Für die aktiven Basler Fasnächtler sind «die drey scheenschde Dääg» zum Geniessen da. Für Hans Luterbacher aus Zuchwil und Meinrad Jost aus Bettlach hingegen sind diese drei Tage mit «scheen» viel Arbeit gefüllt. Denn sie stehen während dieser Zeit von vormittags bis spätabends in Basel als Trommelreparateure beziehungsweise «Drummledoggter» im Einsatz. Wie kommen zwei Nichtbasler zu diesem Titel beziehungsweise dieser Aufgabe?

«Um eines vorwegzunehmen», sagt Hans Luterbacher (66), «an der Basler Fasnacht sind längst nicht nur Einheimische mit Trommel und Pfeife unterwegs, sondern die kommen aus der ganzen Schweiz und dem Ausland.» Und so kam auch Luterbacher selber nach Basel: Die Tambourengruppe «Grieni Hind 79» wollte ihn, den Sieger unzähliger Tambourenfeste – Eidgenössische inklusive – in ihren Reihen haben.

Mit ihnen «ruesste» er in den 1980er-Jahren durch Basels Gassen, bis er wegen einer Knieverletzung damit aufhören musste. Da kam Stefan Freiermuth, ein ebenfalls preisgekrönter Tambour und Inhaber der Trommelbaufirma Schlebach AG, auf ihn zu und engagierte ihn als «Drummledoggter». Freiermuth übte diesen Job bisher selber aus in seinem Geschäft in der Kleinbasler Altstadt und freute sich, dass er nun wieder auf die Gasse gehen konnte.

Luterbacher betont: «Ich bin zwar kein Trommelbauer, aber Freiermuth wusste, wie viel ich davon verstehe.» Denn seit sich Hans Luterbacher als Viertklässler für die Trommel entschied und im Tambourenverein Biberist bei Sepp Eggenschwiler in den Unterricht ging, interessierte ihn neben dem Spiel auch das Technische.

In der Rekrutenschule als Tambour gehörte das Zerlegen und Zusammenbauen der Trommel zur Tagesordnung. Auf die Pflege der Trommel legt er grossen Wert, das behielt er bei in seiner langen sieg- und erfolgreichen Laufbahn als Tambour, sei es in der Sektion oder im Einzelspiel, als Ausbildner, Juror oder Leiter. Ferner schrieb er Kompositionen, die gerne und oft gespielt werden.

Zum aktuellen Team der «Drummledoggter» zählen neben Luterbacher noch ein weiterer preisgekrönter Tambour aus Wil SG und seit fünf Jahren auch Meinrad Jost (65) aus Bettlach. «Ich trommle zwar selber nicht, sondern habe Euphonium gespielt, zuletzt in der Musikgesellschaft Bettlach. Aber ich weiss, worauf es bei der Trommel ankommt», erklärt er.

Nach einer Zeit als Blasinstrumentenreparateur in Biel wechselte er in jene Abteilung des Militärzeughauses in Bern, wo seinerzeit Instrumente der Schweizer Militärspiele repariert und revidiert wurden. «Die Trommeln machten einen grossen Teil davon aus, das bot genügend Möglichkeiten, den Trommelbau zu studieren.» Von der Kaserne in Bern aus hatte Meinrad Jost häufig mit Trommelbaufirmen in der ganzen Schweiz zu tun, so auch mit der Schlebach AG in Basel. Deren Inhaber Stefan Freiermuth erinnerte sich daran und fragte Jost für die Mithilfe während der Basler Fasnacht an.

Wenn an der Basler Fasnacht auf den Putz, will heissen auf die Trommel gehauen wird, strapaziert das die Instrumente ganz schön. Martin Toengi

Wenn an der Basler Fasnacht auf den Putz, will heissen auf die Trommel gehauen wird, strapaziert das die Instrumente ganz schön. Martin Toengi

Der Arbeitsanfall für die «Drummledoggter» hängt in diesen drei Tagen unter anderem von der Wetterlage ab. «Die Luftfeuchtigkeit oder unbeständiges Wetter haben den grössten Einfluss», sagt Hans Luterbacher. «Schränken ist am häufigsten gefragt, das kommt zum Einsatz, wenn die Seile locker geworden sind, mit denen die Trommel gespannt wird.» Die Instrumente werden dazu in den Schränkbock geklemmt und mit 200 bis 300 Kilogramm Druck zusammengepresst, damit die Seile nachgezogen werden können.

Meinrad Jost weist auf eine weitere anfällige Stelle hin, nämlich die Saiten, die von der Aussenseite der Trommel über das untere Fell, das Resonanzfell, gespannt sind und entweder nachgezogen oder ersetzt werden müssen. «Und natürlich gibt’s immer wieder kaputte Felle oder gebrochene Schlegel zum Ersetzen.»

Alles in allem werden während der «drey scheenschde Dääg» in der Werkstatt der Schlebach AG durchschnittlich um die 200 Trommel-Notfälle gezählt. Selbstverständlich nicht «scheen» verteilt auf die Zeit zwischen vormittags und spätabends, sondern schubweise. Das müsse so sein, meinen die «Drummledöggter» übereinstimmend. «Ein wenig Hektik machts spannend.»