollegenkreis wäre ihm wohl der eine oder andere Spruch nicht erspart geblieben, so der Ehemann weiter.

Es gibt für beide Varianten Gründe

Doch trotz dieser Umstände hätte es auch für Sandra Zihlmann Gründe gegeben, ihren Namen zu behalten: «Ich wäre meinem Namen treu geblieben, wenn er vom Aussterben bedroht oder derjenige meines Mannes mit Vorurteilen belastet gewesen wäre.» Diesem Schicksal hätte sich dann auch Christoph gefügt.

«In diesem Fall hätte ich eingelenkt und ihren Namen angenommen. Man kann nicht vom Partner erwarten, dass dieser den Namen aufgibt, wenn man selbst nicht dazu bereit ist», beendet er seine Ausführungen.

Dem gemeinsamen Familiennamen stand aber nichts im Weg und so besiegelte die kirchliche Trauung am 15. Juni 2013 nochmals diesen Entscheid.