Eiswasser-Tauchen
«Druck aus dem Freundeskreis ist immer eine heikle Angelegenheit»

Die Facebook-Mutprobe, sich ins kalte Wasser zu stürzen, greift um sich. Was treibt junge Facebook-Nutzer dazu, in 10 Grad kaltes Wasser zu steigen? Nur der «süsse Reiz des Alkohols»?

Philipp Eng
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Derzeit gehen viele Facebook-Nutzer im kalten Wasser baden und liefern den Video-Beweis.

Derzeit gehen viele Facebook-Nutzer im kalten Wasser baden und liefern den Video-Beweis.

zvg

Baden oder Alkohol zahlen - so lautet die Devise der neusten Facebook-Mutprobe. Weshalb machen die Facebook-Nutzer da überhaupt mit?

Laut Ueli Imhof, verantwortlich für Suchtprävention und Jugendberatung bei der Perspektive in Solothurn, sei bei den Jugendlichen ein Drang vorhanden, sich selber bei den Freunden gut darzustellen, Mut zu beweisen und ein soziales Prestige zu gewinnen. Spüre ein Jugendlicher Druck aus seinem Freundeskreis, sei dies stets eine heikle Angelegenheit.

Andererseits könne ein Grund für solche Mutproben auch die Langeweile sein, die sich in der Freizeit der jungen Erwachsenen nicht selten breitmache. Beides könne laut Imhof zu solchen Aktionen führen. «Viele Nutzer von Social-Media-Plattformen wissen, wo der Punkt ist, an dem sie aufhören müssen», so Imhof.

«Bei manchen Jugendlichen jedoch ist dieses Bewusstwerden nicht so stark vorhanden. Sie gehen immer weiter. Sie kennen keine Grenzen und machen immer mit, um andere zu beeindrucken.» Dies könne so weit gehen, bis sie sich entweder selber körperlich schädigen, sich strafrechtlich Probleme einbrocken oder einen persönlichen Imageschaden erleiden.

Beteiligte Jugendliche sehen jedoch keinen Anlass zur Besorgnis. Joy Fischer aus Wangen an der Aare beispielsweise ist felsenfest überzeugt: «Würden die Leute durch die Aktion körperlich Schaden nehmen, würde ich dies nie unterstützen. Ich nehme auch an, dass meine Freunde vernünftig genug wären, in einer solchen Situation Nein zu sagen. Bei Aussentemperaturen um null Grad hätte es einen solchen Trend sicher nie gegeben.»

Und was meint eine Expertin? Laut Prisca Wolfensberger, Mediensprecherin der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft, stellen die Aktivitäten für gesunde Jugendliche kein Gesundheitsrisiko dar. Wie immer sei am und im Wasser aber Vorsicht geboten: Für Wolfensberger ist zwingend, das Eiswasser-Tauchen nur in Begleitung zu wagen.